Auf dem roten Teppich

Lost in Translation: Wie Denglisch im Klatschgeschäft nervt

Ohne Englischkenntnisse kommt man als Promireporter nicht weit. Nicht immer sind die Sprachfronten jedoch eindeutig geklärt.

Mit Deutsch kommt man als Promireporterin im Soho House nicht unbedingt durch.

Mit Deutsch kommt man als Promireporterin im Soho House nicht unbedingt durch.

Foto: dpa/Reto Klar

Neulich stand ich wieder einmal am roten Teppich und fror vor mich hin, während ich anlässlich der Premiere des neuen „Jumanji“-Films auf Dwayne „The Rock“ Johnson und Jack Black wartete. Oder sollte ich sagen „auf die Talente“? Neben mir stand nämlich eine emsige PR-Dame, die versicherte, die „Täääälents“ würden nun jeden Moment erwartet. Dazu muss man wissen, dass das englische Wort „Talent“ übersetzt auch für „Hauptdarsteller“ stehen kann. Das scheint, Option A, aber nicht jeder zu wissen oder, Option B, dem Anglisierungswahn der Medienbranche zum Opfer gefallen zu sein. Also ist im Umkreis von Premieren und Schauspielerinterviews häufig weltmännisch von „Talents“ oder Neudeutsch von „Talenten“ die Rede. In einer Nussschale ist es keine Raketenwissenschaft. Sie wissen, was ich meine?

Ich dachte an Jens Spahn und seine Klage über englischsprechende Kellner in Berlin, die ihm vor zwei Jahren einen kleinen Shitstorm einbrachte. In der Hauptstadt sind wir schließlich international. Die äquivalente Erfahrung aus dem Leben einer Promireporterin ist der Versuch, im Soho House mit dem Personal am Empfang auf Deutsch zu kommunizieren. Ich probiere das gern immer wieder. Einfach aus Prinzip. „Hallo, ich bin hier für ein Interview mit VIP xy.“ Irritierte Gesichter.

Von Goodie Bags und Aftershowpartys

Weil ich zum Nuscheln neige, wiederhole ich meine Frage. Nichts. Ich kann Schweigepausen gut aushalten, also warte ich. 21, 22, 23 … Dann endlich: „Sorry, I don’t speak German.“ Ah, Überraschung. Das Soho House ist in meinem Job eigentlich eine Goldgrube. Fünf Minuten im Foyer und Patrick Schwarzenegger oder Kanye West gehen im „The Store“ shoppen, deutsche Schauspieler eilen zum Yoga und Schlagersänger kommen nur in Badehose vom Pool auf dem Dach. Was will man mehr? Trotzdem fremdele ich ein bisschen mit dem Konzept. Die Empfangssituation ist einer der Gründe.

Immerhin ist die Sprachsituation hier aber eindeutig. Einer absurden Durchmischung von Deutsch und Englisch sehe ich mich hingegen in meinem täglichen Klatschgeschäft ausgesetzt. Und ich rede hier nicht von Goodie Bags, Aftershowpartys und Interviews, die als Begriffe komplett in unseren Sprachgebrauch übergegangen sind oder erst gar keine deutsche Entsprechung hatten. Wenn ich allerdings eine Mail erhalte, in der mir das Treffen mit Robbie Williams mit den Worten „Im Meeting-Raum werden Sie geseatet. Ihre beiden Fragen sind mittlerweile approved“ bestätigt wird, dann kann man sich durchaus schon einmal über denn Sinn dieser babylonischen Sprachverwirrung wundern.

Bei der Fashion Week in der "Front Row"

Natürlich haben Journalisten und PR-Agenturen im Unterhaltungssegment in Berlin häufig mit Amerikanern, Engländern und sonstigen Nichtmuttersprachlern zu tun. Da hilft Englisch weiter und da schleicht sich manches ein. Häufig, ohne, dass man es selbst merkt. Auch bei mir. Als ich meiner Schwester einmal von einem „Phoner“ berichtete, wurde ich erst fragend angeschaut und dann schallend ausgelacht. Gemeint war ein Telefoninterview. Beim International Music Award wollte ich mich kürzlich für den roten Teppich akkreditieren, fand aber nur einen „Walkway“ vor. Schaue ich mir für ein Interview vorab einen Film an, bekomme ich einen „Screener“, mein Gesprächszeitfenster ist dann ein „Slot“. Lädt ein Musiker zur Vorstellung seines neuen Albums ein, gehe ich zum „Showcase“, bei der Premiere stehe ich an der „Pressline“. Viele Prominente verdingen sich als „Testimonial“ oder „Speaker“, bei der Fashion Week sitzen sie in der „Front Row“. Alles klar?

Gayle Tufts hat aus diesem Denglisch eine ganze Karriere gemacht. Ihre Shows und Bücher heißen „Some like it heiß“ oder „Absolutely Unterwegs – eine Amerikanerin in Berlin“ und sind – am Ende des Tages – tatsächlich sehr unterhaltsam.