Max Kepler ist direkt. Der Outfielder der Arizona Diamondbacks weicht nicht aus, er faselt nicht herum, er sucht nicht nach Ausreden. „Das Mittel war in meiner Probe. Ich habe keine Ahnung, wie es da reingekommen ist, aber, ich bin dafür verantwortlich“, sagt der Berliner über seinen positiven Dopingtest, für den er von der Major League Baseball zu Jahresbeginn mit einer Sperre von 80 Spielen sanktioniert worden war.

Wenn bislang von diesem Maximilian Kepler-Rozycki die Rede war, dann immer im positiven Sinne. Denn der Linkshänder, der einst bei den Bundesjugendspielen den Schlagball so weit warf, dass er fast außerhalb des Stadions landete, galt in seiner Heimat immer als Vorzeigespieler seines Sports. Als das perfekte Beispiel, dass es sogar jemand aus der Fußballnation Deutschland in die beste Baseball-Liga der Welt, die nordamerikanische MLB, schaffen und sich dort etablieren kann.

80 Spiele gesperrt

Eine Liga, in der das Gros der Spieler aus den USA, Japan, der Dominikanischen Republik oder auch Venezuela kommt – aus typischen Baseball-Nationen. 2015 hatte Kepler für die Minnesota Twins debütiert, mittlerweile weist seine Vita mehr als 1200 MLB-Spiele auf. Als er 2019 mit 36 Homeruns zwischenzeitlich unter den Top Ten in einer der wichtigsten Zahlenerhebungen der statistikverrückten MLB war, bezeichnete ESPN ihn als „seltenen europäischen Star“. Die Liga selbst nannte den Deutschen das „Düngemittel, das uns helfen wird, damit der Sport wächst“.

San Diego Padres v Arizona Diamondbacks
Max Kepler selbst drischt den Ball gern über die Mauer, schlägt so Homeruns. Hier verhindert der 33-Jährige einen Punkt des Gegners.© afp | Hall

Doch nun trägt Kepler den Makel des Dopers mit sich herum. Die Liga hatte ihn im Oktober informiert, dass in seiner Urinprobe das leistungssteigernde Mittel Epitrenbolon gefunden wurde. Wegen Verstoßes gegen das Doping-Präventionsprogramm der MLB drohte Kepler eine Sperre von 80 Spielen. Somit würde er in der neuen Spielzeit knapp die Hälfte der 162 Partien umfassenden Hauptrunde verpassen. Kepler nahm sich Anwälte, wollte mit ihnen zusammen seine Unschuld beweisen. „Unsere Theorie war kontaminiertes Rindfleisch“, betont er. Denn in den USA ist es erlaubt, das anabole Steroid Epitrenbolon in der Rindermast einzusetzen. Und in der Vergangenheit hatte es schon Fälle gegeben, ergänzt Kepler, in denen Athleten beweisen konnten, dass ihr positiver Dopingtest auf verunreinigtes Fleisch zurückzuführen war.

So hatte der Internationale Sportgerichtshof Cas den US-Weitspringer und WM-Zweiten von 2017, Jarrion Lawson, von seiner 2019 verhängten, vierjährigen Dopingsperre freigesprochen. Lawson war 2018 positiv auf Epitrenbolon getestet worden. Er gab an, am Vorabend der Probe in einem japanischen Restaurant im US-Bundesstaat Arkansas Rindfleisch gegessen zu haben. Lawson konnte dies anhand seiner Kreditkarten-Rechnung nachweisen – und er konnte zudem aufzeigen, dass der Zulieferbetrieb des Lokals das im Sport verbotene Mittel in der Aufzucht verwendet.

Kepler hingegen fand keine solche Quelle, wurde deshalb am 9. Januar für 80 Spiele gesperrt. Er war somit der erste Deutsche, der in einer nordamerikanischen Profiliga wegen Dopings sanktioniert wurde. Seine „prison time“ (Haftzeit), wie Kepler die Strafe nennt, verbrachte er in Florida. Dort trainierte Kepler alleine oder mit High School- und College-Spielern. Und er wartete – auf Anrufe von Teams, die ihm sein Berater zugesagt hatte. „Aber viele Wochen kam nichts“, erinnert sich der 33-Jährige. Er war nicht nur klublos, sondern auch in Sorge, dass seine MLB-Karriere womöglich vorbei sein könnte. Denn wer würde schon einen Spieler verpflichten, der die Hälfte der Saison gesperrt ist?

Neue Chance in Arizona

Die Arizona Diamondbacks dachten sich: wir. Das Team aus Phoenix gab ihm Anfang Juni einen Vertrag für den Rest der Saison. „Ich freue mich, dass er hier ist. Dies ist eine großartige Chance für Max“, sagte Trainer Torey Lovullo bei der Begrüßung. Am 26. Juni gab Kepler sein Diamondbacks-Debüt. Vergangene Saison verdiente er in Philadelphia noch 10 Millionen Dollar, jetzt bekommt Kepler den MLB-Mindestlohn von 780.000 Dollar. Doch dem Mann, der in seiner Karriere bereits mehr als 50 Millionen Dollar eingenommen hat, geht es nicht ums Finanzielle, sondern um Dankbarkeit. „Ich will der Mannschaft helfen, die mir diese Möglichkeit gegeben hat, Baseball zu spielen“, sagt Kepler.

Allerdings ist seine Hilfe begrenzt. Arizona hat zwar gute Chancen, die im Oktober ausgespielten Play-offs zu erreichen. Aber Kepler würde dann fehlen. Aufgrund seiner Dopingsperre darf er in der Ko-Runde nicht dabei sein. Auch hier ist Kepler direkt und faselt nicht herum: „Das ist, leider, scheiße. Aber, das ist Teil der Sperre, da kann ich nichts machen.“