Infos zur Wegstrecke

  • Start: Dorfanger Alt Lübars
  • Ziel: Schwedter Steig/Mauerpark
  • Anreise: S-Bahnhof Waidmannslust, Bus 222 nach Alt-Lübars
  • Distanz: 13,4 Kilometer
  • Wegbeschaffenheit: Asphalt, Waldwege, Kopfsteinpflaster
  • Höhenmeter: 40 m ⬆️ 30 m ⬇️
  • Mittelschwere Wanderung
  • Gastronomie: diverse Möglichkeiten am Wegesrand

Jeden Sonnabend teilt unser Redakteur Jörg Krauthöfer seine schönsten Wandervorschläge für Berlin und Brandenburg. Von entspannten Spaziergängen durch charmante Kieze über versteckte Wege durch grüne Parklandschaften bis hin zu familienfreundlichen Rundtouren und anspruchsvollen Fernwanderungen – Jörgs Empfehlungen bieten für jeden Geschmack die passende Route. Diesmal wird auf dem Grüne Hauptwege Berlins Nummer 4 von Alt-Lübars bis zum Mauerpark in Prenzlauer Berg gewandert.

Grüne Hauptwege Berlin?

Die Grünen Hauptwege in Berlin sind ein 575 Kilometer langes Wegenetz aus insgesamt 20 Wander- und Spazierwegen, die sich über die gesamte Stadt erstrecken. Diese Wege sind so angelegt, dass sie möglichst durch grüne und naturnahe Bereiche führen – wie Parks, Wälder, Grünanlagen, Fluss- und Kanalufer. Ziel ist es, Berlins reichhaltige Natur- und Kulturlandschaft erlebbar zu machen, ohne dass man dafür große Entfernungen zurücklegen oder die Stadt verlassen muss. Die Routen sind sowohl für Erholungssuchende wie Spaziergänger, Wanderer oder Fahrradfahrer geeignet. Sie verbinden bekannte Sehenswürdigkeiten mit versteckten Naturschätzen und bieten gleichzeitig eine umweltfreundliche Alternative zur Fortbewegung.

Das Ganze ist Teil der Berliner Stadtentwicklung, um Natur und Naherholung mit der Urbanität der Stadt zu verbinden. Praktisch sind die Wege ein Mix aus urbaner Erkundung und naturnahen Erlebnissen. Ideal, wenn du die grüne Seite Berlins entdecken willst!

Von Alt-Lübars zum Mauerweg

Am Anfang jeder Wanderung steht die Frage: „Wo geht es eigentlich lang?“ In Lübars wird uns diese Entscheidung leicht gemacht, denn direkt an der Bushaltestelle weist ein gut sichtbares Zeichen den Weg. Der Berliner Bär mit dem Wanderstock in der Hand gibt die Laufrichtung vor, und wir folgen ab hier dem ausgeschilderten Wanderweg Grüne Hauptwege Berlin mit der Nummer 4. Er soll uns vom hohen Berliner Norden bis zum Mauerpark im Prenzlauer Berg führen. Insgesamt erwarten uns 13 Wanderkilometer, und wir starten zunächst im ältesten Dorf Berlins: Alt-Lübars.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Die historische Kirche Lübars auf dem Dorfanger Alt-Lübars ist eine der über 50 Dorfkirchen in Berlin.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Kleine Bauernhäuser, alte Villen und dazugehörige Höfe reihen sich wie Perlen an einer Kette entlang der Dorfstraße. Mittendrin steht die alte Dorfkirche, die mit ihrem barocken Kanzelaltar beeindruckt – ursprünglich war dieser für die Gertraudenkirche am Spittelmarkt bestimmt.

Von Gedenkstätten und alten Eisenbahntrassen

Hinter der Dorfkirche biegen wir nach rechts in die Straße Alt-Lübars ein und folgen am Dorfausgang dem Schildower Weg nach links. Hier wandern wir vorbei an der Osterquelle bis zum Mauerweg. Dieser ist 160 Kilometer lang und folgt größtenteils dem früheren Postenweg der DDR-Grenztruppen. Entlang des Weges, manchmal etwas verborgen, stehen Informationstafeln oder Gedenksteine, die an die Geschichte der Berliner Mauer erinnern. Unweit der Kreuzung Mauerweg/Bahnhofstraße beispielsweise erinnert ein Gedenkstein an den Bauern Helmut Qualitz. Im Juni 1990 hatte er mit seinem Traktor Teile der Grenzanlagen eingerissen – ein symbolischer Akt, weil die Menschen es satthatten, wegen der Mauer umständliche Umwege machen zu müssen, um ans Ziel zu gelangen.

