Als der FC Bayern die Vertragsverlängerungen mit dem Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl bis 2029 bekanntgab, hielt sich der Nachrichtenwert in Grenzen. An der Verlängerung der Veträge hatte ja schon lange vor der Aufsichtsratssitzung kein Zweifel mehr bestanden, nachdem der Patron Uli Hoeneß die Wahrscheinlichkeit dafür beim zwischenzeitlich ziemlich umstrittenen Eberl im Trainingslager am Tegernsee Ende Juli auf 100 Prozent taxiert hatte. Sogar Abbitte hatte Hoeneß geleistet wegen seiner Aussage gegenüber dem Magazin „Der Spiegel“ Ende Mai, wonach die Chancen auf eine Verlängerung mit Eberl 60:40 stünden. „Damit war Max vor dem Pokalendspiel nicht gut behandelt von mir, und ich habe mich auch bei ihm dafür entschuldigt“, sagte Hoeneß und attestierte Eberl sogar überschwänglich „eine perfekte Transferperiode“. Im Sommer 2025 hatte Hoeneß Eberl nach den späten Transfers noch gescholten und als „ziemlich empfindlich“ bezeichnet.

Kaum noch Kritiker

Die Wahrheit liegt noch immer zwischen den Extremen. Als skeptisch eingestellt gegenüber Eberl gilt weiterhin Karl-Heinz Rummenigge im neunköpfigen Aufsichtsrat unter Vorsitz des Vereinspräsidenten Herbert Hainer. Zugute gehalten wird dem seit 2024 amtierenden Eberl, dass er inzwischen mehr den Austausch mit den Granden Hoeneß und Rummenigge sucht, die jahrzehntelang den FC Bayern geführt hatten und noch immer viel Einfluss ausüben. Vor diesem Hintergrund las sich der erste Satz der Pressemitteilung nun wie ein Teil der Begründung für die Vertragsverlängerung mit Eberl. „Angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahre vertraut der FC Bayern auf Kontinuität und Stabilität auf seiner Führungsebene“, hieß es darin.

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Werbung kann er auch: Bayern-Trainer Vincent Kompany© Getty | Simon

Für die weitere sportliche Entwicklung nehmen sie sich beim FC Bayern nun ohne Umschweife vor, den Titel im wichtigsten Vereinswettbewerb zu holen. „Unser Ziel ist der Gewinn der Champions League“, sagte Trainer Vincent Kompany zuletzt und betonte gleich nochmal: „Wir wollen die Champions League gewinnen, daran gibt es keinen Zweifel.“ National stecken sie sich wegen ihres immensen wirtschaftlichen Vorsprungs ohnehin die höchsten Ziele. Das gilt in der am Freitag gegen den VfB Stuttgart beginnenden Saison der Bundesliga ebenso wie im DFB-Pokal, in den die Münchner am kommenden Mittwoch beim Zweitligisten VfL Osnabrück einsteigen.

Auf Rekordjagd

Bereits in der vergangenen Saison hatten die Bayern ihre Ausnahmestellung wieder einmal demonstriert. Mit 16 Punkten Vorsprung waren sie Meister geworden, vor jenem Tabellenzweiten Borussia Dortmund, bei dem sie am vergangenen Samstag im Franz-Beckenbauer-Supercup auch das erste Pflichtspiel dieser Saison souverän gewannen. In der vergangenen Saison hatten sie in den 34 Ligaspielen 122 Tore (im Schnitt mehr als 3,5 pro Partie) erzielt und den bisherigen Rekord von 101 Toren aus der Bundesligasaison 1971/72 pulverisiert. Nun wird beim FC Bayern schon die Jagd auf neue Rekorde ausgerufen. Das erzählt ebenso viel über das Selbstverständnis wie das unmissverständliche Vorhaben, nun auch den Titel in der Champions League zu gewinnen.

Zu tun hat das auch mit der Entwicklung unter Kompany. In seiner ersten Saison in München hatten die Bayern einige Rückschläge hinnehmen müssen und einzig den Meistertitel gewonnen. In seiner zurückliegenden zweiten Saison traten sie stabiler auf und holten das Double. In den teils wilden Viertelfinals der Champions League gegen Real Madrid (2:1 und 4:3) und Halbfinals gegen Paris Saint-Germain (4:5 und 1:1) war allerdings erneut sichtbar geworden, welche Sollbruchstellen ihre Spielweise aufweisen kann.

Das Aus gegen den erfolgreichen Titelverteidiger PSG dient nun als größte Motivation. Noch besser werden zu wollen bedeutet, sich der Perfektion von Kompanys Lehre zu nähern. Beim FC Bayern sind sie zuversichtlich, dass dieser Schritt gelingen kann, auch durch die Verpflichtungen des marokkanischen Nationalspielers Ismael Saibari, 25, von der PSV Eindhoven und des deutschen Nationalspielers Nathaniel Brown, 23, von Eintracht Frankfurt für je rund 50 Millionen Euro Ablöse. Saibari und Brown würden „noch mehr Flexibilität bringen“, sagte Eberl. Zugleich muss abgewartet werden, ob Offensivspieler Jamal Musiala medikamentös wieder so eingestellt werden kann, dass Absencen möglichst ausbleiben und er uneingeschränkt einsatzfähig ist. Der Ton für diese Saison ist unabhängig davon gesetzt. Man dürfe zwar nicht davon ausgehen, „dass wir jedes Jahr die Champions League gewinnen“, sagte Dreesen zuletzt, „aber es muss unser Anspruch sein.“