Es ist wahrscheinlich leichter, als Wladimir Putin um ein bisschen Frieden zu bitten. Aber einfach war es für sie trotzdem nicht. Schließlich war es ein Flehen: „Ihr müsst mir helfen“, hat die Kanzlerin und Parteivorsitzende der CDU ihren „lieben Freunden“ zugerufen. Die sind Freunde der Sorte, die auf Ihrer Hochzeitsfeier auf der Leinwand Bilder aller Ihrer Ex-Freundinnen, oder Ex-Freunde, zeigen. Und ergänzen, welche der gezeigten Personen vor allem aus sexueller Enttäuschung mit Ihnen Schluss gemacht haben.
Denn kurz bevor der Parteitag endete, traten die ‚lieben Freunde’ ihrer soeben neu gewählten Parteichefin von hinten in die Hacken. Der Doppelpass muss wieder abgeschafft werden, verlangte eine Mehrheit der Delegierten. Na klar, das ist ja immer noch die CDU. Die Leute, die sich vergeblich mühen, den Begriff „Weltoffenheit“ in ihre kleinen Karos geschrieben zu bekommen. Die politische Kraft, die geschafft hat, dass „konservativ“ nach Männern mittleren Alters klingt, die am Sonntag Herrengedecke frühstücken und dann sehr laut Recht haben. Die Partei, die es als Erfolg verbuchte, als die Wähler in Hessen an CDU-Wahlständen fragten, ob sie gegen Ausländer unterschreiben können.
„Mutti“ kam von einem Gegelten in Lederhose
Die ungute Bezeichnung „Mutti“ für eine Bundeskanzlerin von Weltformat kam von irgendeinem Gegelten in Lederhose. Also der CDU-Schwesterpartei, die noch trotziger verlangt, Deutschland solle für immer eine Bockwurstrepublik bleiben.
Auch wenn ich also Frau Merkel überhaupt nichts Mamahaftes unterstelle, war ich wieder ganz Scheidungskind, als sie „Ihr müsst mir helfen“ rief. Wenn es tatsächlich wieder so ernst ist wie damals, als der Papa plötzlich woanders wohnte, dann möchte ich eigentlich unbedingt an ihrer Seite ein. Aber meinen Rat, es als parteilose Bundeskanzlerin zu probieren, wird sie höchstwahrscheinlich ablehnen.
Was dann? Ich hoffe vor allem, dass dieses Barmen von Vollprofis jetzt nicht Mode wird. In dem Flugzeug, in dem sich der Pilot mit den Worten „Ihr müsst mir helfen“ meldet, möchte ich jedenfalls nicht sitzen.
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Jörg Thadeusz schreibt jeden Sonnabend in der Berliner Morgenpost. Er arbeitet seit rund 25 Jahren als Journalist, Radio- und TV-Moderator sowie Buchautor. Aktuell moderiert er unter anderem regelmäßig beim Rundfunk Berlin-Brandenburg die Sendungen „Thadeusz“ und „Thadeusz und die Beobachter“. 2000 wurde er gemeinsam mit dem Team der WDR-Kultsendung „Zimmer frei!“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.


