„Machen Sie sich um mich keine Sorgen, ich komme schon irgendwie durch“ – Daniel Bahr war entwaffnend direkt, als er Dienstag im „Spaghetti Western“ an der Torstraße auftrat. Seine liberalen Parteifreunde hatten das italienische Restaurant für eine Wahlkampfveranstaltung mit ihrem Gesundheitsminister reserviert.
Wenn es mit einer Amtszeitverlängerung nicht klappe, dann fange er eben notfalls wieder an bei der Bank, bei der er früher gearbeitet hatte, so 36-Jährige. Klar, die Fans des Kabinett-Sunnyboys wären dann enttäuscht. Tatsächlich ist Bahr ja ein Phänomen: Hatten gefühlt alle Gesundheitsminister vor ihm gravierende Popularitätsprobleme, fliegen dem begeisterten Marathonläufer die Sympathien anscheinend zu.
Bahr profitiert natürlich auch davon, dass er den Deutschen aufgrund der guten Kassenlage keine Beitragserhöhungen zumuten musste, sondern im Gegenteil auch noch die ungeliebte Praxisgebühr abschaffte. Aber generell ist er ja ziemlich schwiegermutter-kompatibel. Der Minister spielt das gerade mit Geschichten vom Wickeltisch seiner Ende Juni geborenen Tochter Carlotta Filippa Amelie aus.
Bahr könnte im Kabinettspostenpoker den Kürzeren ziehen
Bahrs Problem ist, dass ihm in der FDP eine Hausmacht fehlt, seit er den Landesvorsitz in NRW abgab. Selbst wenn es im Bund einen Neuaufguss von Schwarz-Gelb gibt, könnte er deshalb im Kabinettspostenpoker den Kürzeren ziehen.
Vielleicht sollte Daniel Bahr dann noch mal darüber nachdenken, ob er nicht doch eine zweite Karriere als Winzer in Italien startet. Von dort könnte er direkt den Weinladen seiner Mutter Annette in Münster beliefern. Seine Italienischkenntnisse, das bewies er am Dienstag beim Plausch mit einem Reporter aus Rom, reichen dafür allemal.



