Mehrfach in den letzten Jahren besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Bahnhofsmission Zoo, auch andere Einrichtungen der Berliner Stadtmission, sogar den Kältebus begleitete er als Außenminister. Vor einer Woche galt sein Besuch dem neuen Zentrum am Bahnhof Zoo, hier speziell unserer Kinderakademie. Seine Ehefrau Elke Büdenbender ist Schirmherrin unserer Bildungsarbeit dort. Die Kurzform: Beide waren angetan, da hat sich viel getan. Mehrere Spenden des Ehepaares hatten übrigens im Vorfeld beim Bau des neuen Zentrums schon sehr geholfen.
Peter Twiehaus ist Fernsehmoderator und Filmexperte im ZDF-Morgenmagazin, ich kann mit seinen Kritiken eine Menge anfangen, habe mir bereits etliche Anregungen bei ihm geholt. Als er vor Jahren vor mir in der Bahnhofsmission stand, um Bekleidung zu spenden, freute ich mich sehr. Er blieb länger, ein echt angenehmer Typ.
So wie Herr Twiehaus uns überraschte, ging es uns auch mit Nora Tschirner. Sie wissen, die Kriminalkommissarin Kira Dorn aus dem Weimarer Tatort. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen, stand sie mit ihrer kleinen Tochter im Vorraum der Einrichtung. Frau Tschirner hatte einen Artikel über die Bedeutung von Rucksäcken für obdachlose Menschen gelesen und wurde danach sofort selbst aktiv, um welche zu kaufen. Sie blieb, kam wieder, arbeitete ehrenamtlich mit. Erinnere ich mich richtig, kam sie sogar einmal mit ihrer Mutter.
Als ich in der Bahnhofsmission anfing zu arbeiten, war die Einrichtung pleite
Was ich aber noch sehr genau weiß: Es gab im Vorfeld ihrer Mitarbeit Gerangel in unserem Dienstplan. Viele wollte gemeinsam mit ihr arbeiten. Und ich, ich war stets schüchtern, war großer Fan ihrer Arbeit und, na ja, ich fand sie toll.
Als ich anfing, in der Bahnhofsmission zu arbeiten, war die Einrichtung pleite. Es fehlte an allem: Schlafsäcke, Bekleidung, Margarine, H-Milch, Käse, sehr an Geld. Der Kaffee kostete 50 Cent, die aber kaum ein Gast hatte. Wir benötigten dringend Hilfe!
Sarah Connor brachte damals Lebensmittel vorbei und sang gleich bei der Weihnachtsfeier. Ein Highlight in meinem Job: Andrea Sawatzki und Lina Wendel („Die Füchsin“) halfen mit Lesungen und mehr. Ludger Pistor (der aus dem James-Bond-Film) griff uns regelmäßig unter die Arme. Fehlten Schuhe in XXL, ab Größe 50 aufwärts, kam Patrick Femerling. Selbst nicht klein. Sein Name hat bei Basketballfans einen verdammt guten Klang. Tina Ruland, Hermann Gröhe, Friede Springer, Thomas Gottschalk, Rüdiger Grube und Richard Lutz von der Deutschen Bahn, who is who, vermutlich vergesse ich leider einige sehr tolle hilfsbereite Menschen. Rufen wir aber Katy Karrenbauer an, kommt sie sofort in Schwung und organisiert für uns.
Vereine, Unternehmen, Polizeipräsidenten, Soldaten, auch Nico Rosberg half mit
Längst ist der Kaffee in der Bahnhofsmission kostenlos. Mit anderen Hilfen klappt es auch ganz gut, weil viele helfen, regelmäßig. Sie doch auch – auch die Berliner Morgenpost und sehr viele Politikerinnen und Politiker. Viele von denen arbeiteten persönlich mit, das verändert manchmal die Menschen, nimmt Einfluss auf die Seelen und manchmal sieht auch Politik anders danach aus. „Wisst ihr am Zoo eigentlich, dass ihr Sozialpolitik in Berlin verändert habt?“ fragte mich vor Jahren der damalige Regierende Bürgermeister Michael Müller. Nein. Ein hübsches Kompliment ist das aber – danke.
Friede Springer war da, das war von der Begegnung her spannend, für mich durchaus auch Zeitgeschichte (Sorry, Frau Springer.) Uli Hoeneß schickte Bratwürstchen zum Straßenfest, Bundespräsident Gauck kam zweimal, einmal half er sogar an der Spülmaschine. Sportvereine, Unternehmen, Polizeipräsidenten, Soldaten, auch Nico Rosberg (ein Weltmeister!) half mit. Was für Erinnerungen: Thomas Häßler, noch ein Weltmeister. „Ihr habt die Obdachlosenarbeit sexy gemacht“, schrieb einmal ein Journalist. Und das mag sogar okay sein, wenn es den Menschen denn geholfen hat.


