Kolumne

Warum frau nicht jeden Nageltrend mitmachen sollte

Nageldesign ist zwar inzwischen gesellschaftlich akzeptiert, aber oft mehr als unpraktisch, findet Cordula Schmitz. Trotz ihrer Vorbehalte hat sie den neusten Trend mal ausprobiert.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Es gab mal eine Zeit, in der man das Wort „Nagelstudio“ mit einem gewissen Ekel in der Stimme aussprach. Denn das Ergebnis eines Besuchs in einem solchen Etablissement war selten schön anzusehen. Die Nägel sahen meist aus, wie die Kleider von Eiskunstlaufprinzessinen aus den80ern. Und wer wollte ernsthaft mit dem ein Abbild eines Yorkshire-Terriers, Blümchen oder kleinen Mäusen auf den Krallen rumlaufen.

Aber genau wie die kleinen Hunde hat sich die Nagelkunst durch die Hintertür der Gesellschaft in die Mode eingeschlichen. Auf den Fingern von Stars wie Beyoncé oder Kate Perry werden ganze Romane erzählt. Folien sorgen für abgefahrene Effekte. Glitzersteine sind von vorgestern, 3-D auf dem Nagel der neuste Trend. So bekommen Fingernägel dann ein Muster, wie von einer Handgranate. Ich gehöre normalerweise zu den konservativen Vertretern, was das Nageldesign betrifft. Ein dunkles Rot geht immer. Die Nägel dürfen kurz sein, schließlich will ich meine Kollegen beim Tippen nicht in den Wahnsinn treiben. (Ich bin sicher, dass es dunkle Gefängnisse gibt in denen Menschen gequält werden, indem eine Frau mit spitzen Nägeln eine Tastatur malträtiert. Ein schlimmes Geräusch.)

Eulenfedern für die Nägel

In der Redaktion kommen allerdings immer allerlei Dinge an, die es heldenhaft am eigenen Körper auszuprobieren gilt. Nageldesign für Fortgeschrittene, lautete die Herausforderung. Federn, ausgerechnet Federn sollten es sein. Die britische Firma Ciatè hat, die meiner Meinung nach leicht perverse Idee, Federn auf die Nägel zu lackieren. Echte Federn, die nach Aussagen des Unternehmens von Eulen stammen sollen. Kleine flauschigen Eulen denen bei lebendigem Leib die Federn ausgerissen werden? Nein, nein alles ethisch ganz korrekt, versichert man mir.

Also lackte ich, legte die Feder drauf, schnitt die Feder ab und lackte wieder. Das Ergebnis: ernüchternd. Ich fühlte mich, wie die Hexe Baba Jaga aus dem Knochenhaus und wenig glamourös. Die Bestätigung kam prompt: Ob ich mir den Nagel fies in der Tür geklemmt hätte? Oder mit dem Hammer? Sähe schmerzhaft aus. So zumindest die Aussagen der Freunde, mit denen ich mich Abends an der Bar traf. Kurz. Rot. Konservativ. Ich bleib dabei.

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