Wenn man sie in diesen Tagen sieht, trifft man auf eine strahlende Frau: Ramona Pop, eine aus dem Vierer-Spitzenteam der Grünen, lacht viel und tritt selbstbewusst auf.
Der Grund? Die Grünen liegen knapp vier Monate vor der Abgeordnetenhauswahl in den Umfragen zwischen 18 und 20 Prozent – und damit gleichauf oder vor der CDU und nicht mehr weit entfernt von der SPD, die in der letzten Infratest-Umfrage nur noch auf 23 Prozent kommt.
Wie sich die Lage innerhalb weniger Wochen gewandelt hat: Als die Grünen kürzlich ihr Vierer-Team aus den beiden Fraktionsvorsitzenden Ramona Pop und Antje Kapek sowie den beiden Landeschefs Bettina Jarasch und Daniel Wesener nominierten, kam Pop zwar auf Platz eins der Liste, erhielt aber nur magere 67 Prozent. Vorbei, vergessen, die Umfragen geben neuen Schwung.
Pop als gefragte Gesprächspartnerin
Beim Hoffest des Regierenden Bürgermeisters am Dienstag dieser Woche jedenfalls war Ramona Pop eine gefragte Gesprächspartnerin. Manch einer begrüßte sie mit „Oh, die nächste Regierende Bürgermeisterin“, was mit einem herzlichen Lachen quittiert wurde.
Berlin feiert das traditionelle Hoffest
Die Fehler, die die Grünen vor fünf Jahren begangen haben, wollen sie auf keinen Fall wiederholen. Damals, Anfang 2011, lagen die Grünen in den Umfragen deutlich vorn, Spitzenkandidatin Renate Künast sah sich schon im Roten Rathaus, Klaus Wowereit (SPD) war amtsmüde und die rot-rote Regierung ideenlos. Doch Künast machte inhaltliche Fehler, weil sie sich im Berliner Alltag nicht mehr gut auskannte, die Grünen verschreckten mit schwarz-grünen Koalitionsplänen einen Großteil ihrer Wähler, und Wowereit drehte noch einmal voll auf. So hieß der Wahlsieger im September 2011 dann Wowereit mit 28,3 Prozent der Stimmen, die Grünen kamen auf 17,6 Prozent und stürzten ihren Fraktionschef Volker Ratzmann (heute Leiter der Landesvertretung Baden-Württemberg und Vertrauter von Winfried Kretschmann), Künast blieb im Bundestag – und Wowereit schmiedete ein Regierungsbündnis mit der CDU.
Das alles soll nicht noch einmal passieren. Oder anders: Diesmal soll der Bär erst erlegt werden, bevor das Fell verteilt wird. Ramona Pop beantwortet die Frage, welchen Senatorenposten sie gerne hätte, auch dann nicht, wenn sie von Freunden gestellt wird. Auch über eine mögliche Koalition wird nur vertraulich geredet, denn allen ist klar, dass es angesichts der Umfrageergebnisse für AfD wohl nur für ein Dreierbündnis reichen wird. Und mit größter Wahrscheinlichkeit sind die Grünen in der nächsten Koalition dabei.
Auch Politiker brauchen manchmal eine Atempause
Und so feierten sie am Dienstag beim Hoffest am Roten Rathaus ausgelassen – Ramona Pop und andere wurden noch weit nach Mitternacht auf der Tanzfläche im Keller des Rathauses gesehen, wo zuerst Kulturstaatssekretär Tim Renner und dann Senatskanzleichef Björn Böhning Musik auflegten. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), der zwischendrin zum Energiegipfel ins Kanzleramt musste, blieb auch bis zum frühen Mittwochmorgen, auf der Tanzfläche war er aber nicht.
Auch für Müller, den Hausherrn, war das Hoffest ein Grund zur Freude. Schlechte Umfragewerte, Energiegipfel hin oder her. Denn trotz des angekündigten Gewitters war es in diesem Jahr ein regenfreier Abend, ein lauer Sommerabend gar. Die 3500 Gäste waren deshalb bester Laune. Und es waren alle gekommen. Die ehemaligen Regierenden Bürgermeister Walter Momper (SPD), Eberhard Diepgen (CDU) und Klaus Wowereit (SPD), frühere Senatoren wie Katrin Lompscher (Linke), Carola Freundl (Linke), Wolfgang Branoner (CDU) und Gisela von der Aue (SPD), natürlich die amtierenden Senatoren wie Innensenator Frank Henkel, Sozialsenator Mario Czaja (CDU) oder Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Die meisten Politiker hatten ihre Frauen dabei, denn auch das hat gute Tradition beim Hoffest. Wahlkampf, der wird dann erst am Tag danach wieder gemacht. Auch Politiker brauchen manchmal eine Atempause.























