Schumachers Woche

H plus O: Die Zukunft könnte im Wasser liegen

Hajo Schumacher wundert sich, warum einige Technologien nicht verfolgt werden.

Hajo Schumacher.

Hajo Schumacher.

Foto: Frank Johannes

Berlin. Ich bin ja nun wirklich kein Experte, hätte da aber trotzdem mal eine Fachfrage: Unsere Energiewende funktioniert ja trotz immenser Kosten nur so mittelgut, weil Wind und Sonne selten genau dann Strom erzeugen, wenn er gebraucht wird, an einem Winterabend zum Beispiel. An einem windigen Sommersonnenmittag wiederum braucht kaum jemand Elektrizität, weswegen die Leitungen glühen oder Windräder abgestellt werden. Zu viel Strom, zu wenig Strom.

Es fehlt ein Speicher, der Energie aufbewahrt, bis sie gebraucht wird. Batterien taugen nicht – zu schwach, zu teuer, zu schwer, zu schmutzig. Vor mehr als 30 Jahren habe ich eine Reportage über Ludwig Bölkow geschrieben, Ingenieur und Visionär, der damals mit Öko-Strom Wasserstoff zu produzieren plante, der als Gas oder in flüssigem Zustand Energie so praktisch speichert wie Benzin und obendrein ins Gasnetz gespeist werden kann, um Autos, Heizungen, Turbinen anzutreiben.

Kostenloser, weil überschüssiger Öko-Strom produziert Wasserstoff (H), der sich beim Verbrennen mit dem Sauerstoff (O) der Luft verbindet – zu H2O, also Wasser. Keine Klimagase, keine Scheichs oder Potentaten im Spiel, weder Kobalt, Mangan, Nickel oder Lithium aus Kinderarbeit, die meisten technischen Probleme gelöst, Greta glücklich.

Und das Hantieren mit explosivem Treibstoff sind wir ja vom Benzin gewohnt. Warum – wir sind endlich bei der Fachfrage – erweitern wir eigentlich unsere E-Zukunft nicht um die H-Komponente? Ist ja alles da. Greenpeace tüftelt seit Jahren an Windgas-Anlagen, in den Wäldern an der Müritz betreibt der Energiekonzern „Uniper“ ein einsames Versuchskraftwerk. Und dann wäre da ja noch der alte Bölkow.

Es wäre billig, an Fax und MP3 zu erinnern, an Batterienwissen und Solarkunde, an all die Technologien, die hierzulande ertüftelt und dann im Rest der Welt monetarisiert worden sind. Kann aber sein, dass dem Wasserstoff ein ähnliches Schicksal blüht. Begeistert fördert die EU seit zwei Jahren eine europäische Batteriefabrik. Für Ludwig Bölkows Projekt fand die EU-Kommission seinerzeit allerdings leider kein Fördergeld.