Meine Woche

Warum Raed Salehs Auftritt bei Krömer zum Fremdschämen ist

Für den Berliner SPD-Fraktionsvorsitzenden Raed Saleh war es eine ganz schlimme Woche, beobachtet Christine Richter.

Bei "Chez Krömer" mochte man schon bald nicht mehr zusehen, sagt Christine Richter.

Bei "Chez Krömer" mochte man schon bald nicht mehr zusehen, sagt Christine Richter.

Foto: Youtube/RBB/Reto Klar

Berlin. Es war nicht seine Woche: Raed Saleh, Fraktionsvorsitzender der SPD und designierter neuer Landesvorsitzender neben Franziska Giffey, erlebte eine Woche, in der zwar viel über ihn berichtet wurde, aber nichts Gutes. Es ging los mit einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“ am vergangenen Wochenende, in dem Saleh mit Blick auf Thüringen behauptet hatte, nur die Parteien links der Mitte stünden „uneingeschränkt zur Demokratie und zum Grundgesetz“.

Er hatte auch noch versucht, dies historisch herzuleiten. Die Berliner CDU und FDP waren völlig zu Recht empört, denn damit treibt Saleh gerade in diesen schwierigen, in diesen politisch aufgeheizten Zeiten einen Keil zwischen die demokratischen Parteien. Und betreibt damit das Geschäft der Rechtspopulisten, denen es gar nicht genug Streit zwischen den etablierten Parteien geben kann. Denen es auch in Thüringen nur darum ging, die anderen Abgeordneten zu entzweien und vorzuführen.

Viel ist in den vergangenen Tagen, nach dem schweren politischen Fehler der thüringischen Union und FDP, den FDP-Kandidaten mit den Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen, über Weimar, über die 1930er-Jahre gesprochen worden. Über die Zeit also, als sich die Parteien links und rechts der Mitte immer unversöhnlicher gegenüberstanden, als die Sprachlosigkeit immer größer wurde, als die Nazis das alles für sich zu nutzen wussten. Vergleiche zwischen den heutigen Ereignissen und der Nazi-Zeit und dem Ende der Weimarer Republik verbieten sich meiner Meinung nach, aber man darf und muss sich erinnern, damit wir alle aufmerksam sind – und eben nicht die Fehler von damals machen.

Saleh wollte sich links profilieren und schadete den demokratischen Parteien – und schlimmer noch, er sah seinen Fehler nicht ein. Zumindest nicht öffentlich. Keine Entschuldigung, nichts. Es habe sich um „einen Weckruf“ gehandelt, sagte er. Intern, so wird mir berichtet, soll er von einem „Shitstorm“ gesprochen haben. So spurlos, wie er tut, ist die Sache wohl doch nicht an ihm vorbeigegangen.

Dann wurde am Dienstagabend die Sendung „Chez Krömer“ im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ausgestrahlt. Aufgezeichnet vor Salehs Gastbeitrag zu Thüringen. In dieser Sendung nimmt Kurt Krömer eine halbe Stunde einen Gast auseinander, hält sich mit Beschimpfungen und Provokationen meist wenig zurück und versucht alles, damit sein Gast nicht gut wegkommt. Wer sich in diese Sendung wagt, muss humorvoll, wortgewaltig und vor allem schlagfertig sein. Drei Eigenschaften, die man Saleh nun wahrlich nicht zuschreiben würde. Schon nach wenigen Minuten mochte man kaum noch zuschauen.

„Zum Fremdschämen“, so lauteten viele Kommentare in den sozialen Netzwerken. Da flogen die vielen SPD-Werbegeschenke, die Saleh dabeihatte, vom Tisch. Man fragte sich, wer Saleh nur auf diese Mitbringsel-Idee gebracht hatte. Krömer beschimpfte Saleh als „Schleimer“, sagte solch Sätze über ihn wie: „Er bemühte sich immer, frei zu sprechen.“ Oder über die Doppelspitze mit Franziska Giffey: „Giffey ist das Aushängeschild, und Sie bringen die Getränke.“

Im Laufe der 30 Minuten wurde es schlimmer und schlimmer. „Haben Sie auch irgendwelche Stärken, Politik ist es ja nicht“, fragte Krömer – und Saleh erzählte: „Ich singe gern deutschen Schlager und habe in meiner Jugend einen Verein gegründet, den ersten deutschen Biene-Maja-Schlagerclub.“ Krömer war unerbittlich: „Sie reden sich ja um Kopf und Kragen.“ Um Saleh schließlich an den Kopf zu hauen: „Macht’s Ihnen auch so wenig Spaß wie mir?“

Mehr als 178.000 Menschen haben sich die Sendung inzwischen auf Youtube angeschaut. Die Sorgen um die Berliner SPD, sie werden immer größer.