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Journalisten-Auto angezündet: Angriff auf die Pressefreiheit

Linksterroristen haben das Auto des „BZ“-Journalisten Gunnar Schupelius angezündet. Das betrifft uns alle, schreibt Christine Richter.

Foto: BM/Reto Klar/BM Montage

Berlin. Es geschah in der Silvesternacht: Linksterroristen haben das Auto des Journalisten von der „BZ“, Gunnar Schupelius, angezündet, das Fahrzeug wurde völlig zerstört. Wenige Stunden später tauchte auf der linksextremen Internet-Plattform „Indymedia“ ein Bekennerschreiben auf, in dem mit vielen Sätzen versucht wurde, den Anschlag zu begründen – weil Schupelius angeblich rassistisch, homophob, frauenfeindlich und was nicht alles sei.

In dem Bekennerschreiben („Wir haben heute seinen SUV abgefackelt“) mit genauer Beschreibung des Tatorts in Wilmersdorf hieß es dann auch: „Schupelius wohnt dort im Erdgeschoss mit seinen Kindern.“ Und der Text gipfelte schließlich in dem Satz: „Gunni, da es sich bereits um die zweite Abmahnung handelt, möchten wir dir dringend empfehlen den Job zu wechseln.“ Schon einmal, im Jahr 2014, war nämlich ein Fahrzeug des Journalisten angezündet worden.

Linksextremisten nehmen für sich die Wahrheit in Anspruch

Mir wird bei solchen Taten, bei solchen Bekennerschreiben aus den sogenannten linksautonomen Kreisen übel. Meine volle Solidarität gilt unserem Kollegen Schupelius, der seit vielen Jahren mit seiner täglichen Kolumne – unter dem sicherlich provozierenden Titel „Der gerechte Zorn“ – die Berliner Landespolitik begleitet. Schupelius schont die Regierung nicht, er spitzt gerne zu.

Man muss seine Texte nicht mögen, man muss seine Positionen nicht teilen – was ich im Übrigen häufig nicht tue –, aber man muss mit allen Mitteln verhindern, dass in unserem Land, in unserer Stadt ein solcher Angriff auf den Kollegen, auf ihn und seine Familie möglich wird. Denn nichts anderes ist da in der Silvesternacht geschehen: Menschen, die sich selbst als Linksautonome bezeichnen und für sich die Wahrheit in Anspruch nehmen, haben ihn angegriffen und bedrohen ihn und seine Familie. Sie wollen ihm Angst machen, sie wollen, dass er sich nicht mehr traut, in seinen Texten seine Meinung zu sagen. Was für eine abscheuliche Tat.

Führende Vertreter des rot-rot-grünen Senats schweigen zum Anschlag

Sicherlich, wer als Journalist klare Meinungen vertritt, muss auch was aushalten. Und wir Journalisten halten einiges aus, gerade in Zeiten der sozialen Medien. Beschimpfungen, übelste Beleidigungen, wütende Mails und Twitter-Kommentare. „Man muss sich schon ein dickes Fell zulegen, wenn man in den sozialen Medien unterwegs ist“, sage ich gerne zu meinen Kollegen, wenn mal wieder die Hass-Welle über uns schwappt, weil wir beispielsweise bei der Debatte über Enteignungen von Wohnungsunternehmen oder beim Mietendeckel eine klare Meinung vertreten, die gerade in linken Kreisen nicht gefällt.

Aber so schlimm solche Hass-Kommentare sind, so anders ist doch die Morddrohung oder der direkte Angriff wie das Abbrennen des Autos. Übrigens sind fast 600 Fahrzeuge allein im vergangenen Jahr in Berlin angezündet und zerstört worden, aus politischen Gründen oder reiner Zerstörungswut. Das dürfen wir meiner Meinung nach nicht hinnehmen, das ist auch in Berlin nicht „völlig normal“.

Im Fall von Schupelius ging es aber nicht um das Auto, sondern um die direkte Bedrohung. Ich hätte mir gewünscht, dass außer dem Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes, Frank Überall, außer den beiden Berliner Bischöfen Heiner Koch und Christian Stäblein, außer zahlreichen Journalisten-Kollegen oder dem innenpolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Tom Schreiber, auch führende Vertreter des rot-rot-grünen Senats sich öffentlich geäußert und solidarisiert hätten. Dass Rot-Rot-Grün diesen Anschlag eindeutig verurteilt hätte. So wie es sich bei jeder Bedrohung eines Journalisten und bei jedem Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit gehört.

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