Damit kann sie elegant die Blätter der afrikanischen Akazie abzupfen - vorzugsweise in fünf Meter Höhe. Möglich machen dass nicht nur die langen Beine, sondern auch der lange Hals. Dabei haben Giraffen als Säugetiere keinesfalls mehr Halswirbel als ein Mensch - nämlich sieben - sondern einfach nur größere. Ein Halswirbel ist etwa so hoch wie eine Kaffeekanne. Um zu überleben, muss der Hals nicht gestreckt sein: Populär ist Giraffe Gemina aus dem Zoo Santa Barbara, deren Hals auf dem Weg zum Himmel einen rechten Winkel schlägt. Und wenn Giraffen tief und fest schlafen legen sie zeitweise wie ein Schwan ihren Hals auf dem Körper ab, sagt Tierpark Kurator Florian Sicks. Wenn es schnell gehen muss, können Giraffen auch im Stehen schlafen. Sie schalten dabei für Minuten einen Teil ihres Gehirns aus der Gegenwart ab.

Immer am Pumpen ist dagegen das Herz. Es ist ausgesprochen muskulös, weil es das Blut gegen die Schwerkraft bis in den Kopf des Tieres pumpen muss. Klappen in den Venen helfen dabei, einen Rückstau zu vermeiden. Nicht umsonst ist der Blutdruck der Giraffe rund drei Mal höher als der eines Menschen.

Damit ihr das Blut nun nicht zu sehr in den Kopf sackt, wenn sie ihn - etwa zum Trinken - beugt, hat die Giraffe noch eine Besonderheit entwickelt: das Wundernetz. Die verknäulten, feinsten Blutgefäße wirken vor dem Gehirn wie ein Schwamm, saugt Blut auf und gibt es bei Bedarf wieder ab, also wenn die Giraffe den Kopf hebt, damit ihr nicht schummrig wird.

Sicher auf geraden Beinen stehen - genau das ist es, was der jüngste Spross in der Tierpark-Giraffen-Familie täglich übt. Egon kam am 8. September 2010 mit 1,76 Meter Größe zur Welt und wird im ersten halben Lebensjahr etwa einen Meter wachsen. Erwachsene Bullen werden im Schnitt 5,30 Meter groß, der Extremwert liegt sogar bei 5,80 Meter. Da reichen zwei Dirk Nowitzki übereinander nicht: Der Basketball-Spieler misst 2,13 Meter.

Doch trotz der langen Beine: Rasen können Giraffen mit 56 Stundenkilometer Höchstleistung nicht. "Sie haben keinen Grund", sagt Kurator Sicks. An eine ausgewachsene Giraffe traut sich nicht mal ein Gepard - denn die Tiere schlagen blitzschnell nach hinten wie nach vorne aus. Das macht das kugelige Hüftgelenk möglich. Tatsächlich haben Giraffen aber sanfte Gemüter, nicht ohne Grund leitet sich das Wort vom arabischen "Serafe" für "die Liebliche" ab.

Gefährdet sind bei ihnen die Jungtiere. Bis zu 75 Prozent des Nachwuchses fallen Raubtieren wie Löwen oder Wildhunden zum Opfer. Doch Egon hat den Bogen schon raus: Wird es ihm zu brenzlig, versteckt er sich einfach unter seiner Mutter Jette. Beide sind Uganda-Giraffen, auch Rothschild-Giraffen genannt, von denen es im natürlichen Lebensraum weniger als 670 Individuen geben soll. Sie gelten als bedroht, auch wenn es insgesamt noch rund 100.000 Giraffen in Afrika geben soll. Die Herde im Tierpark hat neun Mitglieder - anders gesagt: rund vier Meter Zunge.

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