Tja, wer hätte das gedacht: Auch zwei Monate nach der Bundestagswahl sah man Abgewählte wie die FDP-Minister Dirk Niebel (Entwicklung) oder Philipp Rösler (Wirtschaft) noch immer regierungsamtlich in der Gegend herumflitzen. Ganz einfach, weil Schwarz und Rot in den Koalitionsverhandlungen nicht zu Potte kamen – und sie als amtierende Minister weitermachen durften.
Wenn es jetzt in Sachen Regierungsbildung auf die Zielgerade geht, dann dürfte das allerdings nicht nur potenzielle neue Kabinettsmitglieder wie SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles freuen. Sondern auch die bislang im Grunde „arbeitslosen“ 630 Abgeordneten sowie insbesondere die Heerscharen von Fraktionsangestellten, die seit dem 22. September in ihren Büros Däumchen drehen.
Denn: Erst wenn das neue Kabinett vereidigt ist, wird entschieden, wer in den Bundestagsausschüssen etwas wird. Kollegen, die im Ministerpoker den Kürzeren ziehen, findet man ja gerne mit einem Ausschussvorsitz oder Fachsprecherposten ab. Erst danach suchen sich diese Abgeordneten dann aus dem Angestellten-Pool ihre Mitarbeiter heraus, je nach Expertise und Sympathie, versteht sich. Und in der Zwischenzeit? Müssen sich die Damen und Herren Parlamentarier schon mal zu Recht von Besuchergruppen aus der Heimat die Frage gefallen lassen, was sie denn da überhaupt den lieben langen Tag tun.
Auf zur „Wahlkreiswelcomeparty“
In den Büros der Fraktionsmitarbeiter werden derweil – wie zu hören ist – auch schon am Nachmittag Weinflaschen entkorkt. Und abends gibt es natürlich noch diese beliebten „Kennenlern“-Veranstaltungen zur „Feier“ der 18. Legislaturperiode. Zum Beispiel vergangenen Dienstag im BASECamp an der Mittelstraße („Wahlkreiswelcomeparty“). Dessen neuer Hausherr Christian Wohlrabe hatte nach acht Jahren (!) als Organisationsreferent in der Bundesgeschäftsstelle der Jungen Union nun als Leiter Digital Public Affairs bei den Mobilfunkern von E-Plus angeheuert. „Ein Leben ohne die JU ist möglich, aber es ist dann halt nicht mein Leben“, lautete – frei nach Loriot und dem Mops – sein Abschiedssatz auf dem Deutschlandtag in Erfurt. Im BASECamp wusste das fast jeder.


