Bräuche und Rituale gehören zu Weihnachten wie der Rotkohl zum Gänsebraten. Während wir das Fest der Feste mit Christkind, Weihnachtsmann und Schlitten verbinden, spielen in anderen Ländern Spinnen, Gurken oder Katzen eine tragende Rolle am und unterm Tannenbaum. Wir stellen einige bemerkenswerte Weihnachtsbräuche aus aller Welt vor:
La Befana in Italien
„Dolce Vita“ – das gilt in Italien auch zu Weihnachten. Denn das wird vom 6. Dezember bis zum 6.Januar gleich viermal gefeiert. Der 6. Januar ist der letzte Festtag und heißt „La Befana“. In der Nacht zuvor hängen die Kinder Strümpfe an den Kamin oder stellen ihre Schuhe hinaus, damit die Hexe Befana sie mit Geschenken füllen kann. „La Befana“ gilt als Frau des Weihnachtsmannes und reist auf dem Besen durch den Kamin an. Allerdings hat sie nur für jene Kinder gute Gaben im Gepäck, die auch brav waren. Alle anderen bekommen Kohle. Zum Glück handelt es sich bei der „Kohle“ um „Carbone dolce“, also süße Kohle, eine schwarz gefärbte Zuckermasse. Um die Weihnachtshexe milde zu stimmen, wird sie mit einem Glas Wein und regionalen Köstlichkeiten empfangen.
Holzblock in Spanien
In einigen Teilen Spaniens werden die Geschenke vom Tió de Nadal, dem Weihnachtsbaumstamm gebracht. Dahinter verbirgt sich ein Holzscheit, das mit einem Gesicht und kleinen Beinen versehen wird. Damit die Bescherung – in Spanien traditionell am 25. Dezember – möglichst üppig ausfällt, wird der Tió zuvor gut gefüttert und in eine warme Decke gehüllt. An Heiligabend werden ruppigere Saiten aufgezogen: Dann wird der Tió aus seiner behaglichen Hülle gewickelt, ins Feuer gelegt und von der Familie mit Stöcken geschlagen, bis er – pardon, aber so will es der Brauch – Geschenke und Süßigkeiten „scheißt“. Weshalb er auch Cagatió genannt wird. Und das heißt übersetzt: Na, Sie ahnen es schon …
Besen und Mopp in Norwegen
In Norwegen ist es zu Weihnachten gute Tradition, Besen und Wischmopp sorgfältig zu verstecken. Damit macht man bösen Geistern und Hexen einen Strich durch die Rechnung, die sie stehlen und damit gen Weihnachtshimmel reiten könnten. Die Geschenke bringt hier übrigens ein Gnom namens Julenissen.
Spinnen in der Ukraine
Spinnen bringen Glück – das glaubt man zumindest in der Ukraine. Deswegen werden dort Weihnachtsbäume mit Ornamenten dekoriert, die wie Spinnweben aussehen. Diese Tradition geht auf die Legende einer armen Frau zurück, die sich keinen Baumschmuck leisten konnte, eines morgens erwachte und ihren mit Spinnweben übersäten Baum erblickte, der im Sonnenlicht glitzerte und prächtig aussah.
Weihnachtsgurke in den USA
In den Vereinigten Staaten ist es Brauch, eine grüne gläserne Essiggurke am Baum zu verstecken. Durch die Farbe ist der sogenannte „Christmas Pickle“ nur schwer zu finden. Wem es gelingt, der erhält ein zusätzliches Geschenk. Woher diese Tradition stammt, ist nicht näher überliefert. Während die Amerikaner ihr deutsche Wurzeln nachsagen, ist die Weihnachtsgurke hierzulande gänzlich unbekannt.

Der erste Abendstern in Polen
In Polen glaubt man daran, dass der richtige Zeitpunkt zum Öffnen der Geschenke in den Sternen geschrieben steht. Deswegen muss das jüngste Kind der Familie den Abendhimmel beobachten und auf den ersten Stern am Firmament warten – damit fällt der Startschuss zur Bescherung.
Donald Duck in Schweden
Was in Deutschland für viele der tschechische Film-Evergreen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ ist, ist den Schweden das weihnachtliche „Donald Duck Special”. Diese einstündige Fernsehshow wird seit 1959 alle Jahre wieder am Heiligabend um 15 Uhr ausgestrahlt und traditionell mit der ganzen Familie geschaut. Um diesen Termin herum werden alle anderen Feierlichkeiten geplant.
Die Weihnachtskatze in Island
Wenig mit unserem lieblichen Christkind haben die isländischen Jólasveinar zu tun. Diese groben, rauen Gesellen – 13 an der Zahl – bringen hier die Geschenke. Aber noch lange nicht jedem. Denn zu ihrem Gefolge gehört die Weihnachtskatze Jólakötturinn, der nachgesagt wird, sie fresse alle faulen Menschen, die sie daran erkennt, dass sie keine neue Kleidung tragen. Sicher vor der Weihnachtskatze sind daher nur Kinder und Erwachsene, die zu Weihnachten neu eingekleidet sind. Der Mythos der Jólakötturinn geht auf den überlebensnotwendigen Arbeitseifer in der rauen Natur Islands zurück, alle Wolle vom Herbst bis Weihnachten verarbeitet zu haben.
Rollschuhlaufen in Venezuela
Gemessenen Schrittes zur Christmette schreiten? Nicht in der venezolanischen Hauptstadt Caracas. Dort fahren die Gläubigen auf Rollschuhen ins Gotteshaus. Damit das ohne Verkehrschaos und Unfälle geschieht, werden sogar Teile der Stadt eigens zu diesem Zweck gesperrt. Am Abend vor der Rollschuhparade binden die Kinder eine Schnur an ihren großen Zeh, hängen diesen zum Fenster hinaus und die vorbeifahrenden Nachbarn dürfen daran ziehen. Zu den Hintergründen dieser bemerkenswerten Tradition ist nichts bekannt.


