Es war einer dieser ungewöhnlich frischen und klaren Frühlingstage. Die Kastanie im Hof hatte gerade ihre hellgrünen Schirmchen aufgespannt, und aus dem Vorgarten nebenan duftete der Flieder bis in unseren Hof. Als ich mich morgens um halb acht Uhr aufs Rad setzte, dachte ich noch: Was für ein schöner Tag!

Es war der 2. Mai. Der Tag, nachdem Kreuzberg ausnahmsweise mal nicht Schauplatz stundenlanger Krawalle und hässlicher Szenen geworden war. Am Kottbusser Tor rollte ich über frisch gekehrte Straßen und Radwege, wo noch zwölf Stunden zuvor die Polizei den Kreisverkehr und die Adalbertstraße hermetisch abgeriegelt hatte.