Von Babette Ackermann-Reiche

Die Mantis religiosa gehört zu den Fangschrecken (Mantodea), die weltweit über 2400 Arten umfassen. In Deutschland und Mitteleuropa ist sie die einzige heimische Art. Benannt ist sie nach ihren wie zum Gebet gefalteten Fangbeinen. „Mantis“ bedeutet im Griechischen „Seherin“ oder „Wahrsagerin“. Die stille Jägerin ist ein Meister der Tarnung und ein blitzschneller Angreifer, deren Aussehen, Lebensweise und erstaunliche Jagdstrategien im folgenden Porträt genauer vorgestellt werden.

Merkmale und Besonderheiten

Die Gottesanbeterin existiert seit über 300 Millionen Jahren – länger als die Dinosaurier – und kommt ursprünglich aus Afrika. Die Einzelgängerin ist mit Kakerlaken und Termiten verwandt und weder giftig noch kann sie stechen. Also keine Sorge: Die Gottesanbeterin ist völlig ungefährlich und kein Schädling!

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Die Fangschrecke wird etwa 7 bis 12 Monate alt und bis zu acht Zentimeter lang. Gerade mal 8 Gramm bringt sie auf die Waage. Die Männchen sind deutlich kleiner und weniger voluminös. Gottesanbeterin sagt man übrigens auch bei Männchen.

Besonders auffällig sind ihre großen Augen auf dem kleinen, dreieckigen Kopf, den sie um 180 Grad drehen kann. Durch ihre grüne oder braune Färbung ist sie hervorragend getarnt. In Deutschland steht sie unter strengem Schutz und darf weder gefangen, verletzt oder getötet noch als Haustier gehalten werden.

Flugfähigkeit und Verhalten

Die Gottesanbeterin besitzt zwei unterschiedlich große Flügelpaare. Das Männchen ist leichter und kann gut fliegen, während das Weibchen schwerer und meist nicht flugfähig ist. Überhaupt fliegt sie selten und dann nur kurze Strecken. Als Lauerjäger sitzt sie meist tagelang regungslos auf Pflanzen und wartet auf Beute.

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Nahrung der Gottesanbeterin

Die Fangschrecke ernährt sich von lebenden Insekten und anderen kleinen Tieren. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem Fliegen, Grillen, Schmetterlinge, Bienen, Spinnen und Käfer. Tote Tiere werden von ihr ignoriert.

Die Jagd

Dank ihrer perfekten Tarnung verharrt die Gottesanbeterin unbemerkt, oft kopfüber an einer Pflanze, und wartet auf Beute. Sobald sie etwas Fressbares entdeckt hat, nähert sie sich der Beute meist mit wackelnden bzw. ruckelnden Bewegungen. Ist sie nahe genug dran, schnellen ihre Fangbeine vor und schlagen blitzartig zu.

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Eine Gottesanbeterin hängt kopfüber an einem Zweig und wartet auf Nahrung.© iStock

Haken und Dornen an den Fangarmen verhindern jede Flucht. Dann wird die Beute lebendig verspeist. Der Fangschlag erreicht dabei bis zu 70 Millisekunden – etwa doppelt so schnell wie ein menschlicher Lidschlag.

Natürliche Feinde der Gottesanbeterin

Zu den Fressfeinden zählen u. a. Vögel, Eidechsen und Frösche. Ameisen und Spinnen jagen vor allem die kleinen, schwachen Nymphen. Die Fangschrecke ist das einzige bekannte Tier mit nur einem Ohr. Es sitzt vorn auf ihrer Brust und mit ihm ist sie in der Lage, Ultraschall zu hören, um so für sie gefährliche Fledermäuse zu meiden.

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An der Innenseite der Fangarme sitzen zwei große augenähnliche Schreckflecken. Sie dienen als Drohgebärde gegen Fressfeinde und täuschen Augen und ein größeres Gesicht vor (Mimikry).

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Eine Gottesanbeterin mit Drohgebärde.© Getty Images/iStockphoto | Vitaliy Halenov

Paarung und Eiablage

Zwischen August und Oktober paaren sich die Tiere, denn in der kalten Jahreszeit sterben sie und es muss für den Nachwuchs für das nächste Jahr gesorgt werden. Der Paarungsakt kann bis zu zwei Stunden dauern. Dabei bespringt das Männchen das Weibchen und hält es an den Flügeln fest. Oft wird es von seiner Partnerin vom Kopf her aufgefressen, während sein Hinterleib den Akt noch vollzieht. Viele Männchen können sich aber auch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

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Gottesanbeterin bei der Paarung.© Getty Images/iStockphoto | Mogala

Dann legt das Weibchen 100 bis 300 Eier in schaumartige, schützende Pakete (Ootheken) an Pflanzen, Steinen oder Mauern ab. Ein Brutpaket ist etwa so groß, wie das letzte Glied eines Zeigefingers. Wenn das Weibchen im Herbst verendet, überwintern die Embryonen gut geschützt in ihrer Schutzhülle, die ebenfalls nicht zerstört werden darf.

Nahaufnahme einer grünen Gottesanbeterin, die auf einem Buschzweig neben...
Nahaufnahme einer grünen Gottesanbeterin, die auf einem Buschzweig neben einer Oothek sitzt.© picture alliance / imageBROKER | Andrey Nekrasov

Eischlupf

Von April bis Juni schlüpfen die Nymphen. Sie ähneln den erwachsenen Tieren und jagen sofort. Sie fressen alles, was sie finden, teilweise auch die eigenen gerade geschlüpften Artgenossen. Nach sechs bis sieben Häutungen sind sie ausgewachsen und zwei Wochen später geschlechtsreif. Männchen häuten sich einmal weniger. Im August treten dann die ersten erwachsenen Tiere auf.

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Nymphen der Gottesanbeterin© Getty Images/iStockphoto | Seregraff

Lebensraum und Ausbreitung

Die wärmeliebende Art lebt von August bis Oktober an sonnigen, trockenen Standorten wie Industriebrachen, stillgelegten Bahntrassen und Waldrändern, Lebensräume, in denen genügend insektenfreundliche Pflanzen blühen. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Fangschrecke in Deutschland eine Seltenheit. Inzwischen breitet sie sich immer mehr aus und hat sich auch in Berlin etabliert. .

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Ausbreitung der Gottesanbeterin (Stand: September 2026)

In diesem Jahr konnte man die Fangschrecke schon früher beobachten. Der heiße Sommer hat ihr ideale Bedingungen geboten. So wurden seit Anfang Juli bis Mitte September bei NABU Naturgucker fast drei Mal so viele Gottesanbeterinnen gemeldet wie im gesamten letzten Jahr.

Beobachtungen melden

Momentan überwintern die Nymphen in ihren Ootheken und es gibt nicht viel zu sehen. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt und mit ihm lassen sich auch die ausgewachsenen Tiere wieder beobachten. Machen Sie dann gerne mit und melden Sie Ihre Sichtung z. B. bei NABU-naturgucker.de oder anderen regionalen Meldeplattformen. So können Sie helfen, die Bestandsentwicklung und Ausbreitung wissenschaftlich zu dokumentieren.

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© iStock

Zum Thema dieses Artikels ist in der Berliner Morgenpost eine Grafikseite erschienen. Sie können sie in digitaler Form unter nachstehendem Link betrachten:

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Illustrationen von Babette Ackermann-Reiche