Kolumne

Google, Facebook, Amazon: Auf in die digitale Planwirtschaft

Digitalkonzerne wie Google oder Facebook haben im Netz längst Monopol-Status erreicht. Ein gerechter Wettbewerb ist nicht mehr möglich.

Amazon verdreifacht Quartalsgewinn

Der US-Onlineriese Amazon profitiert weiter von der Corona-Pandemie. Im dritten Quartal verdreifachte sich der Gewinn des Konzerns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 6,3 Milliarden Dollar (5,4 Milliarden Euro). STOCKSHOTS of Amazon's website, factory and headquarters

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Berlin.  Zu den bekanntesten Schwindeleien von Wirtschaftskapitänen gehört das Bekenntnis zum Wettbewerb, der die Qualität hoch und die Preise niedrig halten soll. Insgeheim träumen Unternehmer eher vom Verschwinden der Konkurrenz, ganz gleich, ob Blumenladen nebenan oder Weltkonzern. Die Digitalkonzerne haben schlaue Konzepte entwickelt, um das Prinzip des Wettbewerbs zu untergraben.

Wer eine App vertreiben oder im Netz gefunden werden will, braucht Google und seinen Play Store oder flieht zum kleinen Apple. Gezieltes Werben ist die Spezialität von Facebook. Und wer online handelt, kommt am Digitalwarenhaus Amazon kaum vorbei. Denn Amazon ist auch eine Händlerplattform.

Wenn aber ein Konzern die Märkte kontrolliert, wird der Wettbewerb unfair . Denn der Marktorganisator weiß alles über meine Preise, Kunden, Absätze und kann sein eigenes Produkt jederzeit günstiger platzieren. Fair ist anders.

Monopole beherrschen den Konsum im Netz – dank Datenerfassung

Der Berliner Soziologe Philipp Staab und Wirtschaftswissenschaftler Oliver Nachtwey warnen vor der Gefahr „proprietärer Märkte“ und „soziotechnischer Ökosysteme“. Staabs These: Die globalen digitalen Player haben „Akkumulationsregimes“ etabliert, vulgo: Monopole . Eine Smart City etwa, die sich auf Google Maps verlässt, darf damit rechnen, dass nur Google-Unternehmen wie der Rollervermieter Lime angezeigt werden. Hintergrund : Die unheimliche Macht von Amazon und Co.

Jack Ma, Gründer von Alibaba, dem chinesischen Amazon, ist überzeugt, dass die Digitalisierung in eine neue Planwirtschaft führt. Warum? Weil die Technik weiter ist als zu Zeiten von Marx und Engels. Die Planwirtschaft sowjetischer Bauart scheiterte an mangelnden Informationen.

Heute werden alle erdenklichen Daten erfasst, vom Tippen auf „Bestellen“ bis zur Lieferung: Wetter, Fahrzeuge, Personal, die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kunde wieder bestellen wird.

Allgemeinheit soll von Google und Co. profitieren, doch es tun die Aktionäre

Künstliche Intelligenz könnte schaffen, woran der Sozialismus scheiterte: Konsum im Voraus berechnen, Produktion und Lieferkette optimieren, Konkurrenz überflüssig machen. So ließen sich Klima schonen, Hunger und Arbeitslosigkeit bekämpfen, bei Bedarf Güter zuteilen. Soweit der Plan. Lesen Sie hier : KI: Wie Deutschland jetzt aufholen will

Zentraler Unterschied zwischen Marx und Amazon-Boss Jeff Bezos: Digitale Planung dient den Aktionären , nicht der Allgemeinheit und gleicht daher doch eher klassischen Monopolen wie dem Öl-Imperium von John D. Rockefeller, erster Milliardär der Weltgeschichte.

Rockefeller hatte 1863 eine kleine Raffinerie erworben und von dort aus den US-Ölhandel unter seine Kontrolle gebracht, von der Raffinerie über den Bahntransport, von Pipeline bis Händler. Zugleich wuchs der Benzindurst der neuen Autos. Milliardär wird man eher mit Monopolen als mit Wettbewerb. Lesen Sie auch : So lebt der reichste Mann der Welt: Amazon-Chef Jeff Bezos

Laxe Politik ebnet Digitalkonzernen wie Amazon den Weg

Spannende Frage: Wie lange kann ein Monopol bestehen? Nicht ohne Interesse werden die Milliardäre des Silicon Valley registriert haben, dass Rockefellers Imperium erst 1911 zerschlagen wurde, knapp 50 Jahre nach dem Start. In der Zwischenzeit hatte der Ölbaron ein Vermögen angehäuft, aus dem zahllose Spenden getätigt wurden. Der gerissene Geschäftsmann ist im kollektiven Bewusstsein der USA als großer Wohltäter verankert.

Was also ist das gemeinsame strategische Ziel von Facebook, Google und den anderen? Ganz einfach: Der Wilde Westen muss möglichst lange weiterbestehen. Regulierer und Politiker sind zu verwirren, Bürgerrechtler und Medien ruhigzustellen, Konkurrenten vom Markt zu jagen. Die Politik kommt früh genug. Wenn sie sich traut.

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