Was für eine Woche. Nicht nur in Berlin, auch in Deutschland – oder präziser gesagt in Wolfsburg – war die Aufregung groß. Hätten Sie einen solchen Skandal wie bei VW jemals für möglich gehalten? Ich nicht. Aber ich hätte auch nicht gedacht, dass es noch mehr, immer neue Hiobsbotschaften beim Flughafen BER geben kann. Wie am Wochenanfang bekannt geworden ist, wurden dort, im Terminal, 4000-Kilogramm-Ventilatoren an die Decke gehängt – die damit doppelt so schwer sind als erlaubt. Damit droht Einsturzgefahr, am Montag verhängte das zuständige Landesamt in Brandenburg einen Baustopp im BER-Terminal und ließ das Gebäude sperren. Unvorstellbar? Beim BER gilt das schon lange nicht mehr.
Was wollten die Macher vom Flughafen, was die Verantwortlichen in Berlin, Brandenburg und dem Bund eigentlich im Juni 2012 eröffnen? Einen Flughafen, bei dem die Brandschutzanlage nicht funktioniert, bei dem die Kabelschächte nach rund 500 Umplanungen in den eineinhalb Jahren vor der geplanten Eröffnung vollgestopft worden waren, ohne dass jemand noch den Überblick behielt. Einen Flughafen, wo allen Ernstes (Ja, auch wir Journalisten haben das geschluckt!) 700 Mitarbeiter an den Türen stehen und diese im Gefahrenfall hätten öffnen und schließen sollen. Einen Flughafen, wo offensichtlich an der Terminaldecke – auch über dem Shopping-Bereich – viel zu schwere Ventilatoren hingen.
Ich frage mich, wer kommt eigentlich für diese Fehler, für diesen auch wirtschaftlichen Schaden auf. Wer wird dafür in Regress genommen? Bislang bezahlen wir Steuerzahler das – die Kosten, Sie erinnern sich, belaufen sich statt auf zwei Milliarden Euro schon auf mehr als fünf Milliarden Euro. Und dabei wird es sicherlich nicht bleiben.
Angesichts der neuen schlechten Nachrichten beim BER sprach auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) von einem „Rückschlag“. Der Flughafenchef Karsten Mühlenfeld – seit Absage der Eröffnung der dritte im Amt – entließ noch in dieser Woche den für das Terminal zuständigen Baubereichsleiter. Mühlenfeld zeigte sich zwar optimistisch, dass der Eröffnungstermin im Herbst 2017 gehalten werden kann, sagte aber gleichzeitig, dass man auch künftig noch auf Vorgänge aus der Vergangenheit stoßen werde, die auf „den ersten Blick unfassbar“ erscheinen würden. Und, so Mühlenfeld: „Es ist keine Frage, dass wir derzeit in einer schwierigen Projektphase sind.“ Derzeit? Ich mag es nicht mehr hören.
Schon vor ein, zwei Jahren sagten meine Familie und Freunde, wenn es um die Probleme am BER ging, es interessiere sie nur noch, wann der Flughafen eröffnet werde. Inzwischen interessiert sie auch diese Frage nicht mehr. Umgekehrt heißt es: „Sei doch froh, dass du auch noch die nächsten Jahre von Tegel aus fliegen kannst.“ Und ich bin es – und frage mich jedes Mal, wie unser kleiner, innerstädtischer Flughafen immer noch durchhält. 2012, im Mai, als der damalige Aufsichtsratschef des Flughafens, Klaus Wowereit, und sein Stellvertreter Matthias Platzeck die Eröffnung absagen mussten, da war schon nichts mehr in Tegel investiert worden. Da standen die Zeichen auf Abschied, alle bereiteten sich auf den Umzug nach Schönefeld vor. Inzwischen sind mehr als drei Jahre vergangen, ein bisschen ist seitdem in Tegel investiert worden, denn die Gepäckbänder, die Rollbahnen, die Warteräume, auch die Toiletten oder kleinen Läden müssen noch länger durchhalten. Und es wird immer voller und voller, nicht nur in den Ferienzeiten. Im Terminal C, wo Air Berlin seine Passagiere auf Reisen schickt, drängen sich häufig so viele Menschen, dass man sich wundert, dass noch keiner der Fluggäste oder Mitarbeiter die Nerven verloren hat.
Eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass Tegel – bis heute ohne einen Direktanschluss an die U- oder S-Bahn – noch so gut funktioniert. Bis 2018 muss der Airport noch durchhalten. Mindestens.


