Wohin man auch schaut in diesen Tagen – Thomas Oppermann (59) ist schon da. Der langjährige Parlamentsgeschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion lässt sich kaum einen Auftritt entgehen. „Nebenbei“ verhandelt er als Mitglied der Steuerungsgruppe, in der viele Fäden zusammenlaufen, die große Koalition. Und er scheint wundersam verwandelt zu sein: War Oppermann sich früher für kaum eine Zuspitzung zu schade, gibt er jetzt genauso überzeugend mit gusseiserner Miene den ernsthaften Staatsmann, der er als Minister bald sein will.
Das Selbstbewusstsein hat er mit Thomas Oppermann gemeinsam
Ob Justiz oder Inneres, ob Finanzen oder Wirtschaft: Oppermann eignet sich für vieles. Dass er das weiß, daran ließ er zuletzt am Dienstag keinen Zweifel, als er in der Bertelsmann-Repräsentanz Unter den Linden mit dem Spitzenmanager Utz Claassen über dessen neues Buch „Unbequem“ plauderte. Er widersprach auch nicht, als Moderator Frank Cappellan ihn dort schon als künftiges Regierungsmitglied vorstellte. Das Selbstbewusstsein hat Oppermann mit Claassen gemeinsam, der sich nicht nur „Deutschlands härtester Sanierer“ nennt, sondern zudem glaubt, „konsequent erfolgreicher als andere“ zu sein. Wohl deshalb schickt Claassen sich nun auch noch an, die deutsche Politik zu bereichern, womöglich gar als Parteigründer. Sein Buch ist quasi das Manifest.
Undiplomatischer Tausendsassa
Dem mittlerweile 50 Jahre alten Tausendsassa wäre zuzutrauen, dass er das ernst meint. Denn der frühere Seat-Finanzchef, aktuell Mehrheitsaktionär des Medizintechnik-Unternehmens Syntellix, braucht häufiger mal einen neuen Kick, sonst langweilt er sich. Oppermann (der um Claassens Intelligenz weiß, selber aber ja auch nicht gerade auf den Kopf gefallen ist) wollte ihm die Idee dennoch ausreden. Geschickt schmierte er Claassen erst Honig um den Bart, meldete dann aber Bedenken an, ob er überhaupt „diplomatisch einen Interessenausgleich organisieren“ kann. Tatsächlich sind steile Ansagen am laufenden Band, wie man sie von Claassen kennt, nur etwas für ewige Oppositionspolitiker. Der Polit-Novize aus Schöningen sollte vielleicht erst mal ein Praktikum in Oppermanns künftigem Ministerbüro einschieben, bevor er richtig loslegt. Dabei könnte selbst einer von seinem Kaliber noch etwas lernen.


