Hurra, Sommerferien, hieß es in dieser Woche bei vielen Berliner Familien. Nicht so bei den Politikern, die haben noch einiges zu tun. Sie müssen sich womöglich zu einer Sondersitzung des Abgeordnetenhauses treffen, um darüber abzustimmen, wie es mit dem Volksbegehren zum Berliner Stromnetz weitergehen soll. Denn das war überaus erfolgreich: Rund 265.000 Stimmen haben die Initiatoren gesammelt. Sie wollen erreichen, dass das Land Berlin ein eigenes Stadtwerk betreibt, das Stromnetz zurückkauft und die Berliner höchstselbst mit Energie versorgt. Und sie versprechen ihren Unterstützern, dass der Strom dann ganz öko wird und natürlich auch noch billiger.

Das stimmt zwar so alles nicht, aber die SPD – genauso wie die Grünen, die Linken und die Piraten – will diese 265.000 Menschen nicht verprellen und weiß jetzt nicht, wie sie damit umgehen soll. Zumal in der SPD ein Machtkampf tobt: Klaus Wowereit, unser Regierender Bürgermeister, ist gegen die Rekommunalisierung der Energieversorgung, die viele, viele Millionen Euro kosten wird. Landeschef Jan Stöß und Fraktionschef Raed Saleh – die neuen mächtigen Männer in der SPD – sind dafür. Und so gab es am vergangenen Montag ein Gespräch der drei im Roten Rathaus. Wowereit lehnte den Plan ab, die Ziele des Volksbegehrens zu übernehmen.

SPD-Fraktionschef Saleh, der derzeit keinerlei Interesse daran hat, Wowereit zu beschädigen, weil er weiß, dass er selbst noch einige Zeit braucht, um Nachfolger werden zu können, schloss sich Wowereits Haltung an. SPD-Chef Stöß, der vor Selbstbewusstsein strotzt und sich sehr wohl vorstellen kann, Regierender Bürgermeister zu werden, meinte, man müsse darüber noch diskutieren – und setzte nur wenige Stunden später im SPD-Landesvorstand einen Beschluss durch, der genau das Gegenteil zu Wowereit sagt. Die Berliner SPD-Spitze ist nun dafür, den Gesetzentwurf des Berliner Energietischs zur Rekommunalisierung des Stromnetzes zu übernehmen. Was für ein Affront gegen Wowereit.

Der Regierende Bürgermeister macht öffentlich in diesen Tagen den Eindruck, als ginge es ihm besser denn je. Manch einer spricht sogar schon von einem „Comeback“ - weil er am Brandenburger Tor neben Obama und Angela Merkel reden durfte. Weil er sich bei der Einweihung einer BSR-Biogasanlage von seiner besten, charmanten Seite zeigte. Weil es beim Flughafen BER für ihn persönlich nicht schlimmer kommen kann, sondern jetzt Matthias Platzeck und der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn die Karre aus dem Dreck ziehen müssen. Comeback? Danach sieht es in der SPD jedenfalls nicht aus.