Man kommt auch in dieser Woche nicht um das Thema Flughafen herum. Nun soll er erst 2015 eröffnen. Das hat zumindest der Technikchef Horst Amann so prognostiziert. Der Schlamassel ist offenbar so groß, dass auch der neue Aufsichtsratsvorsitzende, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, sich erst einen Überblick verschaffen will.

Es werde noch einige Monate dauern, bis ein neuer Termin für die Eröffnung des BER feststehe, war die erste Botschaft des frisch gekürten Aufsichtsratschefs. Dabei gibt es schon jetzt erkennbare Veränderungen.

Platzeck scheute sich nicht, im ARD-Talk von Günther Jauch die Pannen zu erklären und Verantwortung zu übernehmen. Er stellte sich dem Bundestagsverkehrsausschuss. Zudem informiert er im kleinen Kreis Journalisten über die anstehenden Aufgaben. Das alles zeigt: Platzeck versucht eine neue Kommunikation.

Schwarzmaler und Bedenkenträger

Natürlich steht er vor einer nächsten Landtagswahl und weiß um die Bedeutung des Gelingens seiner Aufgabe am Großflughafen. Aber ein neuer Umgang mit den Problemen tut dem Projekt nur gut. Allzu lange wurde unter dem nunmehr geschassten Flughafenchef Rainer Schwarz alles andere als offen kommuniziert. Schwarzmaler und Bedenkenträger durfte es nicht geben - egal, wie groß die Probleme waren.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass Platzeck in der Vergangenheit auch im Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft saß. Aber man sollte ihm nun die Chance für einen Neubeginn geben. Der Flughafen muss ein Gewinnbringer für Berlin und Brandenburg werden.

Und was macht Platzecks Vorgänger im Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden? Klaus Wowereit präsentierte diese Woche ein Papier mit Zukunftsthesen für die Hauptstadt. Zwar hat der Regierungschef an dem Papier mitgeschrieben. Aber genauer wäre es ausgedrückt, wenn man sagen würde: Er hat in dem Thesenpapier einiges eingefügt oder gestrichen. Nun war es nie Wowereits Angelegenheit, große Thesen oder Visionen für Berlin zu entwerfen. Er sieht sich auch selbst eher nicht in der Rolle eines Vordenkers der Berliner SPD. Die wahren Antreiber sitzen nicht in der Senatskanzlei.

Stöß und Saleh denken leise über die Post-Wowereit-Phase nach

Fraktionschef Raed Saleh und der Parteivorsitzende Jan Stöß versuchen mit Inhalten, den durch den Flughafen verursachten Abwärtstrend der SPD zu stoppen. Während Stöß auf Bundesebene mit Ideen für ein neues Rentenkonzept und mehr Rentengerechtigkeit auf sich aufmerksam machte, will das Duo in Berlin mit den Themen Mieten und Wohnungsneubau bei den Wählern punkten.

Auch der Privatisierung von Landesunternehmen wollen sie per Veränderung der Verfassung des Landes einen Riegel vorschieben. Das wiederum sind deutliche Linksruck-Zeichen, was in dieser Woche die CDU auf den Plan rief. Der Union, die kalt von dem Thesenpapier des Regierungspartners erwischt wurde, gehen diese Überlegungen zu weit. Die CDU will ein Privatisierungsverbot nicht für alle Zeiten festschreiben. Wer weiß auch, wie die Zeiten werden.

Aber Stöß und Saleh grübeln nicht nur über Inhalte. Beide denken schon über die Zeit nach Wowereit nach. Noch will sich dazu keiner öffentlich äußern. Was ist aber, wenn die Berliner SPD bei der Bundestagswahl ein sehr schlechtes Ergebnis einfährt? Was passiert, wenn sich Wowereits persönliche Umfragewerte nicht verbessern?

Es liegt nahe, dass in der SPD schon über einen nächsten Regierenden Bürgermeister nachgedacht wird. Der muss spätestens 2015 im Amt sein, damit er bis zum Wahltag 2016 eine ausreichende Beliebtheit bei den Berlinern erreicht. Es sieht so aus, als ob das Jahr 2015 zum Schicksalsjahr für den Flughafen und die SPD wird.

Gilbert Schomaker leitet gemeinsam mit Christine Richter die Lokalredaktion.