Mal angenommen, die Kanzlerin hat recht, und so ein G20-Gipfel ist alternativlos in Zeiten, da der globale Trend vom Wir zum Ich geht. Sehr verschiedene Häuptlinge sehr verschiedener Stämme müssen bisweilen zusammenkommen, um zwar keine Einigkeit, aber immerhin Gesprächsfähigkeit zu pflegen.

Aber warum muss das Treffen in besiedeltem Gebiet stattfinden? Eingeborene als Kulisse? Ach was: Der Sicherheitsabstand zwischen Volk und Anführern lässt Menscheln nicht zu. Warum also Hamburg, warum überhaupt urban? Warum muss eine freie Hansestadt zur Festung ausgebaut, warum gleich ein Sack von Grundrechten massiv eingeschränkt werden, ob die Bewegungsfreiheit der Bürger, Demonstrationsrechte und am Ende, ärgerlich aber wahr, auch das Recht der freien Meinungsäußerung. Eine Frage am Rande: Hätte die Kanzlerin den Herren Trump, Putin, Xi Jinping ebenfalls untersagt, in Deutschland zu reden?

G20 ist wie Olympia – zu groß, zu teuer, zu irre. Das Prinzip Wanderzirkus hat sich überholt. Aufwendig und sinnlos, das große Zelt immer wieder neu aufzubauen. Vier Millionen soll allein die Pop-up-Gefangenensammelstelle an der Elbe kosten.

Höchste Zeit, das Spektakel neu zu ordnen. Es gibt ja nur zwei Gründe, die für „G20 in the City“ sprechen: Flughafen und Hotelzimmer. Warum nicht ein Kreuzfahrtschiff mieten? Von 2000 Kabinen bekäme jede Delegation 100, was die Zahl der mitreisenden Wichtigtuer natürlich reduziert. Jeder Kreuzfahrer hat einen Hubschrauberlandeplatz an Deck; von hier ließe sich der Heli-Shuttle zum nächsten Großflughafen einrichten. Die Sicherheitslage wäre deutlich überschaubarer. Zwar wären die Fotos an der Reling etwas eintöniger, dafür könnten sich Bodyguards mit Testosteronüberschuss in einer kleinen WM untereinander vermöbeln. Endlich wäre Erdogan auch mal vorn. In einer windstillen Ecke könnte er anschließend so lange und laut reden wie er will. Und die Route steht auch fest: Malta, Panama, von Steueroase zu Steueroase. Die könnte man nebenbei noch rasch trocken­legen.

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