Wir waren gerade drei Wochen im Süden, der letzte Urlaub für die nächsten etwa 16 Jahre außerhalb der Schulferien. Unser Rückreisetag war der erste Ferientag für Schulkinder irgendwo in Deutschland. Und schlagartig über Nacht wurde unser kleines Häuschen mit dem Sonnendeck, dem Swimmingpool und der meckernden Nachbarschaft doppelt so teuer.

Ist ja eigentlich auch logisch. Man spart ja ansonsten in der Hauptsaison so viel Geld. Die Strände sind dann so voll, dass die teuren Liegestühle mit Sonnenschirm eh schon alle besetzt sind, das schont die Urlaubskasse.

Auch die Restaurants sind so überfüllt, dass man nur jeden zweiten Tag einen Platz bekommt. Billiger wird es nur mit einem lebenslangen Hausverbot, dazu muss man bei den hauptsaisonal gestressten Kellnern lediglich ein paar kreative Bestellungen aufgeben wie „Hola, dos menues mit Fischstäbchen, aber sin Broccoli und con Kartoffelpüree, und el püree auf einem Extra-Plato, por favore“. Das klappt.

Die auf Familien mit Kindern ausgerichtete Attraktionen sind ebenfalls heillos überfüllt. Da lässt man den Besuch im Wasserrutschenpark dann einfach mal sein. Und zack, schon wieder Geld gespart. Da kann man ja wohl für das Urlaubshaus auch mal mehr als ein Nettogehalt pro Woche locker machen. Es geht immerhin um drei Wochen Freiheit und Leichtigkeit. Hoffentlich regnet es nicht.

Sandra Garbers
Sandra Garbers © Reto Klar | Reto Klar

Das Schlimmste am Urlaub in der regulären Ferienzeit sind ja auch gar nicht die Kosten, es ist die Planung. Dieses Jahr schon wissen, was man nächstes oder übernächstes Jahr machen will. Dabei weiß ich noch nicht einmal, worauf ich übernächste Woche Lust habe.

Den Kindern war das alles egal, ihnen reichte es, in den Pool zu hüpfen. Der Dreijährige kommunizierte nur noch singend auf die Melodien von „Alle Vögel sind schon da“ („Alle Sonnencremes sind schohon da, alle Sonnencremes aaaaallllle.“ ) oder „Der Kuckuck und der Esel“ („Die Schere und der Knipser, die hatten einen Streit…“). Und ansonsten genossen die Kinder das Full-Service-Angebot, das sie freundlich, aber bestimmt einforderten. „Noch ein Handtuch!“ / „Du hast mich ins Handtuch eingerollt, ich brauche aber meine Hände.“ / „Wenn er zwei Handtücher hat, will ich drei!“ / „Baust du mir eine Höhle? Oder soll euer Kind etwa in der heißen Mittagssonne liegen?“ / „Ich hab Durst/Hunger“ / „Ich friere/schwitze“ / „Wer spielt mit mir UNO?“ Okay, ihr kleinen Nervensägen, aber in spätestens 30 Jahren rächen wir uns.

Was man immer wieder vergisst, ist, wie viel Mut so ein Urlaub in fremder Umgebung von kleinen Menschen, die noch an Einhörner und fliegende Monster glauben, erfordert. Wenn die Fünfjährige auf ihrer Luftmatratze von Indien (die eine Pool-Seite) nach Spanien (die andere Pool-Seite) segelte, schaute der sonst so selbstsichere kleine Bruder vorsichtshalber bei den Eltern vorbei und stellte fest: „In Indien gibt es Krokodile. Wir müssen kämpfen. Kämpf, Kämpf.“ Und dann etwas unsicherer: „Wenn Krokodile im Pool sind, dürfen Kinder nicht rein. Sind da Krokodile drin????“

Das Leben im Ferienhaus erfordert große Tapferkeit

Wir versicherten ihm dann immer, dass es in ganz Spanien keine Krokodile in Swimmingpools gibt, aber so ganz schien ihn das nicht zu überzeugen. In dem Alter ist noch alles möglich, und das Leben im Ferienhaus erfordert große Tapferkeit.

Die Kinder badeten nackt, was zu einem ganz neuen Körpergefühl bei dem Dreijährigen geführt hat. Er hat nämlich entdeckt, dass er ein Junge ist. Kürzlich fragte er mich, ob seine Schwester auch so etwas Tolles habe wie er. Als ich verneinte, rief er erschrocken: „Mama! Du musst ihr einen Penis kaufen!“ Ich erklärte ihm den Unterschied zwischen Mädchen und Jungs, und als ich ein paar Stunden später fragte, ob er noch wisse, wie es bei Mädchen heiße. „Ja“, sagte er stolz: „Das ist die Schalmei.“ Reisen bildet.