In San Francisco wagt sich niemand ohne Schutzkleidung auf das Fahrrad. In Rudeln stehen sie an der Ampel, keiner ohne Helm. Angesagt sind gerade weniger die windschnittigen Modelle à la Lance Armstrong, sondern viel mehr der Snowboard- oder Skateboard-Helm. Mattschwarz, Gold oder Silber stehen besonders hoch im Kurs. Hartgesottene tragen sogar Football-Helme, was wohl nicht zuletzt an den gerade stattfindenden Playoffs der amerikanischen Liga liegt. Saisonbedingte Schutzkleidung, quasi.

Als ich die ganzen modisch behelmten Radfahrer betrachtete, kam ich zu dem Schluss, dass auch ganz normale Kleidung immer ein Schutz vor der Außenwelt ist. Der „Lass-mich-in-Ruhe“-Kapuzenpullover liegt in den unterschiedlichsten Ausführungen in allen möglichen Schränken, da bin ich mir sicher. Genauso wie das „Ich-fühl-mich-zu-dick-Kleid“. Oder das „Heute-geh-ich-auf-Nummer-sicher-Ausgeh-Oberteil“.

Teuer erkaufte Selbstsicherheit

All diese Klamotten bringen zwar keine Sicherheit im Straßenverkehr, aber eine subjektive Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen. Auch Marken können manchen Leuten Schutz bieten. Teuer erkaufte Selbstsicherheit. Ein weiterer, radikalerer Schritt in Richtung Schutzkleidung ist es, wenn man an seine eigene Haut geht. Prominentestes Beispiel (oder Opfer?) ist da gerade Renée Zellweger.

Die eher als schüchtern geltende Schauspielerin hat sich ein neues Gesicht zugelegt. Mit Hilfe von Chirurgen. Ob das Projekt gelungen ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Für mich sieht es sehr nach einem „Haltet-mich-bitte-nicht-für-zu-alt-Modell“ aus. Was bei einer 45-jährigen Schauspielerin in Hollywood verständlich, aber nicht weniger zynisch ist.

Außerdem gibt es hier ein Nachhaltigkeitsproblem. Kann man den „Lasst-mich-bloß-alle-in-Ruhe-Pullover“ wieder ausziehen, ist ein neues Gesicht nicht einfach wieder abzustreifen. Dazu sind bekanntermaßen schmerzhaftere Maßnahmen notwendig. Vielleicht sollte irgendjemand der Zellweger mal ein schönes „Hollywood-Bosse-mit-Jugendwahn-ihr-könnt-nach-Hause-gehen“-T-Shirt schicken. Mit Totenkopf, Blitzen und allem Zip und Zap in gefährlichem Nachtschwarz. Das würde mir gefallen.