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Deutsche Verlage legen sich mit Facebook und Google an

In Zeiten von Fake News ärgern sich die deutschen Verleger über Facebook. Doch dem sozialen Netzwerk haben sie wenig entgegenzusetzen.

Facebook wird als bedrohlicher Gegner wahrgenommen.

Facebook wird als bedrohlicher Gegner wahrgenommen.

Foto: Arno Burgi / dpa

Berlin.  Dem neuen Präsidenten des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) Rudolf Thiemann ist ziemlich klar, was die Agenda seiner Amtszeit bestimmen wird: "Google und Facebook werden das beherrschende Thema sein." Der Konflikt mit den Öffentlich-Rechtlichen, insbesondere im Zusammenhang mit deren presseähnlichen Angeboten im Netz, sei zwar auch wichtig. Doch Priorität hat für ihn die Auseinandersetzung mit den Internet-Riesen.

Das sieht die Chefin des Zeitschriftenhauses Gruner + Jahr ("Stern", "Geo") Julia Jäkel ganz genauso. Bereits Anfang September hatte sie in einem Interview mit dem "Handelsblatt" die Industrie aufgefordert, bei ihren Werbebuchungen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden.

Sie sollten in Zeiten, in denen soziale Medien Fake News verbreiten, Werbung auch und vor allem in seriösen Printmedien schalten. In einem bemerkenswerten Gastbeitrag in der "FAZ" hat die Verlagschefin vergangene Woche nachgelegt. "Plattformen für Hass und Desinformation graben dem Journalismus das Wasser ab", heißt es dort.

Google und Facebook als Gegner

Es scheint so, als gebe es in der Auseinandersetzung der Verlage mit ihren Widersachern einen Paradigmenwechsel. Als bedrohlichste Gegner werden nicht mehr ARD und ZDF, sondern Google und – vor allem und ganz besonders – Facebook wahrgenommen.

"Facebook hat zwei Milliarden Mitglieder, so viele wie die großen Weltreligionen", mahnt Jäkel. "Als in Nordrhein-Westfalen die Polizei Silvester 2016 Ausschreitungen wie die auf der Kölner Domplatte im Jahr zuvor schon im Vorfeld verhindern wollte, stelle sie fest, dass dies ohne Facebook nicht geht", sagt Thiemann.

Beide Verleger erinnern in diesem Zusammenhang daran, dass Sigmar Gabriel in seiner Zeit als Bundeswirtschaftsminister laut über die Zerschlagung von Internet-Riesen nachgedacht hatte. Nicht, dass sie sich eine solche Forderung zu eigen machen würden. Aber insbesondere der Verdruss über Facebook wächst.

Verleger haben Facebook wenig entgegenzusetzen

Das soziale Netzwerk bedroht nicht nur das Werbegeschäft traditioneller Medien. Es ist für immer mehr Menschen auch die wichtigste Informationsquelle. Da jedoch ein geheimer Algorithmus bestimmt, was die Facebook-Nutzer zu sehen bekommen, ist keineswegs ausgemacht, dass sie auf den Seiten seriöser Medien landen. Wer Verschwörungstheorien für bare Münze nimmt, bekommt von Facebook in den seltensten Fällen verlässlich recherchierte Informationen präsentiert. Denn der Algorithmus zeigt dem Nutzer nur das, was er exakt sehen will.

Die Verleger haben Facebook wenig entgegenzusetzen. Ihre Interessensvertretungen sind zersplittert. Es gibt keinen gemeinsamen Verband für Zeitschriften- und Zeitungsverleger. Ende Juni sind gar vier große Verlage mit Gruner + Jahr an der Spitze aus dem VDZ ausgetreten. Dessen neuer Präsident Thiemann will langfristig mit ihnen sprechen. Eine Fusion mit den Zeitungsverlegern kann er sich aber nicht vorstellen.

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Beim renommierten Preis der Deutschen Schallplattenkritik mischt im Gegensatz zum Echo die Musikindustrie nicht mit. Wer in den insgesamt 32 Kategorien einen Preis erhält, entscheiden allein 158 Musikkritiker. Deren Verein, der die Auszeichnung vergibt, war finanziell nie auf Rosen gebettet.

Nun kam es ganz dicke: "Jetzt sind die Kassen leer", schrieb die Vereinsvorsitzende und "FAZ"-Musikredakteurin Eleonore Büning in einer Rundmail am Dienstag. Der Verein hat Fördermittel der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Höhe von 30.000 Euro nicht abrufen können, weil, so Büning, zwei Vorstandsmitglieder lange krank waren.

Der Bestand des Vereins sei nicht bedroht, die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin musste aber entlassen werden. Für 2018 haben die Musikjournalisten nun rechtzeitig einen Antrag auf Förderung gestellt, die den Löwenanteil ihres Etats ausmacht.

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