Er ist ganz schön früh dran gewesen: Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) startete am Freitagmorgen um 7 Uhr die Kampagne für die Olympischen Spiele in Berlin. Um 7 Uhr, weil es dann auf jeden Fall noch dunkel ist und die Lichtinstallation am Brandenburger Tor mit dem Schriftzug „Wir wollen die Spiele“ dann so schön zu sehen ist. Und für die Fotografen und TV-Leute so schön zu fotografieren und filmen ist. Ein tapferer Regierender Bürgermeister.
Aber es ist auch richtig, dass Müller sich jetzt für die Olympischen Spiele so einsetzt. Denn der Senat muss noch ganz schön wirbeln, will er die Berliner und auch die Funktionäre vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) überzeugen, dass Berlin die richtige Stadt für die Austragung der Olympischen Spiele ist.
Das ist nicht Müllers Schuld, aber durch den Wechsel im Roten Rathaus, durch die 3,5-monatige Abschiedstour von Klaus Wowereit, ist im Senat wenig an der Olympia-Kampagne gearbeitet worden. Das sieht in Hamburg anders aus, da wurde die Kampagne frühzeitig vorbereitet, da wirbt der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) seit Anfang Januar um die Zustimmung der Hamburger. Denn auch Scholz weiß, dass Olympische Spiele eine Stadt enorm voranbringen können – durch die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, den Bau oder die Sanierung von Sportstätten, durch weltweite Fernsehbilder und Touristen.
Doch die Entscheidung, mit welcher der beiden Städte sich der DOSB um die Austragung der Olympischen Spiele bewerben wird, fällt erst Ende März. Deshalb will der Senat, wollen der Landessportbund und die Wirtschaftsorganisationen, die Vereine und auch prominente Berliner nun für Berlin werben. Es wird viele, viele Veranstaltungen geben, Werbung allüberall.
Berlin ist eine sportbegeisterte Stadt
Doch weil der Berliner so gerne nörgelt, denken viele – darunter wieder einmal etliche meiner Kollegen bei anderen Zeitungen –, dass der Senat nur verlieren kann, dass die Berliner sich in einer Umfrage mehrheitlich gegen Olympische Spiele aussprechen werden. Warum eigentlich? Berlin ist doch eine großartige, eine sportbegeisterte Stadt. Tausende machen selbst Sport, trainieren Leichtathletik, Hockey oder Judo, viele, viele Berliner gehen zu den Spielen von Hertha, zu Alba, zu den Füchsen oder den Eisbären. Tausende kamen im Sommer vergangenen Jahres extra nach Berlin, um auf der Fanmeile die deutschen Fußball-Weltmeister zu bejubeln – und auch die Nationalmannschaft wollte in Berlin, nicht in Frankfurt oder Hamburg feiern.
Oder denken Sie nur an den Marathon: Da säumen die Berliner und die Touristen die Straßen, um die Sportler aus aller Welt, die Profis und die Hobbyläufer, anzufeuern. Sage also einer, die Berliner seien nicht sportbegeistert und fänden Olympische Spiele doof. Schaut man nach London, dann sieht man auch, wie eine Stadt von Olympischen Spielen profitieren kann, wie sehr ein solches Sportereignis von der Bevölkerung begleitet und gefeiert wird.
Sicherlich, die erste Bewerbung im Jahr 1993 – für die Austragung der Spiele im Jahr 2000 – ist schiefgegangen. Aber seitdem ist viel passiert, die Stadt kann Großereignisse organisieren und erfolgreich umsetzen, auch von Gigantismus des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ist man in Berlin weit entfernt. Interessanterweise war damals, Anfang der 90er-Jahre, eine der führenden Olympia-Gegner die Grünen-Politikerin Judith Demba – die auch heute wieder in erster Reihe der Gegner steht. Sie hat sich offensichtlich in den mehr als 20 Jahren nicht verändert, Berlin schon.
Dagmar Reim, die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, hat in dieser Woche einen klugen Satz der ehemaligen Sozialministerin Regine Hildebrandt (SPD) zitiert: „Wer sich nicht bewegt, hat schon verloren.“ Ich bin froh, dass Berlin in Bewegung ist.

