Dass es Tränen und Emotionen beim VfL Wolfsburg geben würde, das war im Vorfeld klar. Das Endspiel im DFB-Pokal am Donnerstag vor ausverkauftem Haus im Kölner Rheinenergiestadion war die letzte große Bühne von Wolfsburgs Kapitänin Alexandra Popp, die ab der kommenden Saison für ihren Herzensverein Borussia Dortmund auflaufen wird. Im Finale gegen den deutschen Meister und Titelverteidiger FC Bayern München wollte die 35-Jährige sich nach bis dato 20 Titeln mit einem weiteren verabschieden. Doch es wurden Tränen der Trauer bei Popp und ihren Teamkolleginnen. Die Bayern setzten ihre Dominanz aus der Liga auch im Cup fort, besiegten die Wölfinnen vor mehr als 46.000 Zuschauern verdient und deutlich mit 4:0 (1:0).

Popp sank nach Abpfiff auf den Boden, vergrub ihr Gesicht in den Händen, ehe Bayerns Georgia Stanway ihr aufhalf, es erste tröstende Worte gab. Doch leicht war es gerade für die 35-Jährige nicht, das war ihr deutlich anzusehen. Sie brauchte einige Augenblicke, ehe es in den Mannschaftskreis und dann in die Fankurve ging. „Es sind extrem viele Tränen geflossen. Nicht nur vor dem Hintergrund, dass wir das Spiel nicht für uns entscheiden konnten, sondern auch, weil es mein vielleicht letztes Pokalfinale war“, sagte sie. Der Trophäe, die sie 13 Mal gewonnen hat, winkte sie bei der Siegerehrung noch zum Abschied. Die vergangenen Tage in Köln hatte Popp „versucht, noch einmal mehr wahrzunehmen. Die ganzen kleinen Momente zu genießen.“

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Die Bayern feiern: Nach der Meisterschaft verteidigen die Münchnerinnen dank des 4:0 gegen Wolfsburg auch den DFB-Pokal.© Witters | Hufnagel

Das aus sportlicher Sicht Wichtigste vorweg: Es reichte auch für die Wolfsburgerin, die nach einem Muskelfaserriss im März in Köln ihr Comeback geben konnte, den VfL in diesem letzten großen Spiel auch als Kapitänin und Mittelstürmerin aufs Feld führte.

Die Wölfinnen halten gegen Bayern nur in der ersten Hälfte mit

Den Unterschied für ihre Mannschaft konnte Popp dann allerdings nicht ausmachen. Sie zeigte zwar all die Tugenden, die sie für den VfL in den vergangenen 14 Jahren so wertvoll machten. Sie gewann zahlreiche Offensivkopfbälle, warf sich in den jeden Ball, biss und kämpfte. „Sie hat sich wieder für die Mannschaft geopfert“, fand ihr Trainer Stephan Lerch. „Sie hat alles auf dem Platz gelassen, das ist eine enorme Qualität und Mentalität, die beim VfL Wolfsburg eine Riesenlücke hinterlässt.“ Doch angeführt von der 145-maligen Nationalspielerin schafften es die Wolfsburgerinnen auch, den dominanten Münchnerinnen, die auf nationaler Ebene in dieser Saison kein Spiel verloren haben, Paroli zu bieten. So war es eine ausgeglichene erste Hälfte, der VfL hatte im Ansatz einige gute Offensivsituationen, mit Lena Lattweins am Ende zu zentralem 16-Meter-Schuss eine ordentliche Gelegenheit.

Fußball, Frauen DFB-Pokal Finale, VfL Wolfsburg - FC Bayern München
Während der 90 Minuten ließ Alexandra Popp einmal mehr ihr Herz auf dem Platz. Die VfL-Kapitänin hatte nach fast zweimonatiger Verletzungspause ihr Comeback im DFB-Pokalfinale gegeben. © Oliver Vogler/Jan Huebner | Oliver Vogler

Doch in Summe fehlte es beim VfL am letzten, entscheidenden Zuspiel. Und natürlich konnten Popp und Co. den Meister nicht gänzlich vom eigenen Tor fernhalten. Aber Pernille Harder setzte einen Kopfball freistehend daneben (20. Minute). In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs blockte Sarai Linder noch einen Abschluss der dänischen Topspielerin auf der Linie. Kurz zuvor waren die Bayern allerdings doch erfolgreich gewesen.

Lineth Beerensteyn hatte Momoko Tanikawa im eigenen Strafraum im Zweikampf berührt – der Elfmeterpfiff von Franziska Wildfeuer nach VAR-Eingriff folgte zwei Minuten später und war für den VfL zumindest eine harte Entscheidung.

Spiel kompakt

VfL Wolfsburg: Johannes – Bjelde (70. Levels), Kleinherne (70. Dijkstra), Küver, Linder – Minge (71. Kielland), Peddemors – Huth, Lattwein (58. Endemann), Beerensteyn (81. Zicai) – Popp.

FC Bayern München: Mahmutovic – Gwinn (87. Naschenweng), Viggosdottir, Eriksson (82. Gilles), Kett (82. Simon) – Amani, Stanway – Dallmann, Tanikawa (79. Imade), Bühl – Harder (79. Caruso).

Tore: 0:1 Stanway (Foulelfmeter/45.+2), 0:2 Harder (59.), 0:3 Tanikawa (77.), 0:4 Caruso (84.).

Gelb: – / Kett.

Schiedsrichterin: Franziska Wildfeuer (Markranstädt).

Zuschauer: 46.064 im Rheinenergiestadion in Köln (ausverkauft).

Nach der Pause schafften es die Wolfsburgerinnen dann nicht mehr, mit den Münchnerinnen Schritt zu halten. Das Spiel verlagerte sich immer mehr in die Wolfsburger Hälfte, Harders 2:0 in der 59. Spielminute fiel folgerichtig. Als Tanikawa nach einer Klara-Bühl-Vorlage das 3:0 nachlegte, war der Wolfsburger Widerstand endgültig gebrochen. Arianna Caruso setzte mit einem tollen Freistoßtreffer den Schlusspunkt.

Vierte VfL-Niederlage im vierten Vergleich mit den Bayern

Wie schon in den drei direkten Vergleichen zuvor in dieser Saison hatte der VfL phasenweise mithalten können, aber nicht über 90 Minuten. Diesen „nahezu perfekten und fehlerfreien Tag“, von dem Trainer Stephan Lerch im Vorfeld gesprochen hatte, den bekam seine Mannschaft nicht auf den Platz.

Damit endet Popps Ära auf der großen Fußballbühne, am Sonntag (14 Uhr, gegen den 1. FC Nürnberg) verabschiedet der VfL Popp sowie Sportdirektor Ralf Kellermann noch zum Bundesliga-Abschluss in der großen Volkswagen-Arena.

13 Mal hat sie den DFB-Pokal gewonnen. Ihren ersten mit Duisburg noch im Berliner Olympiastadion, ihren letzten vor zwei Jahren. Sie geht nach 20 Titeln mit dem VfL, für den damit nicht nur die Ära Alex Popp endet. Elf Mal hatten die Wölfinnen seit 2013 im Endspiel gestanden – und wenn sie nach Köln fuhren, haben sie auch immer gewonnen. Bis Donnerstag, als sich mit Popp eine der besten deutschen Fußballerinnen von der großen Bühne verabschiedete. Die silberne Medaille, ihre erste, behielt Popp bei den zahlreichen Interviews um den Hals. Wo die landen wird? „Die kommt genauso zu den anderen.“