Vor etwa 5000 Jahren wurde die Olive aus der Wildnis in Kultivierung genommen, so jedenfalls geht die Sage, und kaum war sie angekommen, hat das Olivenöl den damaligen Stadtstaat Athen erobert und ihm soviel Reichtum und Power vermacht, dass wir dieser Stadt nicht nur die Olympischen Spiele und den Parthenon verdanken, sondern, ja, auch die Demokratie. Aus biblischen Geschichten wissen wir, dass Noah's zweite Taube mit einem Olivenzweig zurückkam, dass sich in der Amerikanischen Revolution der Olivenzweig als Friedenssymbol etablierte, und schließlich und endlich ist es dem einen oder anderen vielleicht schon aufgefallen, dass die Flagge der UN für ihre Mission von Frieden und Sicherheit auch ein symbolisches Olivenzweigband umrandet. Ja, das sollen Oliven sein...

Aber nun zur Pflanze, denn darüber will ich ja schreiben. Ob man es glaubt oder nicht, die Olive gehört zur gleichen Familie wie die gemeine Esche, Forsythie, Flieder, Jasmin oder Liguster, nämlich der Ölbaumgewächse (Oleaceae). Leider verfügt keine der zuletzt genannten Pflanzen über die mediterrane Anmutung der Olive und aus keiner lässt sich genießbares Öl gewinnen. Dadurch, dass die Olive in den Plantagen der Welt durch Schnitt zur leichteren Pflege und Ernte immer recht klein gehalten wird, so etwa drei bis 4 Meter ist die Norm, wissen die wenigsten, dass der Baum, wenn man ihn lässt, gut 20 Meter hoch werden könnte. Durch den regelmäßigen Schnitt wachsen die Oliven wie Bonsaibäume auf und es ist nur anhand der Jahresringe, also wenn man den Baum fällt, zu erkennen wie alt er ist. Die reife Olive, eine schwarze Steinfrucht (weil sie einen harten Kern hat), beinhaltet etwa 20 Prozent Öl und von den momentan in der Welt geernteten Oliven gehen über 90 Prozent in die lukrative Olivenölproduktion. Grüne Oliven sind verfrüht geerntete, unreife Oliven, die auch oft und gerne mit Eisengluconat (angeblich harmlos) schwarz gefärbt werden. Die Frucht wird zerstampft, der Kern entfernt und die Pulp wird dann entweder kalt gepresst, was dann als 'virgin olive oil' in die unterschiedlichsten Gefäße abgefüllt wird, oder warm gepresst, was aber wesentlich schlechteres, säurehaltigeres Öl produziert.

Das 'grüne Gold', wie die Olive in ihren Anbauländern gern genannt wird, ist ideal für die dünnen, steinigen Böden der mediterranen Landschaften, braucht die Pflanze doch genau diesen ausgemergelten, wasserdurchlässigen, steinigen Boden, um ihre Wurzeln zu etablieren. Spannend ist, jede Hauptwurzel der Olive ist einem bestimmten Hauptast zugeordnet und schneidet man einen solchen Ast ab, stirbt im Boden der zugehörige Wurzelabschnitt und umgekehrt natürlich auch. Deshalb Vorsicht beim Schneiden von Oliven im Topf. 60 Prozent der weltweiten Olivenölproduktion befindet sich in Europa, wobei die Reihenfolge mit Spanien, Italien, Griechenland und Syrien wohl richtig ist. Diejenigen unter Ihnen, die diesen Artikel aufmerksam gelesen haben, können nun folgendes Rätsel lösen: Es gibt etwa 570 Millionen Bäume, auf 8,7 Millionen Hektar in der Welt, aus denen werden etwa 17,3 Millionen Tonnen Oliven gewonnen. Wie viel Öl ist das in Flaschen?

Der arme Renoir verbrachte die letzten elf Jahre seines Lebens damit, die Bewegung und das Farbenspiel der Oliven in seinem Olivenhain in Les Collettes auf dem Canvas einzufangen und schrieb einem Freund, ...der Baum ist so voller Farben und es sind doch nicht die Farben der Blätter, es sind die Farben zwischen den Blättern...

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.