Eigentlich ist es doch kinderleicht: Links ein Knopf zum Starten, daneben der Hebel für den Vertikalflug, rechts auf dem kleinen Handstück ein Joystick für die horizontalen Bewegungen. Schon kann er losgehen, der Flug meines kleinen geflügelten Roboters. Mit leisem Surren hebt die Drohne ab und steht wie eine Eins in der Luft. Von dort aus kann ich sie in die hintersten Winkel der Halle steuern. Die Landung geht allerdings schief. Statt auf dem Tisch setzt meine Drohne auf dem Boden auf und fällt dann auch noch um. Nur gut, dass es eine Übungsdrohne ist und kein Hightech-Gerät im Wert von einigen Zehntausend Euro. Ich merke: Auch Drohnenfliegen will gelernt sein.

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Genau das ist in der DroneMasters Academy im Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science in Siemensstadt möglich. Aktuell sind dort vor allem zehn- bis 15-jährige Kinder und Jugendliche zu Gast, die einwöchige Ferienkurse absolvieren. Auf dem „Lehrplan“ stehen etwa „Grundlagen der Aerodynamik und Auftrieb“, „Coding-basiertes, automatisiertes Fliegen“ oder „Primäre Komponenten eines Multirotor-Systems“. Was anstrengend klingt, macht den meisten Kids vor allem viel Spaß. Denn neben der spröden Theorie haben sie in der alten Siemens-Werkhalle am Rohrdamm viele Möglichkeiten, das Gelernte sofort auszuprobieren. Auf dem Plan stehen zum Beispiel Übungen mit einem Flugsimulator oder „Freies Fliegen mit der Mini-Drohne“.

DroneMasters Academy
Der elfjährige Oliver aus Zehlendorf (M.) versucht im Ferienkurs, selbst eine Flugdrohne zusammenzubauen. Die Ausbilder Paul Köhler (l.) und Frederik Mercy helfen ihm dabei. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Letzteres beherrscht Keysan Rafat bereits sehr gut. Mit einer Videobrille auf dem Kopf steuert der Schüler eine FPV-Drohne durch den Raum. FPV ist die Abkürzung für den englischen Begriff „First person view“. Frei ins Deutsche übersetzt bedeutet das: Eine mit einer kleinen Kamera ausgestattete Drohne wird aus der Ich-Perspektive gesteuert. Der Pilot bekommt dabei den Eindruck, direkt in der Drohne zu sitzen und nicht weitab neben ihr zu stehen. Keysan ist begeistert von der Technik. „Meine erste Drohne habe ich hier vor vier Jahren geflogen, inzwischen kann ich schon als Junior-Trainer meine Kenntnisse an andere weitergeben“, berichtet der Vierzehnjährige.

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Keysan Rafat steuert mit Hilfe einer Videobrille eine kleine FPV-Drohne. Der vierzehnjährige Berliner kann sein Wissen als Junior-Trainer an jüngere Kursteilnehmer weitergeben. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Die DroneMasters Academy ist ein gemeinsames Projekt von Christian Janke und Frank Wernecke. Janke war einst Hubschrauberpilot bei der Bundeswehr, heute lehrt und forscht er als Professor für Luft- und Raumfahrttechnik an der privaten amerikanischen Embry-Riddle Aeronautical University. Wernecke ist studierter Politikwissenschaftler, arbeitet aber schon seit vielen Jahren im Bereich der Informationstechnologie (kurz IT).  Sein Aha-Erlebnis war ein Videobericht aus Neuseeland, in dem Drohnenflüge durch Wälder gezeigt wurden. „Das war für mich eine Art Initialzündung, mich diesem Thema ganz zu verschreiben“, berichtet der heute 54-Jährige.

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Eine „Disco-Drohne“ fliegt durch die frühere Werkhalle im Werner-von-Siemens Centre for Industry and Science.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

„Drohne“ ist eigentlich ein zoologischer Fachbegriff für männliche Bienen oder Wespen. Erstmals 1936 sollen auch unbemannte Flugobjekte so benannt worden sein. In der militärischen Luftfahrt werden mit dem Begriff unbemannte Luftfahrzeuge bezeichnet, die ihren Auftrag automatisch beziehungsweise ferngesteuert ausführen. Anfangs nutzte das Militär Drohnen vor allem zur Aufklärung, später dann auch zur direkten Bekämpfung feindlicher Ziele. Spätestens mit dem Krieg in der Ukraine hat der dort praktizierte massenhafte Einsatz von Drohnen in der Luft, auf dem Wasser und am Boden die herkömmliche Kriegsführung grundlegend verändert.

