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Das Fernsehangebot von „Bild“ und die Zukunft der „Gala“

„Bild“ will ins TV-Geschäft einsteigen. Das Angebot könnte den gleichen Namen tragen wie die Zeitung. Bei „Gala“ werden Jobs abgebaut.

Die Zentrale von Axel Springer in Berlin.

Die Zentrale von Axel Springer in Berlin.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Hamburg. Als „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt Ende September ankündigte, sein Blatt wolle nun auch ins Fernsehen, blieb er in manchen Punkten recht vage. Zwar verriet der 39-Jährige, dass ihm für dieses Vorhaben 20 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Er sagte auch, man wolle auf jeden deutschen Fernsehschirm und 18 Stunden am Tag live berichten. Doch viel konkreter wurde der „Bild“-Chef nicht.

Knapp zwei Monate später stehen wichtige Entscheidungen zu dem Projekt nach wie vor aus. Immerhin, etwas mehr als Ende September weiß man nun schon: Bild TV wird nicht Bild TV heißen, sondern möglicherweise so wie die gedruckte Zeitung, also schlicht „Bild“. Das Projekt ist Chefsache. Chefredakteur Reichelt lässt sich von einem etwa zehnköpfigen Team beraten, dessen wohl wichtigstes Mitglied Claus Strunz ist. Der einstige Chefredakteur der „Bild am Sonntag“ und des Abendblatts ist Programmgeschäftsführer von Axel Springers TV-Produktionsgesellschaft MAZ & More. Er verantwortet etwa das Sat.1-Frühstücksfernsehen.

Auch einen vagen Zeitplan gibt es bereits. Zur Bundestagswahl 2021, die, so die Große Koalition hält, zwischen Ende August und Ende Oktober stattfinden wird, soll der Sender etabliert sein. Was das konkret heißt, ist unklar. Einige Quellen sprechen davon, dass der Sendestart Ende des Jahres 2020 erfolgen soll. Um den Termin halten zu können, müssten wichtige Weichenstellungen bis Weihnachten erfolgen.

Kooperiert „Bild“ mit ProSiebenSat.1?

Schon vor geraumer Zeit hatte Julian Reichelt gesagt, das neue TV-Angebot von „Bild“ solle auf allen digitalen Plattformen vertreten sein. Nicht ganz klar ist bisher, ob es daneben auch einen traditionellen linearen Sender geben wird. Er wäre wohl nötig, um Reichelts Versprechen einzulösen, das Angebot solle auf alle deutschen TV-Bildschirme.

Offenbar gibt es bei Springer grundsätzlich die Bereitschaft mit Dritten zu kooperieren. Vielleicht mit ProSiebenSat.1? Dessen Chef Max Conze denkt schon länger laut darüber nach, ob seiner Sendergruppe nicht ein eigener Nachrichtenkanal gut zu Gesicht stünde. In Österreich hat die Senderfamilie bereits einen solches Angebot. In Deutschland könnte es - zumindest theoretisch - von „Bild“ kommen.

Und dann ist da ja noch der neue Springer-Hauptgesellschafter KKR. Der US-Finanzinvestor hat sich - gänzlich unabhängig von seinem Engagement bei dem Berliner Medienhaus - diverse TV- und Filmproduktions- sowie Handelsgesellschaften zusammengekauft, die er in einer Holding namens Leonine bündelt. Eine dieser Gesellschaften ist die Tele München, der der Fernsehender Tele 5 gehört. Der TV-Kanal ist für die Amerikaner Beifang, mit dem sie nicht viel anfangen können. Warum also sollten sie aus Tele 5 nicht das TV-Angebot von „Bild“ machen?

Welche Rolle spielt die Deutsche Telekom und ihr Streamingportal Magenta TV?

Auch mit der Deutschen Telekom kann man sich im Berliner Axel-Springer-Haus im Zusammenhang mit dem Projekt offenbar eine Zusammenarbeit vorstellen. Reichelt setzt bei der Verbreitung seines TV-Angebot stark auf den neuen Mobilfunkstandard 5G. Umgekehrt hat die Telekom, die erst kürzlich für ihr Streamingportal Magenta TV die Übertragungsrechte an der Fußball-Europameisterschaft 2024 erwarb, an Inhalten aller Art größtes Interesse. Mit keinem dieser potenziellen Partner hat man bisher gesprochen. Denn noch sind diese Überlegungen nur Sandkastenspiele. Am weitesten ist man offenbar bei der Themenmischung. Crime, also die Berichterstattung über Verbrechen soll eine große Rolle spielen. Grundsätzlich gilt: Die Themen des Senders sollen im Wesentlichen denen der gedruckten Zeitung entsprechen.

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Wie Gruner+Jahr mit RTL verbandelt ist und wie es künftig bei der „Gala“ weitergeht

Was hat der oben erwähnte neue Hauptgesellschafter von Axel Springer KKR mit Gruner + Jahr (G+J) zu tun? Dem Finanzinvestor gehört Günther Jauchs einstige Produktionsfirma I&U, die „Stern TV“ produziert. G+J hat auf die Produktion des TV-Ablegers seiner Illustrierten keinen Einfluss. Auf einen solchen Deal würde sich das Hamburger Zeitschriftenhaus heute nicht mehr einlassen. Gerade erst hat die Bertelsmann-Tochter ihr Society-Blatt „Gala“ mit dem Society-TV-Magazin „Exclusiv“ der Konzernschwester RTL verbandelt. Dabei ging ein wenig unter, dass die „Gala“ redaktionell unter die Fittiche der „Brigitte“ kommt. Etwa 15 „Gala“-Mitarbeiter verlieren deshalb ihren Job. G+J mag das nicht kommentieren.

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• In einer früheren Version des Artikels hieß es über KKR: „Dem Finanzinvestor gehört die Marke „Stern TV“. Die hatte einst Günther Jauchs Produktionsfirma I&U von G+J erworben, die inzwischen im Besitz der Amerikaner ist.“ Diese Passage war missverständlich und wurde von uns korrigiert. Wir entschuldigen uns für den Fehler.