Die neue Ausgabe des US-Magazins „Paper“ ist mit einem Cover auf dem Markt, das eine modische Ikone der Neuzeit auf das Titelbild gehoben hat, die man als durchaus kontrovers bezeichnen kann: Kim Kardashian. Ein Bild zeigt das Körperteil, das sie berühmt gemacht hat, den Po. Ein weiteres Bild, wie sie im Abendkleid eine Champagnerflasche in der Hand hält, ein Glas auf dem Hinterteil balanciert und das spritzende Getränk darin aufgefangen wird.
Das Foto wurde von niemand Geringerem gemacht als von Jean-Paul Goude. Der Franzose hat bereits in den 70er-Jahren eine ganz ähnliche Aufnahme von Carolina Beaumont geschossen. Einst als Reality-Star gestartet, ist Kim Kardashian mittlerweile Muse eines Modeschöpfers. Der Givenchy-Designer Riccardo Tisci entwarf sogar ihr Hochzeitskleid, in dem sie den Rapper Kanye West ehelichte. Sie ist Gast in der Front Row vieler Modeschöpfer und zählt mittlerweile eine ganze Reihe von ihnen zu ihrem Freundeskreis.
Nun entspricht Kim Kardashian nicht dem gängigen Bild der Modeindustrie. Sie ist nicht besonders groß (1,58 Meter). Ihre Körperform ist kurvig, der Busen nicht klein und ihr Hinterteil recht ausgeprägt. Trotzdem beginnt sich der Modezirkus um sie zu drehen. Sie hat über das Internet einen größeren Einfluss als manche Modemarke. Mit ihrem Handyspiel nahm Kim in wenigen Monaten 34 Millionen Dollar ein. Bald kommt ein Buch auf den Markt, in dem sie die „Selfies“ (Selbstporträts) ihres Instagram-Accounts abdruckt, Titel des Werks: „Selfish“ (selbstsüchtig). Kim drückt der Welt ihren Style-Stempel auf. Kann man mögen, muss man aber nicht.
Was sagt uns das? Es gibt nicht die eine, richtige Körperform. Die Mode lechzt nach Veränderung und Innovation. Die Vielfalt, die man über die Jahrzehnte verfolgen kann, ist enorm. Twiggy quälte in den 60er-Jahren die Generation meiner Mutter mit ihren dünnen Beinen, keiner Oberweite und großen Kulleraugen im Gesicht. Kate Moss war die Ikone meiner Generation. Mit ihrem Heroin-Schick eroberte sie die Laufstege. Auch sie mager, aber cool. Marilyn Monroe, ebenfalls ein Idealtypus Frau, hätte nie mit Kate Moss konkurrieren können. Zu Moss’ Glanzzeiten hätte sie als fett gegolten.
Denken Sie also daran, wenn Sie denken, Ihr Po wäre zu klein. Alles eine Frage der Betrachtungsweise. Ihre Zeit wird kommen.

