Es gab eine Zeit, da war München Deutschlands „heimliche Hauptstadt“ (Deutschland war damals noch halbiert, und die Bundesrepublik wurde noch von Bonn aus regiert). Über der weiß-blau-karierten Idylle thronte FJS, Schwabing war der Nabel der Halbwelt, und diesen Nabel beschauten Gesellschaftsreporter wie Hunter und dann Michael Graeter in den Klatschspalten der sagenhaften Münchner „Abendzeitung“, der „AZ“.

Es war ein goldenes, zumindest ein talmigoldenes Zeitalter, das Helmut Dietl in seiner unvergesslichen Satire „Kir Royal“ abgebildet hatte. Franz Xaver Kroetz, halb Dorian Gray im Janker, halb Halbwelt-Hallodri, spielte den Graeter, alias Baby Schimmerlos, mit einer Mischung aus Charme und bajuwarischer Chuzpe. Und Ruth Maria Kubitschek mit hinreißender Komik, Selbstironie und Spiellaune seine Verlegerin Anneliese Friedmann.

Friedmann hatte das Erbe ihres Mannes Werner Friedmann, des großartigen Chefredakteurs der „SZ“ und Mitverlegers der „AZ“, die damals gewissermaßen unter einem Dach hausten, übernommen. Sie war eine energische, mondäne, elegante Dame, die ideale Chefin. Und schrieb als Sybille im „Stern“ eine regelmäßige Kolumne.

Kann Klagen abwenden: Grüße an Anneliese Friedmann

Jetzt hat ihr und ihren Beinen Harald Martenstein in der „Zeit“ seine Kolumne gewidmet. Wie er, viele Jahre später, als Feuilleton-Retter zur „AZ“ geholt wurde und man ihm für das Vorstellungsgespräch geraten habe: „Machen Sie ihr Komplimente wegen ihrer tollen Beine, dann haben Sie gewonnen!“ Martenstein hatte Probleme, Altersprobleme damit. Er war Anfang 40, sie um die 70. Er hat den Posten bekommen. Ohne Komplimente für Beine.

Mir fiel ein, dass ich Helmut Dietl damals gefragt hatte, wie er es für „Kir Royal“ geschafft habe, keine Klage von der Friedmann zu bekommen. „Erstens“, antwortete Dietl, „habe ich ihr in der Serie Krampfadern angedichtet. Und da klagt keine Frau, dass sie das wäre. Und zweitens lasse ich sie sagen: ‚Grüßen Sie Anneliese Friedmann‘, also kann sie es nicht selbst sein.“ Es hat funktioniert. Ich grüße an dieser Stelle Anneliese Friedmann und Ruth Maria Kubitschek.