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Manager einer RTL-Tochter soll Millionen veruntreut haben

Bei der RTL-Group-Tochter Stylehaul soll es einen Fall von Untreue gegeben haben. Musste auch deshalb Konzernchef Bert Habets gehen?

Manager Bert Habets, Ex-Manager der RTL Group.

Manager Bert Habets, Ex-Manager der RTL Group.

Foto: imago stock&people

Berlin. Anfang April trat überraschend der Vorstandsvorsitzende der RTL Group Bert Habets zurück. Was den Chef des größten europäischen TV-Konzerns zu diesem Schritt veranlasste, ist bis heute ungeklärt. Knapp vier Wochen später platzte eine weitere Bombe: Der Medienkonzern Bertelsmann versagte als Hauptgesellschafter der RTL Group auf der Gesellschaftsversammlung des Unternehmens Habets die Entlastung.

Ein solcher Schritt ist höchst unüblich. Managern wird gemeinhin nur dann keine Entlastung erteilt, wenn ihr Handeln nicht uneingeschränkt gut geheißen wird. So versagten jüngst die Aktionäre der Bayer AG deren Vorstandsvorsitzendem Werner Baumann die Entlastung, weil seit dem Kauf des umstrittenen amerikanischen Saatmittelherstellers Monsanto der Aktienkurs des Pharmakonzerns dauerhaft auf Talfahrt ist.

Etwas Vergleichbares gibt es bei der RTL Group jedoch nicht. Die Aktie des TV-Konzerns verlor in den vergangenen fünf Jahren zwar deutlich an Wert. Mit Habets’ Unternehmensführung hat das aber nichts zu tun: Er trat sein Amt erst am 1. Januar 2018 an. In den vergangenen drei Monaten notierte das Wertpapier im Übrigen stabil bei über 45 Euro.

Digital-Tochter Stylehaul schwächelte plötzlich

Die einzige nennenswerte Delle, die es in der Amtszeit des Niederländers gab, war eine Wertberichtigung beim Onlineportal Stylehaul. Dort werden seit 2011 – also lange bevor sogenannte Influencer auf YouTube allerlei Produkte präsentierten – Mode, Schmuck und Kosmetik äußerst ansprechend in Szene gesetzt.

Doch 2018 mussten auf die Investitionen in Stylehaul 105 Millionen Euro abgeschrieben werden. Habets’ Schuld war das aber nicht. Die plötzlich schwächelnde Digital-Tochter hatten bereits Habets’ Vorgänger Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch für die RTL Group erworben.

Habets soll Untreue-Verdacht nicht energisch genug nachgegangen sein

Doch die verweigerte Entlastung könnte dennoch etwas mit dem Portal zu tun haben: In Unternehmenskreisen heißt es, in Habets’ Amtszeit sei es bei Stylehaul zu einem Fall von massiver Untreue gekommen, den der RTL-Chef nicht mit dem erforderlichen Nachdruck aufgeklärt habe.

Wie mehrere Quellen aus dem Unternehmen übereinstimmend berichten, soll ein Stylehaul-Manager über einen längeren Zeitraum hinweg Firmengelder in Millionenhöhe veruntreut haben. Die Führungskraft benötigte das Geld angeblich für Einsätze bei Poker-Partien.

Wie es in Unternehmenskreisen heißt, sollen sich die amerikanischen Strafverfolgungsbehörden des Falles inzwischen angenommen haben. Ein Sprecher der RTL Group will sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern.

Stylehauls Firmensitz wechselt nach London

Bereits 2018 hatte der TV-Konzern das Management von Stylehaul nahezu komplett ausgewechselt. Die Geschäftsaktivitäten in den USA werden im Laufe dieses Jahres auf null zurückgefahren. Neuer Unternehmenssitz des bisher in Los Angeles ansässigen Portals ist London. Dies alles soll – ebenso wenig wie die Wertberichtigung – nichts mit der Veruntreuung von Firmengeldern durch den Manager zu tun haben.

„Die Entscheidung der Hauptversammlung, Bert Habets keine Entlastung zu erteilen, beruht auf bestimmten Angelegenheiten, die noch geprüft werden“, hieß es Ende April offiziell von Unternehmensseite. Kann es sein, dass es sich dabei auch um die Prüfung der Untreue-Vorwürfe bei Stylehaul handelt?

Jedenfalls läuft die firmeninterne Untersuchung noch, wer wann etwas über die Unterschlagung bei dem Portal wusste. Sie steht kurz vor dem Abschluss. In Unternehmenskreisen wird jedoch bezweifelt, dass die Untreue-Affäre bei Stylehaul der alleinige Grund für die verweigerte Entlastung des einstigen RTL-Group-Chefs ist.

Ähnlicher Skandal beim KiKa ging für Chefs glimpflich aus

Der Skandal erinnert an die Betrugsvorwürfe beim öffentlich-rechtlichen KiKa: 2010 war herausgekommen, dass der spielsüchtige Herstellungsleiter des Senders knapp zehn Millionen Euro unterschlagen hatte. Der Mann wurde zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Seine Vorgesetzten kamen glimpflich davon. Die Ermittlungen gegen einen ehemaligen KiKa-Chef wurden gegen Zahlung von 30.000 Euro eingestellt. Ein weiterer KiKa-Geschäftsführer, von dem sich der Sender getrennt hatte, wurde später rehabilitiert. Beide Männer arbeiten nach wie vor als TV-Manager.

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