Schauspieler Colin Firth trug ihn im Auftakt der Bridget-Jones-Filmreihe, Entertainer Bill Cosby in seiner gleichnamigen Show alle Jahre ebenso. Die Sängerinnen Beyoncé und Britney Spears widmeten ihm gar eigene Kollektionen. Die Rede ist vom „Ugly Christmas Sweater“, dem Weihnachtspullover, der gar nicht hässlich genug sein kann. Während Firth sich noch in einem vergleichsweise dezenten Rentier-Model der Lächerlichkeit preis gab, lassen es Fortgeschrittene auch hierzulande beispielsweise mit Nikolausmützen tragenden Katzen, die auf einer Pizza durchs All fliegen, in Sachen Geschmacklosigkeit so richtig krachen.
Designer-Varianten für Hipster
Die Motive, die Menschen dazu treiben, sich zum Fest der Liebe bewusst scheußlich zu kleiden, sind so vielfältig wie die der „It-Pieces“ selbst. Da wäre zum einen Selbstironie. Viele Trash-Träger möchten Weihnachtsmuffeln schon zu Beginn der Adventszeit bedeuten: „Lach doch mal! Nimm dich doch nicht so ernst!“ Dann wieder gibt es die Hipster, die den schrillen Look lässig finden und zu sündhaft teuren Designerstücken greifen, um ihn neu zu interpretieren. Nicht dass die Deluxe-Varianten weniger scheußlich wären, aber offenbar vermitteln sie ein erhebenderes Gefühl, wenn man zuvor 2000 Euro dafür hingeblättert hat – was keine Schwierigkeit ist. Und schließlich gibt es noch die Pragmatiker, die darauf vertrauen, dass die in der Vorweihnachtszeit angefutterten Speckröllchen unter einem aufsehenerregenden Wollzelt gleich aus mehreren Gründen niemandem auffallen.
Diplomatische Verwicklungen
Dass dieser Spaß indes auch zu diplomatischen Verwicklungen führen kann, musste eine große US-amerikanische Modekette erfahren. Die bot online einen Weihnachtspullover mit dem Schriftzug „Let it snow“ an. Darauf zu sehen: ein fröhlicher Weihnachtsmann mit weit aufgerissenen Augen, vor dem unverkennbar einige Linien Kokain liegen. In der Produktbeschreibung war zu lesen: „Wir alle wissen, wie der Schnee funktioniert. Er ist weiß, in Pulverform, und der beste kommt aus Südamerika. Schlechte Nachrichten für den guten alten St. Nick, der weit weg am Nordpol wohnt. Darum mag er es richtig gerne, wenn er qualitativ hochwertigen, erstklassigen kolumbianischen Schnee in die Finger bekommt.“ Nach einer Welle der Empörung entschuldigte sich das Unternehmen bei seinen Kunden und nahm das Produkt aus dem Sortiment – hatte die Rechnung aber ohne die kolumbianische Regierung gemacht. Deren Rechtsvertreter beklagte den so entstandenen Imageschaden für das Land und forderte nicht nur eine Entschädigungszahlung zugunsten der Opfer des Drogenhandels, sondern darüber hinaus eine zehnmal so große Werbekampagne für sein Land wie die für den unseligen Pullover.
Hässliches tragen – Gutes tun
Doch woher stammt der weihnachtliche Modetrend eigentlich? Er kommt – wie sollte es anders sein – aus den USA. Dort hat man dem wolligen Scheusal übrigens einen eigenen Tag gewidmet. Der sogenannte „Ugly Jumper Day“ wird immer am dritten Freitag im Dezember begangen. Die Briten haben aus der (Geschmacks-)Not sogar eine Tugend gemacht. Die Organisation „Save the Children“ sammelt jährlich am „Ugly Jumper Day“ – hier am 11. Dezember – Spenden für notleidende Kinder. Auch der FC Arsenal spendet dann 20 Prozent seines Erlöses aus dem Verkauf einer eigenen Kollektion. So hat alles auch sein Gutes …


