Es war schon ein ziemlicher Tanz ums goldene Kalb, den Klaus Schaefer, Geschäftsführer des Bayerischen Film-Fernseh-Fonds (FFF), da beim Berlinale-Empfang in der Landesvertretung um „Fack Ju Göhte“ veranstaltete. Die hauptsächlich in München gedrehte Pauker-Klamotte ist zwar lustig, aber kein Film, den Kritiker „besonders wertvoll“ nennen würden. Jedenfalls bricht sie einen Kassenrekord nach dem anderen. Und das macht die Bayern nun stolz wie Oskar. Immerhin hat man in den Streifen, an dem auch CSU-Darling Uschi Glas mitwirkte, 950.000 Euro Fördergeld gesteckt.

Schutz des Publikums

Bleibt nur die Frage, was dazu eigentlich der 2012 verstorbene Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann gesagt hätte. Der CSU-Grande war in den 80er-Jahren, als es noch keine Kulturstaatsministerin und längst nicht so viel Förderung auf Landesebene gab, eine zentrale Instanz, wenn es darum ging, ob ein Film Geld bekommt oder nicht. Da wurden ganz klare sittliche, politische und moralische Grenzen gezogen – und so mancher Experimentalfilm wegen einer angeblich unseligen Mischung aus (O-Ton Zimmermann) „Fäkaliensprache und Erotik“ vor eigentlich schon bewilligten Fördergeldern bewahrt – alles zum Schutz des Publikums, versteht sich.

400.000 Euro für „Schoßgebete“

So ändern sich die Zeiten: 2013 hat der FFF sogar für „Schoßgebete“, den zweiten Teil der Sex-Saga nach Charlotte Roche, ein Darlehen in Höhe von 400.000 Euro herausgerückt. Tja. Im Freistaat, mit einem Anteil von 55 Prozent größter FFF-Gesellschafter, ist man toleranter geworden. Vor allem, wenn ein geförderter Film Aussicht auf (kommerziellen) Erfolg hat. Da dürften auch der Chef der CSU-Filmkommission, Otmar Bernhard, und Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer ein Auge drauf haben. So passt es, dass nun außerdem noch eine Initiative „Filmkulisse Bayern“ gestartet wurde: Der Tourismus profitiert in der weiß-blauen Verwertungskette ja ebenfalls davon, wenn Produktionsfirmen die malerischen Landschaften in die Kinos bringen. Und weil Bayern inzwischen bekanntlich ein Synonym für die CSU geworden ist (und umgekehrt), rechnet sich das am Ende des Tages auch für die Seehofer-Partei.