Endlich Ferien. Wir sind fast abfahrbereit. Nur noch das Parkett fürs Zelt besorgen, aber kein lumpiges Laminat, sondern kanadische Rotbuche. Und rasch eine Traverse für den Kronleuchter schweißen. Die Anhängerkupplung sollte den Generator schaffen, auch wenn wir noch die Zwei-Kreislauf-Kaffeemaschine draufschnallen. Auf dem Autodach transportieren wir die Boxspringbetten. Whirlpool, Flatscreen und Satel­litenschüssel werden wir am Urlaubsort dazumieten. Hoffentlich hält der Reisekühlschrank die Austern frisch.

Das wird ein großartiger Sommer, voll im Trend. Wir probieren dieses Jahr Glamping, das machen jetzt alle in Hollywood. „Glamping“ setzt sich aus „Glamour“ und „Camping“ zusammen, was so widersprüchlich klingt wie Currywurst mit Trüffeln. Die Idee aber ist überzeugend: Glamping verbindet den Luxus des Grandhotels mit den Reizen der unberührten Natur. Deswegen rüsten wir unser Familienzelt auf und packen das Silberbesteck von Tante Martha und die Messerbänkchen vom Flohmarkt ein. Glamping bedeutet vor allem darstellendes Erholen: Die anderen Urlauber sollen ruhig sehen, was wir so alles in unseren Schränken haben und viel zu selten ausführen. Gelungene Ferien lassen sich am besten an den neidischen Blicken der Miturlauber erkennen.

Glamper haben Stil, die wollen ihre pferdeledernen Badeschuhe nicht in die Gemeinschaftstoilette setzen; sie verstehen sich als Businessclass und stellen ihr eigenes Marmorbad auf, gleich neben dem Safarizelt im Landhausstil. Gern wird auch eine Jurte genommen, ein Baumhaus oder ein Luxuswohnwagen, Hauptsache Whirlpool, Lodge, Lounge und Schirmchengetränk zum Frühstück. Und am Dreibeingrill brutzelt der Sternekoch ein Nackensteak de luxe.

Über 1200 Glamping-Plätze gibt es in Europa, vier in Großbritannien, elf in Griechenland, über 200 in Deutschland, Italien, Frankreich. Kerneuropa bildet sich auch beim Glampen ab. Für eine Woche Glamping sollte der Familienvorstand mit etwa 1500 Euro rechnen. Dafür bekäme man übrigens auch ein richtig gutes Hotel.