Advent steht für adventus Domini – die Ankunft des Herrn. Und somit für die Jahreszeit, in der sich die Christen auf das Fest der Geburt Jesu vorbereiten. Weil diese Zeit vor allem für Kinder ganz schön lang werden kann, gibt es seit dem 19. Jahrhundert Adventskalender, die die Wartezeit verkürzen (und später auch versüßen) sollten.
Am Anfang waren sie eher eine Zählhilfe. 1839 entwickelte der Theologe Johann Hinrich Wichern einen Adventskranz mit Kerzen (kleine rote für Werktage, große weiße für die Adventssonntage), der im Grunde auch eine frühe Form des Adventskalenders war.
Vor allem in protestantischen Familien wurden im Advent 24 Kreidestriche auf die Tür gemalt, jeden Tag durften die Kinder einen wegwischen. Viele katholische Haushalte pflegten den Brauch, einen Strohhalm in die Krippe zu legen, damit das Christuskind am Heiligen Abend ein kuscheliges Bett hatte. Auch 24 (Heiligen-)Bilder an der Wand wurden aufgehängt. Es gab Weihnachtsuhren und Weihnachtskerzen mit 24 Stricheinteilungen, die entsprechend abgebrannt wurden.
1902: Der erste gedruckte Adventskalender
Der erste gedruckte Adventskalender – als Weihnachtsuhr mit zwölf Ziffern – soll 1902 in Hamburg von der Evangelischen Buchhandlung Friedrich Trümpler aufgelegt worden sein, einige Jahre später gab es eine Ausgabe mit 24 Ziffern. Weihnachtsuhren, gern auch mit festlichen Gedichtversen, kamen allmählich in Mode.
Ein Pionier des Adventskalenders war der Münchner Buchhändler und Verleger Gerhard Lang (1881-1974), der bis Ende der 1930er-Jahre über 30 verschiedene Adventskalender auflegte. Zunächst noch fensterlos, mit Gedichten und Bildchen zum Ausschneiden. Dann immer raffinierter: Lang entwickelte zum Beispiel einen Vorläufer des Schoko-Kalenders, das „Christkindleinshaus zum Füllen mit Schokolade“, aber auch Adventskalender mit Fenstern und Türen. Ein Adventshäuschen aus bedruckten Pappscheiben enthielt 24 Fenster aus farbigem Transparentpapier, die mit einer Kerze von innen stimmungsvoll illuminiert werden konnten.
Während der Kriegszeit war Papier knapp, auch aus ideologischen Gründen versuchten die Nazis, christliche Weihnachtsbräuche einzugrenzen. Mit dem Wirtschaftswunder starteten dann auch die Adventskalender wieder richtig durch. Immer neue Variationen entstanden, immer aufwendiger wurden die guten Stücke, 1958 auch erstmals mit Schokolade gefüllt. Optisch setzten sich nun romantisch verschneite Weihnachtsdörfer durch, oft fand sich hinter dem größten Fenster am 24. Dezember eine Krippenszene.
Der umgekehrte Adventskalender
Der Phantasie sind seither kaum Grenzen gesetzt. Neue Medien spielen eine Rolle (Hörbücher mit 24 Geschichten), auch Online-Adventskalender finden sich immer häufiger. Vielerorts werden ganze Gebäude wie Rathäuser zu Adventskalendern. Bedenkenswert ist die Idee des „umgekehrten Adventskalenders“, die in den vergangenen Jahren von einigen Kirchen und karitativen Verbänden praktiziert wird: Nach dem Motto „Geben ist seliger denn Nehmen“ werden an jedem Tag im Advent Lebensmittel oder nützliche Gegenstände in eine Box gelegt und an Weihnachten (oder kurz danach) Wohltätigkeitseinrichtungen gespendet.


