Hinter Autofahrern in Berlin liegt kein einfaches Jahr: Mehrere gesperrte und später abgerissene Brücken sorgten für Einschränkungen auf wichtigen Verkehrsachsen, dazu kamen die üblichen, teils langwierigen Baustellen oder Havarien. Eine Auswertung der Berliner Morgenpost zeigt jetzt, welche Gegenden in der Hauptstadt in den vergangenen zwölf Monaten die Hotspots waren, an denen Autofahrer besonders oft Verzögerungen hinnehmen mussten. Berechnet wurde dafür die durchschnittliche Staubelastung des übergeordneten Straßennetzes in dem jeweiligen Gebiet während der Hauptverkehrszeit, basierend auf Echtzeitdaten der Senatsverkehrsverwaltung.
Insgesamt wurde Berlin für die Analyse in 386 Gebiete, sogenannte Verkehrszellen, unterteilt. An der Spitze steht ein kleiner, aber sehr zentraler Bereich in Berlin, das Gebiet Schloßplatz/Breite Straße in Mitte, an der Museumsinsel. Die Staubelastung in den ersten 50 Wochen, also vom 1. Januar bis 14. Dezember, lag dort bei gut zwölf Prozent, was bedeutet: Im Durchschnitt waren mehr als zwölf Prozent des dortigen Straßennetzes immer von Stau betroffen.
Für den Vergleich der Verkehrszellen wurde die Länge aller Abschnitte mit dem Status „Stau“ ins Verhältnis zur Gesamtlänge des übergeordneten Straßennetzes im jeweiligen Gebiet gesetzt. Insgesamt wurden für die berlinweite Auswertung die Echtzeitdaten von mehr als 18.000 Abschnitten des Hauptstraßennetzes genutzt. Für jeden dieser Abschnitte wird im Fünf-Minuten-Takt der aktuelle Verkehrsstatus erfasst – von „gesperrt“ über „Stau“ und „stockend“ bis „fließend“. Der besonders staugeplagte Bereich am Schloßplatz dürfte einerseits von regelmäßigen Einschränkungen durch Demonstrationen beeinflusst sein, andererseits durch langwierige Bauarbeiten. Prominentes Beispiel ist der Abriss der viel befahrenen Mühlendammbrücke, durch den es – bis zur Fertigstellung des Neubaus – für den Autoverkehr weniger Spuren gibt.
Gebiet um die Altstadt Spandau liegt im Vergleich weit vorn
Auf dem zweiten Rang folgt das Gebiet An der Wuhlheide/Eichgestell in Treptow-Köpenick. Auch Menschen, die mit dem Bereich vorher noch keine Berührungspunkte hatten, dürfte die Straße An der Wuhlheide seit diesem Jahr ein Begriff sein: Ende April wurde dort die Wuhlheide-Brücke gesperrt und im Mai abgerissen. In der Folge waren Straßenbahnlinien der BVG unterbrochen, es kam zu langen Staus auf Umfahrungsstrecken. Seit Ende des Brückenabrisses hat sich die Situation zwar entspannt, eine Engstelle durch Kabelarbeiten gibt es auf der Straße aber weiterhin.
Auf Platz drei liegt eine Gegend am anderen Ende Berlins: die Altstadt Spandau. Das Gebiet rund um den historischen Kern und das Rathaus Spandaus ist als Stau-Hotspot bekannt, weil zum dichten Autoverkehr auch noch Dutzende Buslinien der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) kommen, die dort halten. Die weiteren vorderen Plätze führen wieder mehr ins Zentrum der Stadt: Auf Platz vier liegt der Bereich Müllerstraße/Seestraße in Mitte, gefolgt von den Gebieten Karl-Marx-Straße/Altenbraker Straße in Neukölln und Heidestraße/Sellerstraße ebenfalls in Mitte.
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Rund um die Elsenbrücke: Gebiete in Treptow und Friedrichshain in den Top 10
Unter den Top-10-Staugebieten sind außerdem zwei Bereiche, die durch eine weitere Brückenbaustelle beeinflusst sein dürften: Auf Rang neun rangiert der Bereich Stralauer Allee/Kynaststraße in Friedrichshain-Kreuzberg, direkt danach findet sich das Gebiet Puschkinallee/Elsenstraße im Ranking. Beide Gegenden sind von der Elsenbrücke beeinflusst, die derzeit mit einer Behelfsbrücke in beide Richtungen nur einspurig über die Spree führt.
Seit Ende August kommt als verschärfender Faktor der neue A100-Abschnitt zwischen Sonnenallee und Treptower Park hinzu. Vor allem der abfließende Verkehr in Richtung Friedrichshain sorgt seither auf der Elsenstraße für Staus; die Elsenbrücke ist in der Folge noch mehr zu einem Nadelöhr geworden. Möglich aber, dass die Gebiete im kommenden Jahr nicht mehr unter den Top 10 auftauchen: Ende Januar soll das erste neue Teilbauwerk so weit fertig sein, dass die Elsenbrücke wieder zweispurig wird. Im Sommer soll sie dann sogar dreispurig werden und damit ihre ursprüngliche Fahrstreifenzahl erreichen. Die Situation dürfte sich damit merklich entspannen.
Blickt man etwas großräumiger auf Berlin, zeigt ein Vergleich der Bezirke: Die Innenstadt ist insgesamt deutlich staugeplagter als der Stadtrand. Friedrichshain-Kreuzberg führt das Ranking an, gefolgt von Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf. Am geringsten war die Staubelastung der Straßen in Reinickendorf, auch in Marzahn-Hellersdorf (Platz elf im Ranking) und Steglitz-Zehlendorf (Platz zehn) mussten Autofahrer vergleichsweise wenige verstopfte Straßen hinnehmen.