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Weiter entlang des Mauerwegs, in Richtung Stadtzentrum, passieren wir eine Informationstafel, die auf das frühere Krankensammellager Blankenburg-Nord hinweist. Während des Zweiten Weltkriegs internierte das NS-Regime hier sowjetische Gefangene, die eigentlich für den Arbeitsdienst vorgesehen waren, jedoch aufgrund von Erkrankungen keine Verwendung fanden.

Unser Weg führt uns nun entlang der Heidekrautbahnstrecke. Die Gleise ruhen hier noch im Dornröschenschlaf, aber einst verkehrten Züge zwischen Berlin-Wilhelmsruh und Schönwalde im Barnim. Mit dem Mauerbau 1961 wurde diese schnelle Verbindung gekappt, jedoch gibt es inzwischen konkrete Pläne, die Strecke wieder zu aktivieren.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Früher brachten Dampfzüge Berliner Ausflügler über die Linie der Heidekrautbahn in den Barnim. Dann kam der Bau der Mauer und die Strecke fiel in einen Dornröschenschlaf.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Ganz viel Geschichte im Berliner Norden

In Wilhelmsruh begrüßen uns rechts die markanten weißen Hochhäuser des Märkischen Viertels. Wir folgen dem ausgeschilderten Weg, überqueren den Wilhelmsruher Damm, biegen rechts in die Uhlandstraße ein und durchqueren die Kleingartenanlage Rosenthal-Süd. Weiter geht es über die Hielscherstraße bis zur Kreuzung Hertzstraße. Von hier aus nehmen wir Kurs nach links zum Wilhelmsruher See.

Unser Wanderweg führt nun weiter Richtung Mauerpark. An der Germanenstraße wartet mit dem Sowjetischen Ehrenmal Schönholzer Heide ein weiteres Highlight, das zum Innehalten einlädt. Dieses Waldgebiet im Norden Berlins war einst ein beliebtes Ausflugsziel und beherbergte während des Zweiten Weltkriegs ein großes Zwangsarbeiterlager. Das Denkmal beherbergt unter anderem die letzte Ruhestätte für etwa 15.000 Rotarmisten, die bei der Schlacht um Berlin ihr Leben verloren.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Das sowjetische Ehrenmal in der Schönholzer Heide ist Friedhof und Gedenkstätte für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten der Roten Armee, insbesondere während der Schlacht um Berlin. Zusammen mit den Ehrenmalen in Treptow und Tiergarten gehört es zu den drei großen sowjetischen Ehrenstätten in Berlin.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Durch die Schönholzer Heide wandern wir weiter bis zur Hermann-Hesse-Straße. Von dort geht es am Bürgerpark vorbei stadteinwärts, wo wir die Panke überqueren und in die Wilhelm-Kuhr-Straße einbiegen. Kurz vor der S-Bahn-Trasse halten wir uns links und folgen dem grünen Hauptweg Nr. 4 entlang der Bahnstrecke über die Brehmstraße, bis wir das „Nasse Dreieck“ erreichen. Dieses wildromantische Grüngebiet liegt im „Dreiländereck“ von Gesundbrunnen, Prenzlauer Berg und Pankow. Es ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und führt südlich zur Grüntaler Straße.

Zierkirschen auf dem Mauerweg

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Wenn die japanischen Zierkirschen blühen, strömen jedes Jahr Tausende Besucher aus aller Welt in die Norwegerstraße, um die farbenfrohe Blütenpracht zu bestaunen.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Wir unterqueren die Bahntrasse auf der linken Seite und biegen danach rechts in die Norwegerstraße ab. Besonders auffällig sind hier die Kirschbäume, die den Straßenzug säumen. In Japan symbolisieren die Kirschblüten, dort bekannt als Sakura, unmissverständlich den Beginn des Frühlings. Sie stehen außerdem für Frieden und innere Ruhe.

Anlässlich der Wiedervereinigung Deutschlands startete der japanische Fernsehsender TV-Asahi im Jahr 1990 eine Spendenaktion, um Geld für die Pflanzung von Japanischen Kirschbäumen in Deutschland zu sammeln. Das Ergebnis war beeindruckend: Mehr als 9.000 Bäume konnten finanziert werden, von denen viele in Berlin ihre neue Heimat fanden.

Die ersten wurden im November 1990 an der Glienicker Brücke gepflanzt – einem Ort, der während der Deutschen Teilung eine besondere Bedeutung hatte. Zur Blütezeit im Frühjahr locken sie jedes Jahr Tausende Besucher auf den ehemaligen Mauerstreifen an der Bösebrücke.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Blick über den Schwedter Steig in Richtung Mauerpark und Berliner Fernsehturm. Hier endet unser Wanderweg.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Am Ende der Norwegerstraße überqueren wir die Behmstraße und biegen direkt danach in den Schwedter Steig ein. Nach einer luftigen Überquerung der Bahngleise erreichen wir schließlich unser Ziel: den Mauerpark auf der anderen Seite.