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Doch auch im zivilen Bereich erobert sich die Drohnen-Technologie immer neue Einsatzgebiete. Ein Beispiel ist die gerade gestartete Generalsanierung der Bahnstrecke Berlin–Hamburg. Für eine bessere Planung der Arbeiten hat die Deutsche Bahn auf der Basis von rund 150.000 Luftfotos ein hochauflösendes 3D-Geländemodell erstellen lassen. „Früher hätte man dafür Flugzeuge oder Helikopter gebraucht, durch den Einsatz von Drohnen geht das schneller und ist zudem viel günstiger“, betont Janke. Der Luftfahrtspezialist verweist weiter auf die Österreichische Bundesbahn, die seit 2023 Drohnen testet, welche in speziellen „Drohnen-Garagen“ entlang des Streckennetzes stationiert werden, um regelmäßige Wartungschecks der Gleisanlagen effizienter zu gestalten. Und in Polen setzt die Staatsbahn PKP Cargo Drohnen ein, um Gleisanlagen und die darauf stehenden Lokomotiven und Waggons zu überwachen. Der Einsatz hat laut Janke geholfen, die Zahl der Diebstähle um 44 Prozent reduzieren zu können.

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Die kleinen fliegenden Roboter können auch sehr lustig aussehen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Auch in Berlin könnte unbemannter Flugverkehr bald zum Alltag gehören. So gründeten etwa das Universitätsklinikum Charité und der landeseigene Klinikkonzern Vivantes Ende 2023 ein Gemeinschaftsunternehmen, um mit Lieferdrohnen Blut- oder Gewebeproben von Patienten schneller ins Zentrallabor am Charité Campus Virchow-Klinikum zu transportieren. Vor allem für die Diagnostik in Notfällen wäre das ein großer Gewinn. „Wenn es beispielsweise einen Verdacht auf eine Vergiftung gibt, kann die Diagnostik dafür nur im Zentrallabor durchgeführt und überprüft werden. Unser Ziel ist es, egal von welchem Klinikum in Berlin, in maximal 15 Minuten den Proben-Transport mit einer Drohne zu realisieren“, sagte der Projektleiter Klaus Tenning damals.

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Allerdings zeigte sich schnell: Gerade in einer Großstadt wie Berlin sind die rechtlichen Hürden für einen Drohnen-Einsatz hoch. Viele Bereiche wie zum Beispiel das Regierungsviertel, aber auch Bahntrassen oder Bundesstraßen dürfen nur mit Sondergenehmigungen überflogen werden. Zuständig ist nicht eine, sondern sind gleich mehrere Behörden. Drohnen-Betreiber müssen zudem nachweisen, dass bei Abstürzen niemand zu Schaden kommen kann.

Wernecke und Janke arbeiten seit gut zehn Jahren daran, für die Drohnen-Technologie neue Einsatzmöglichkeiten zu erkunden und die unterschiedlichen Protagonisten, also Hersteller, Software-Entwickler und Anwender zueinander zu bringen. Besonders gut, so Wernecke, gelänge dies bislang im öffentlich-rechtlichen Bereich, etwa bei Polizei oder Feuerwehr. „Es gibt kaum noch eine Feuerwehr, die bei der Suche nach Brandnestern auf Drohnen verzichtet“, sagt Wernecke. Vor allem bei schwer zugänglichen Gebäuden oder großflächigen Waldgebieten könnten mit Kameras oder Wärmesensoren ausgerüstete Flugdrohnen eine große Hilfe für die Einsatzkräfte sein.

Die Berliner Akademie bietet ihre Kurse auch in Afrika an

Ein wichtiger Baustein ist laut Janke, ein tieferes Verständnis für die neuen Technologien und Fähigkeiten für deren Anwendung zu vermitteln. Das führte 2017 zur Gründung der DroneMaster Academy. Erklärtes Ziel der Einrichtung ist die „systematische Kompetenzentwicklung entlang der Anforderungen der Industrie“. Im Angebot stehen Kurse für ganz unterschiedliche Zielgruppen, für Kinder unter zehn Jahren ebenso wie für Lehrkräfte an Schulen oder Manager großer Unternehmen. Längst agiert die Academy über die Berliner Stadtgrenzen hinaus. „Unsere Kurse haben wir bereits in zehn Ländern auf drei Kontinenten veranstaltet. Das international standardisierte Curriculum funktioniert, egal ob in Saudi-Arabien oder in Ruanda“, berichtet Janke.

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Für die weitere Entwicklung und Anwendung der zivilen Drohnen-Technologie sehen die beiden Experten für Berlin große Chancen. „Bayern und Hamburg sind – auch wegen ihrer Nähe zur dort ansässigen Luft- und Raumfahrtindustrie – bislang die großen Hubs für die Technologie, aber Berlin holt auf“, meint Wernecke. Vor allem in der Software-Entwicklung habe die Bundeshauptstadt großes Potential. Wernecke hat dann auch noch einen ganz praktischen Vorschlag. „Jedes Jahr nach Silvester flammt in Berlin die Debatte über ein Böllerverbot auf. Mit Drohnen-Schwärmen lassen sich Lichtshows am Himmel zelebrieren, die jedes Feuerwerk in den Schatten stellen“, sagt er begeistert.

Ferienkurse an der DroneMasters Academy können noch für die beiden letzten Wochen der Sommerferien und für die Herbstferien gebucht werden. Die Kinder werden von 9.30 bis 17 Uhr betreut. Kosten: zwischen 350 und 390 Euro. Weitere Infos: https://dronemasters.academy/de/kurse/ferienkurse-einsteiger