Single Mom

So glücklich getrennt wie andere verheiratet

Als Alleinerziehende erlebt unsere Kolumnistin immer öfter die Trennungen von Bekannten. Das bringt Caroline Rosales ins Nachdenken.

Bei Trennungen streiten Paare oft erbittert - mitunter auch um die Kinder

Bei Trennungen streiten Paare oft erbittert - mitunter auch um die Kinder

Es ist ein schwieriges Thema (aber mit Happy End!), an das ich mich vorsichtig von mehreren Seiten anpirschen muss, um niemanden zu nah zu treten. Aber probieren wir es doch mal so.

Wenn ich in den vergangenen Monaten zu einem Kaffee oder Mittagessen verabredet war, mit alten Bekannten oder zum Kennenlernen einer vielleicht neuen Freundin oder einem Kumpel, ging es im Gespräch (leider) sehr oft um ihre/seine Trennung. Der eine oder die eine hatte sie gerade erlebt, noch mehr meiner Gegenüber befanden sich gerade mitten in einem hochemotionalen Sorgerechtsstreit um die gemeinsamen Kinder.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich das Wechselmodell nicht will“, sagte eine Freundin einmal zum Beispiel zu mir. „Und dann habe ich das auch durchgeklagt.“ Eine andere erzählte mir, sie habe unterbinden wollen, dass er mit dem Kind zu oft nach Stockholm zu seinen Eltern fährt. „Das habe ich jetzt gerichtlich klären lassen“, erklärte sie mir und nahm einen Schluck Tee. Er habe nun eine Art Ausreisesperre. Ein anderer Vater hat per Anwalt nun verfügen lassen, dass das Kind auf öffentlichem Straßenland übergeben werden muss, so dass weder der eine noch der andere Partner die Türschwelle des anderen übertritt.

Und dann wäre da noch meine andere Bekannte, die ich vor kurzem zum Abendessen in einem Weinlokal traf. Sie ging zum Telefonieren raus. Vor der Tür sah ich sie schnell hin und her gehen, sie gestikulierte wild. Es war unschwer zu verstehen, worum es ging. Als sie zurück an unseren Tisch kam, wirkte sie aufgelöst, fahrig. Sie warte jetzt noch auf einen Rückruf. Und ich sollte solange erzählen wie es mir geht. Ich redete und redete, damit sie es nicht musste.

Es wird viel gestritten, geseufzt, geweint, verklagt, mit dritten Personen nach Lösungen gesucht heutzutage. Viel Geduld für Wut und Frust verschleudert, den wir sonst wohl nicht anders kanalisieren können. So will es das Klischee und auch die Realität. In Zeiten, in denen jede dritte Ehe, in Großstädten sogar jede zweite, in die Brüche geht, werden die Scheidungsschlachten härter. Das bestätigen auch Experten wie die Leiterin der Erziehungsberatungsstelle des Bistums Osnabrück, Birgit Westermann, wie der Berliner Familienrichter Michael Grabow.

Der Vater meiner zwei Kinder und ich haben uns vor drei Jahren getrennt. Ohne Gericht. Ohne Sorgerechtsstreit. Und manchmal frage ich mich – weil andere mich fragen – warum wir eigentlich diese Schwelle der Eskalation nie überschritten haben. Tatsächlich war immer alles streitbar, diskutabel, aber nie erbittert bis um das letzte Wort.

Nie ging es darum, dem anderen etwas wegzunehmen, schon gar nicht die Kinder – wie könnten wir auch, jeder weiß doch um seine eigene Liebe zu ihnen. Nein, um solche Dinge ging es nie. Vielleicht weil unsere Berufe schon fordernd, schon kompetitiv genug sind – vielleicht war es auch einfach die Fatalität der vielen Kleinigkeiten, die wie Zufall auf uns wirkte und vielleicht auch, weil wir pures Glück hatten.

Es sind solche Gedanken, die mir durch den Kopf gehen, jetzt wo ich meinen Koffer packe. Ich fahre zwei Wochen weg und er, der Papa, wird für seine, unsere Kinder da sein und bei uns wohnen. Ich denke dann, dass es doch erstaunlich ist, weil ich mich (absurderweise) immer nach einer Bilderbuchfamilie gesehnt habe. Immer nach vielen Menschen glücklich in einem Haus.

Die Rama-Family, das traute laute Heim – ich habe diese Komponenten nie zusammen bekommen. Dafür aber wohl etwas anderes – die vielen Erzählungen meiner Bekannten haben mich nun darauf gebracht. Ich bekam die fröhliche, gute Elternschaft nach einer Scheidung. Ohne Krieg. Ohne Gericht. Und dafür – und das ist eigentlich gar nicht so absurd – verspüre ich echte Dankbarkeit..

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+++ Berlin-Podcast +++ In der aktuellen Ausgabe „Molle und Korn“: Nichtraucher-Zone für Shisha-Bars: Sinnvoll oder nicht? + Die BVG bittet um Entschuldigung statt um „Verständnis“. Außerdem: Sollen Obdachlose nachts in Bahnhöfen übernachten dürfen?

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