Ein Mitglied des Gesangvereins, unverzichtbar als Bassstimme im Gemischten Chor von 1898 e. V., hatte die Grippe und sagte seine Teilnahme an der Chorprobe für Freitagabend rechtzeitig beim Dirigenten ab. „Sonst hätte ich dich unnötig in Sicherheit gewogen“, meinte er am Telefon. Es gerät zur Katastrophe im örtlichen Kulturleben, wenn der Bass indisponiert ist, so dass wir die Aufregung nicht noch durch kleinliche Hinweise auf die sprachliche Seite der Angelegenheit vergrößern wollen. Trotzdem sei die Frage gestattet, mit welcher Waage die Sicherheit eigentlich „gewogen“ worden ist. Natürlich wollte der Sänger den Dirigenten nicht fälschlicherweise in Sicherheit gewiegt haben.

Es handelt sich nämlich um das Partizip II des schwachen Verbs wiegen (wiegen, wiegte, gewiegt), das auf die Wiege hinweist (in sanften Schwingungen hin- und herbewegen, schaukeln). So haben etwa fein gewiegte Kräuter nichts mit dem Gewicht zu tun, sondern sind mit dem Wiegemesser, das aussieht wie eine Wiege mit scharfen Kufen, zerkleinert worden. Wer in Sicherheit gewiegt wird, wird also wie ein Kind in der Wiege sanft geschaukelt, um ihn ruhigzustellen.

Das starke Verb wiegen (wiegen, wog, gewogen) ist ein Homonym, das heißt, es wird gleich geschrieben, hat aber eine andere Bedeutung. Dieses Verb kommt von der Waage – genau gewogene Zutaten sind also auf der Küchenwaage auf das Gramm genau nach Rezept abgewogen worden, damit Mutters Schokoladenkuchen auch gelingt.

Was ist richtig: Ich erinnere mich an den Vorfall oder ich erinnere den Vorfall? Das Verb erinnern sollte reflexiv gebraucht werden. Standardsprachlich ist ein Präpositionalobjekt angebracht: Ich erinnere mich an den Vorfall. Wer noch mehr Eindruck machen will, benutzt sogar ein Genitivobjekt: Ich erinnere mich des Vorfalls. Aber nicht: Ich erinnere „den Vorfall“. Ebenso: Erinnerst du dich daran? oder Erinnerst du dich dessen?, aber nur auf dem Kiez: Erinnerst du das?

Wenn ein Politiker behaupten sollte, er habe in keinster Weise etwas mit der Agenda 2010 zu tun (obwohl er sie mit beschlossen hat), dann versucht er Ihnen eine „Fake News“ (erlogene Meldung) unterzuschieben, der er mit einem falschen Superlativ Nachdruck verleihen will. Doch falsche Sprache macht falsche Politik nicht besser. kein ist ein Indefinitpronomen (unbestimmtes Fürwort) und wird auch in attributiver Stellung nicht gesteigert. Ich wüsste auch nicht, wie man nicht ein steigern sollte – „nichter ein“? „in keinster Weise“ muss demnach als eine scherzhafte (oder dumme) Floskel der Umgangssprache eingeordnet werden, die in der Schriftsprache nichts zu suchen hat.

Ein Heimatverein in Brandenburg schwärmt von einem der historischsten Plätze der Stadt. Auch hier bitte kein Superlativ! historisch bezeichnet wie etwa „mündlich, sterblich, einzig, optimal“ eine unveränderliche Qualität und darf nicht gesteigert werden.

Lauerte er ihr auf, oder lauerte er sie auf? Über diese Frage entstand in einer Familie ein Streit, den ich schlichten sollte. Standardsprachlich steht das Verb auflauern mit dem Dativ (wir lauern ihr auf). Wer „sie“ auflauert, redet wie Anton in der großen Pause auf dem Schulhof. Übrigens heißt es „Ein Störfall jagt den anderen“ (nicht: den nächsten). Strafanzeigen werden erstattet und nicht gestellt, Strafanträge jedoch gestellt und nicht erstattet.

Die Hauptstadt braucht trotz der BER-Blamage auch in Zukunft große Projekte – aber bitte welche, die passen! Welche? welche als Indefinitpronomen bezeichnet umgangssprachlich eine unbestimmte Menge, ist also möglich, aber nicht hochsprachlich; solche als Demonstrativpronomen wäre besser gewesen. Eine Leserin grübelt über den Genitiv vom Ei. Heißt es des Eis oder des Eies? Beides ist möglich. Möglich ist auch die Genitivform des Eises. Doch die kommt nicht vom Huhn…

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