Sie sind praktisch, preiswert und überall zu haben: hochverarbeitete Lebensmittel, sogenannte Ultra-Processed Foods, oder kurz UPFs, verdrängen immer mehr traditionell hergestellte Lebensmittel. Inzwischen gilt jedes zweite Produkt aus dem Lebensmittelhandel als hoch verarbeitet.
Was sind hochverarbeitete Lebensmittel?
UPFs sind industriell hergestellte Produkte, die zahlreiche Verarbeitungsschritte durchlaufen haben und oft aus Zutaten wie gehärteten Fetten, modifizierter Stärke, Farbstoffen und Aromen bestehen. Sie sind häufig kalorienreich und enthalten viel Salz, Zucker und gesättigte Fettsäuren. Hoch verarbeitete Lebensmittel sind oft direkt verzehrfertig oder müssen nur noch in der Mikrowelle oder im Ofen aufgewärmt werden.

Wer stellt UPFs her?
Große Konzerne wie zum Beispiel Nestlé produzieren hoch verarbeitete Lebensmittel aus günstigen Substanzen und Zusatzstoffen, um naturbelassene und frisch zubereitete Mahlzeiten zu verdrängen und maximale Gewinne zu erzielen, obwohl diese Produkte oft ungesund sind.

Die NOVA-Klassifikation
Die NOVA-Klassifikation wurde in den 2010er-Jahren an der Universität von São Paulo entwickelt, und unterteilt Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad, um ihren gesundheitlichen Wert zu bewerten. Sie berücksichtigt nicht nur die Nährstoffzusammensetzung, sondern auch den Grad der Verarbeitung und deren Zweck. Die Lebensmittel werden in vier Gruppen eingeteilt. Die Eingruppierung reicht von unverarbeitet (Stufe 1) bis hoch verarbeitet (Stufe 4), wobei der Fokus auf industriellen Prozessen und Zusatzstoffen liegt. Ziel ist es, den Konsum von Stufe 4 zu vermeiden, da dieser mit Zivilisationskrankheiten in Verbindung gebracht wird.
Die Einteilung nach dem NOVA-System:
Wirtschaftliche Bedeutung von UPFs
Hochverarbeitete Lebensmittel spielen wirtschaftlich eine bedeutende Rolle: Sie sind längst fester Bestandteil der weltweiten Ernährung und liefern in vielen Ländern einen Großteil der täglich aufgenommenen Kalorien. Während ihr Konsum in Industrienationen bereits hoch ist, steigen die Verkäufe in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen rasant. So entfielen beispielsweise von den 2,9 Billionen US-Dollar, die zwischen 1962 und 2021 an Aktionäre im Lebensmittelsektor ausgezahlt wurden, über 50 Prozent auf Hersteller von hoch verarbeiteten Lebensmitteln.
Schaden hochverarbeitete Lebensmittel der Gesundheit?
Die moderne Lebensmittelproduktion ermöglicht eine große Produktvielfalt, beeinflusst aber die natürliche Zusammensetzung und Reinheit von Lebensmitteln. So beeinflussen industrielle Produktionsmethoden die Nährstoffdichte und hinterlassen Rückstände, Verarbeitungsprozesse verlängern zwar die Haltbarkeit, führen aber oft zu Vitalstoffverlusten, und Lagerung und Transport wirken sich am Ende zusätzlich auf die Frische und den Mikronährstoffgehalt aus. Fazit: Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet wird, desto weniger Nährstoffe enthält es am Ende.

Die Zahl übergewichtiger Menschen nimmt weltweit zu. Zahlreiche Studien der letzten Jahre belegen einen Zusammenhang zwischen dem Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel und erhöhten Risiken für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Adipositas.

Einer Umfrage von 2023 zufolge greifen bereits 70 Prozent der Deutschen regelmäßig zu hochverarbeiteten Lebensmitteln; fast 40 Prozent tun dies sogar täglich.

So können Sie den Konsum von UPFs reduzieren
- Kaufen Sie frische, unverarbeitete Lebensmittel und kochen Sie selbst, um Fertigprodukte zu vermeiden.
- Meiden Sie beworbene und verpackte Produkte mit vielen Zusatzstoffen.
- Bevorzugen Sie lokale und saisonale Lebensmittel.
- Planen Sie Ihre Mahlzeiten, um weniger zu Convenience-Produkten zu greifen.
So erkennen Sie hoch verarbeitete Lebensmittel
Zutatenliste prüfen:
- Lange Listen mit chemischen Namen, E-Nummern, Aromen oder Emulgatoren sind ein Warnsignal.
Nährwerte beachten:
- Viel Zucker, Salz oder gesättigte Fette sind typisch für UPFs.
- Werbebotschaften wie „arm an Fett, aber voller Geschmack“ kritisch hinterfragen.
Verpackung & Marketing:
- Auffälliges Branding, Bequemlichkeitsversprechen oder lange Haltbarkeit sind ein Hinweis auf starke Verarbeitung.
Produktkategorie:
- Produkte, die frische Mahlzeiten ersetzen sollen (z. B. Instant-Nudeln, verpackte Backwaren).
- Kaum Ähnlichkeit mit natürlichen Lebensmitteln
Lebensmittel-Scanner und Apps, die UPFs erkennen
Open Food Facts: kostenlos, zeigt Nova-Gruppe direkt an. Sehr empfehlenswert!
Yuka: scannt Barcodes und bewertet Produkte nach Nährwerten und Zusatzstoffen. Sehr einfach und nutzerfreundlich.
CodeCheck: ähnlich wie Yuka, zeigt Inhaltsstoffe und Bewertungen und ist auch auf Deutsch verfügbar.
Foodvisor: analysiert Mahlzeiten per Foto und gibt Ernährungshinweise.
Die Website openfoodfacts.org beherbergt eine riesige Datenbank mit Nova-Klassifikation für viele Produkte.
Die Zeitungsseite zum Thema
Zum Thema dieses Artikels ist in der Berliner Morgenpost eine große Grafikseite erschienen. Sie können die Seite in digitaler Form unter nachstehendem Link betrachten:



