Er ist die größte heimische Wildart und „Tier des Jahres 2026“ – der Rothirsch. Der Cervus elaphus, so sein wissenschaftlicher Name, ist das größte Landsäugetier, das regelmäßig bei uns in Deutschland lebt. Etwa 240.000 Tiere findet man über das Land verteilt, doch wirklich ungestört lebt der Rothirsch nur in wenigen Bundesländern, denn er ist nicht überall willkommen. Zurzeit findet er in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg die besten Lebensbedingungen vor.
Warum die Wahl auf den Rothirsch fiel
Die Deutsche Wildtierstiftung hat ihn ausgewählt, um auf die Spannungen zwischen seinen Lebensraumanforderungen einerseits und den Belangen von Naturschutz und Wirtschaft andererseits hinzuweisen. Der Rothirsch lebte ursprünglich in halboffenen Steppenlandschaften und wurde erst vom Menschen in die schützenden Wälder verdrängt. Seine Lebensräume sind durch Straßen, Autobahnen, Siedlungen und Jagd stark zerschnitten. Das hindert ihn am Wandern. Diese Situation hat vor allem Auswirkungen auf die genetische Vielfalt des Rothirschs und damit auf seine Anpassungsfähigkeit gegenüber Umweltveränderungen, was langfristig zu einem Aussterben des schönen Wildtiers führen könnte. Noch ist der Rothirschbestand in Deutschland laut Wildtierstiftung aber stabil.
Die Merkmale des Rothirschs
Lebensweise
Rothirsche leben die meiste Zeit des Jahres in Trupps oder Rudeln deren Größe vom jeweiligen Lebensraum abhängt. Das Rudel ist standorttreu, nur bei großer Beunruhigung zieht es zur Sicherheit an einen anderen Ort. Die Tiere ernähren sich unter anderem von Gras, Kräutern, Feldfrüchten aller Art wie Rüben und Kartoffeln, die mit den Vorderläufen ausgegraben werden. Aber auch Knospen und junge Zweige von Bäumen und Sträuchern sowie nährstoffarme Nahrung wie Baumrinde und Gras stehen auf dem Speiseplan. Ihre größten natürlichen Feinde sind neben dem Menschen, Braunbär, Luchs und Wolf.
Trittsiegel und Spuren
Häufig ist es einfacher seine Spuren zu finden, als den Rothirsch selbst. Er ist ein Paarhufer, was man deutlich an seinem Trittsiegel, also Fußabdruck, erkennen kann. Dieses zeigt zwei große Abdrücke, von den sogenannten Hauptschalen, die sein eigentliches Gewicht tragen, und zwei kleinere Abdrücke, von zwei weiter oben am Fuß sitzenden, kleineren Schalen (Afterklauen). Letztere werden allerdings nur bei schneller Bewegung, wie beispielsweise auf der Flucht, oder in weichem Boden sichtbar.

Rotwildbezirke und Verbreitung in Deutschland
Mit Ausnahme von Berlin und Bremen kommt der Rothirsch in fast allen Bundesländern vor, aber ungestört lebt er nur in wenigen Gebieten. Dies liegt an sogenannten Rotwildbezirken, die sein Vorkommen per Gesetz regeln und außerhalb oft einen strengen Abschuss vorschreiben, da er die Forstwirtschaft stört. Die Deutsche Wildtierstiftung fordert seit Jahren die Abschaffung dieser Bezirke. Inzwischen haben Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt die Rotwildbezirke abgeschafft und gezeigt, dass erfolgreiche Land- und Forstwirtschaft auch mit Hirschen möglich ist.
Das Geweih
Männliche Rothirsche tragen ein Geweih, ein aus Knochensubstanz gebildeter Kopfschmuck, der je nach Lebensalter zwischen Februar und April abgeworfen und bis zum Frühherbst wieder aufgebaut wird. Das Geweih beginnt mit den Rosenstöcken am Kopf, aus denen die Geweihstangen wachsen. Sie verzweigen sich nach oben und entwickeln mit dem Alter immer mehr Enden (Sprossen).
Während des Wachstums ist das Geweih von einer fellähnlichen Haut (Bast) umhüllt, die es mit Nährstoffen versorgt und später vom Tier von ihrem vollständig gewachsenen Geweih durch Reiben an Bäumen und Sträuchern (in der Jägersprache „Fegen“) abgestreift wird.

Das Geweihfegen ist ein natürlicher und für die Tiere schmerzloser Vorgang. Da die Haut noch durchblutet sein kann, hinterlässt der Hirsch teilweise blutige Spuren und markiert dadurch sein Revier. Das freigelegte, blanke Geweih, wird dann durch Pflanzensäfte eingefärbt. Ab Februar/März, verliert der „König der Wälder“ kurzfristig seine Krone um Platz für eine neue zu schaffen. Die Geweihstangen lockern sich und fallen schließlich ab. Ihrem biologischen Rhythmus folgend, können Hirsche ihr Geweih plötzlich auf dem Feld abwerfen, im Wald oder wenn sie gerade eine Straße überqueren.

Dieser Vorgang wiederholt sich von nun an jährlich und jedes Mal nimmt das Geweih größere Ausmaße an. Hirschkühe tragen wie die Kälber kein Geweih und werden daher auch als Kahlwild bezeichnet.

Es ist übrigens verboten, abgefallene Hirschgeweihe mit nach Hause zu nehmen. Strafrechtlich gesehen, macht man sich sogar der Wilderei schuldig. Der Kopfschmuck des Hirsches gehört demjenigen, der in dem Revier das Jagdrecht ausübt.
Das Fell
Die Fellfärbung des Rothirsches variiert je nach Jahreszeit, Geschlecht und Alter. Es wird zweimal jährlich gewechselt: Im Mai wächst das rotbraune Sommerfell, das im September oder Oktober durch ein graubraunes, doppelt so langes Winterfell ersetzt wird. Ältere Hirsche bilden in der Brunft eine Mähne aus. Charakteristisch ist auch der weiß-gelbliche Fellfleck (Spiegel) am Hinterteil, der von dunklen Haaren umrahmt ist und bei Gefahr oder Aufregung als Kommunikationssignal dient. Da er durch Bewegung deutlicher sichtbar wird, alarmiert er die Artgenossen des Rudels. Das Fell der Kälber ist rotbräunlich mit dichten weißen Fleckenreihen.

Die Duftdrüsen
Rothirsche nutzen Duftdrüsen, um Geruchssignale für ihr Sozialleben zu verbreiten. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Voraugendrüse, die allen geweihtragenden Hirschen zu eigen ist und besonders zur Brunftzeit sogenannte „Hirschtränen“ absondert. Diese markant riechenden Sekrete reiben die Tiere zur Markierung an Bäumen und Sträuchern ab.

Die „Stimme“
Der Rothirsch verfügt über eine Reihe verschiedener Lautäußerungen. Am bekanntesten ist sicherlich das Röhren der männlichen Tiere während der Brunft im September und Oktober. Dann gibt es im Wettstreit mit anderen Männchen feste Rituale: Die Hirsche röhren laut und wühlen den Boden mit dem Geweih auf. Treffen zwei Rivalen aufeinander, kämpfen sie um den Titel des „Platzhirsches“, denn nur dem Sieger ist es vorbehalten, sich mit dem Weibchen zu paaren. Lauschen Sie hier dem Brunftschrei.
Durch Mahnen ruft die Hirschkuh das Kalb oder gibt kurze, bellende Schrecklaute von sich, wenn sie beunruhigt ist. Ein gellend-klagender Ruf ist zu hören, wenn sich die Kälber unmittelbar bedroht fühlen. Die Muttertiere sind dabei in der Lage, ihre Kälber an der Stimme zu erkennen.

Die Zeitungsseite zum Thema
Zum Thema dieses Artikels ist in der Berliner Morgenpost eine große Grafikseite erschienen. Sie können sie in digitaler Form unter nachstehendem Link betrachten:



