Volker Kauder, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wartete ungeduldig auf seinen Auftritt. Die Spandauer CDU hatte Kauder als Gastredner für ihren Neujahrsempfang in der Zitadelle gewinnen können. "Einen Freund Berlins", wie es der CDU-Bundestagsabgeordnete Kai Wegner am Mittwochabend in seinen einleitenden Worten ausdrückte. Kauder erwiderte die freundlichen Worte. Als Baden-Württemberger habe er sich gefreut, eingeladen worden zu sein.

Das ist keine Selbstverständlichkeit, seitdem Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) eine Debatte über zu viele unangepasste Schwaben in Berlin losgetreten hat. "Aber Berlin ist doch eine weltoffene Stadt", wunderte sich Kauder bei seinen Parteifreunden. "Aber Herr Thierse hat offenbar wenig Humor." Den bewiesen andere.

Die Ratschläge des Badeners

Denn diese Woche wurde bekannt, dass der Bundestagsvizepräsident die Goldene Narrenschelle der Vereinigung Schäbisch-Alemannischer Narrenzünfte erhalten wird. Und sogleich meldete sich Thierse per TV zu Wort und stellte klar: "Meine Bemerkungen über Schwaben in Berlin waren augenzwinkernd gemeint."

Doch zurück zu Kauder in die Zitadelle. Er sei zwar kein Schwabe, sondern Badener, gab der Fraktionschef zu verstehen. Aber gerade als Badener könne er einige Tipps geben, wie man mit den Schwaben umgehen müsse, um sie als Freunde zu gewinnen. Genauer wurde Kauder vor den Spandauern allerdings nicht. Dafür fand er klare Worte zum Flughafen. Berlin sei das "Schaufenster Deutschlands".

Der BER ist ein „Trümmerhaufen“

Und weil man nicht mit dem Schiff, sondern eher mit dem Flugzeug Berlin erreiche, sei es umso wichtiger, dass der Flughafen BER endlich etwas werde. Man müsse nun Leute suchen, die aus dem "Trümmerhaufen" etwas machen. Kauder traut das Klaus Wowereit und Matthias Platzeck nicht zu. Außerdem ist ja auch schon Wahlkampf. Da traut man in der Öffentlichkeit dem politischen Gegner ohnehin nichts mehr zu.

Eine BER-Ruine als "Beispiel für gescheiterte Flughäfen" - das gehe nicht, appellierte Kauder an die Verantwortlichen. Da nickten die Anwesenden. Doch einen kleinen Seitenhieb auf die Berliner konnte sich Kauder nicht verkneifen.

Berlin profitiert von den Schwaben

Als er noch Generalsekretär der Bundes-CDU gewesen sei, habe er die Berliner Union in sein Nachtgebet eingeschlossen. Damals war die CDU noch sehr zerstritten, und Rot-Rot regierte. "Herr erleuchte sie, dass es besser werde", habe er gebetet. Umso schöner sei es, dass die Berliner CDU nun in der Regierungsverantwortung wieder strahle - ohne parteiinterne Zwistigkeiten.

Und weil ja Wahlkampf ist, fand Kauder noch versöhnliche Worte, was den Streit um die Landsmannschaften in Berlin betrifft. "Berlin profitiert davon, dass es viele Baden-Württemberger in der Stadt gibt, die hier leben und die Stadt genießen."

Gilbert Schomaker leitet gemeinsam mit Christine Richter die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt Christine Richter über ihre Woche in Berlin.