Es ist nur ein Aufschub: Im Streit um Gemeinschaftsflüge von Air Berlin und Etihad verpflichtete das Verwaltungsgericht Braunschweig das Luftfahrtbundesamt (LBA), Etihad den Winterflugplan für Fluglinien- und Code-Share-Dienste befristet bis zum 8. November 2015 zu genehmigen. Air Berlin und Etihad atmeten kurz auf, zumal es anschließend noch eine weitere Fristverlängerung bis zum 15. Januar gab. Wenn bis dahin keine Lösung gefunden wird, wenn Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) diesen Code-Share-Flüge nicht mehr zustimmt, dann wird es für Air Berlin ganz bitter. Denn ohne diese Flüge sind rund 140 Millionen Euro Umsatz gefährdet – und damit das gesamte Unternehmen.

Dafür, dass es nicht nur für die Fluglinie, sondern auch für Berlin und erst recht für den Flughafen BER, der irgendwann ja einmal eröffnen wird, um so viel geht, dafür sind die Berliner Politiker erstaunlich zurückhaltend. So still, dass einem alten Recken der Ber­liner Politik vor gut einer Woche fast der Kragen platzte.

Klaus Landowsky, der ehemalige einflussreiche CDU-Fraktionsvorsitzende, der für viele Berliner immer noch eine Persona non grata ist, weil sie ihn für die Bankenaffäre im Jahr 2001 verantwortlich machen – auch wenn Landowsky von den obersten Gerichten von allen Vorwürfen freigesprochen wurde –, Landowsky also griff zum Telefon. Und mobilisierte seine eigene Leute – wie den CDU-Landeschef Frank Henkel.

Damit nicht genug, Landowsky rief selbst Journalisten an und lieferte – so wie man ihn aus alten Zeiten kennt – auch das beste, das passende Zitat: „Das ist ein Anschlag auf die Hauptstadt“, schimpfte Landowsky und benannte Dobrindt.

Und Landowsky hat Recht, denn eins hat der Bundesverkehrsminister in den letzten Monaten deutlich erkennen lassen: An einem wirtschaftlich erfolgreichen Flughafen in Berlin hat der CSU-Politiker kein Interesse. Dobrindts Herz schlägt für München und für die Lufthansa. Die Lufthansa, selbst in wirtschaftlich schwieriger Lage, hat ihre großen Umsteigeflughäfen, die sogenannten Hubs, in Frankfurt und München und gar kein Interesse, von Berlin, vom künftigen BER auch noch direkt in alle Welt zu fliegen. Dobrindt will deshalb nicht Berlin, sondern eher München stärken.

Nur so ist zu erklären, warum er kürzlich angesichts steigender Flugpassagierzahlen in Berlin vorschlug, man könne doch Leipzig als Ausweichflughafen nutzen. Dort sei man in 55 Minuten (Falsch! Das dauert mindestens eineinhalb Stunden), da könne man sich den Ausbau am BER, der mit der Eröffnung ja zu klein sein wird, sparen. So spricht keiner, der Berlin und seine Flughäfen mag.

Gabriel appelliert an Dobrindt

Auch Dobrindts Unnachgiebigkeit in Sachen Code-Shared-Flügen ist nicht anders zu erklären. Schon Anfang des Jahres gab es deshalb Ärger. Damals übten Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) und andere so massiv Druck auf Dobrindt aus, dass die Genehmigung nochmals erteilt wurde. Auch jetzt appelliert Gabriel wieder an Dobrindt, Air Berlin nicht zu gefährden. Ob er und die Berliner CDU-Politiker erhört werden, ist aber wahrlich nicht sicher.

Die Lufthansa, die kürzlich in Berlin ein Jubiläum feierte – 25 Jahre Wiederanflug auf Berlin, weil sie dies zu DDR-Zeiten ja nicht durfte –, hat sich in diesen 25 Jahren immer nur sehr zurückhaltend für die Stadt engagiert. Auch jetzt, zum Jubiläum, stellte Lufthansa-Chef Carsten Spohr eine Langstreckenanbindung in Aussicht – wohin und ab wann es gehen könnte, ließ er offen. Auch deshalb ist es so wichtig, dass Air Berlin die Krise meistert, mit Etihad in Abu Dhabi ihr internationales Drehkreuz hat und von hier aus in alle Welt fliegt.

Man stelle sich nur vor, es gäbe Air Berlin nicht mehr. Dann würde Fliegen von Berlin aus sehr viel teurer werden – innerhalb Deutschlands und weltweit. Das kann keiner wollen, noch nicht einmal Alexander Dobrindt.