• Eine Wärmepumpe entwickelt sich schnell zum größten Stromverbraucher im Haushalt.
  • Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe lässt sich vorab berechnen.
  • Neben Solarenergie können auch spezielle Stromtarife helfen, die Energiekosten zu senken.

Wer seine alte Heizung durch eine Wärmepumpe ersetzt, achtet meist zuerst auf die Anschaffungskosten. Mittel- und langfristig entscheidet jedoch auch der Stromverbrauch über die Wirtschaftlichkeit. Wie sich der Bedarf im Vorfeld berechnen lässt und wie Hausbesitzer ihre Energiekosten niedrig halten können, erklärt Energieforscher Jan Ossenbrink vom Heizungsanbieter Vamo.

Ein häufiger Fehler entsteht ihm zufolge schon beim Kauf: „Ist die Wärmepumpe zu klein oder zu groß für das Gebäude, läuft sie ineffizient“, sagt Ossenbrink. Umso wichtiger sei es, den Wärmebedarf möglichst genau zu ermitteln. Doch wie funktioniert das?

Stromverbrauch einer Wärmepumpe berechnen – so funktioniert es

Eine einfache Schätzmethode besteht darin, den Heizenergieverbrauch in Kilowattstunden (kWh) aus der bisherigen Öl- oder Gasrechnung zu entnehmen. Bei Gas sei der Verbrauchswert bereits in Kilowattstunden angegeben, heißt es im Wärmepumpen-Ratgeber der Verbraucherzentrale. Beim Öl müssen Verbraucher die Literanzahl mit zehn multiplizieren, um einen ungefähren Kilowattstunden-Wert zu erhalten. Anschließend teilt man den Verbrauch durch die erwartete Jahresarbeitszahl (JAZ) der Wärmepumpe.

Jan Ossenbrink vom Start-up Vamo.
Jan Ossenbrink ist promovierter Energieforscher und Mitgründer des Start-ups Vamo.© Vamo | Pressebild

Auch Online-Tools wie der JAZ-Rechner vom Bundesverband Wärmepumpe können bei der Schätzung helfen. Sowohl die eigene Schätzrechnung als auch Online-Rechner bieten allerdings nur eine grobe Einschätzung des voraussichtlichen Stromverbrauchs einer Wärmepumpe. Ein wichtiger Faktor – die Effizienz – bleibt dabei unberücksichtigt.

Ossenbrink rät daher zu einer zweiten, detaillierteren Berechnung, die die spezifischen Gegebenheiten des Gebäudes berücksichtigt. Dazu zählen unter anderem der Grundriss, die Fensterflächen, sowie die Anzahl und Größe der Heizkörper. Die aufwändigere Rechnung kann ein Energieberater oder Heizungsbauer aufstellen.

Was ist die Jahresarbeitszahl (JAZ)?

Die JAZ zeigt, wie viel Wärme eine Wärmepumpe im Jahr pro Kilowattstunde Strom erzeugt. Beispiel: Eine JAZ von 3 bedeutet, dass 1 1 kWh Strom zu 3 kWh Wärme wird. In Neubauten sind Werte über 4 üblich. In Altbauten fällt die JAZ oft geringer aus. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollte im Altbau jedoch mindestens eine JAZ von 3 angestrebt werden.

Wärmepumpen-Profi rechnet vor: „100 Euro Stromkosten pro Monat“

Zusammen mit der Schätzrechnung lässt sich so ein ungefährer Wärmebedarf und Stromverbrauch ermitteln. Eine pauschale Vorhersage bleibt jedoch schwierig, da die variablen Kosten individuell unterschiedlich ausfallen können. Eine Wärmepumpe ist letztlich eine strombetriebene Heizung und neben dem E-Auto einer der größten Stromverbraucher im Haushalt. Daher ist es umso wichtiger, dass die Heizung so effizient wie möglich arbeitet.

In einer Beispielrechnung zeigt Ossenbrink, wie hoch die monatlichen Stromkosten tatsächlich sein könnten: Er verwendet dabei einen Strompreis von 30 Cent pro Kilowattstunden, einen jährlichen Wärmebedarf von 16.000 Kilowattstunden und eine Jahresarbeitszahl von vier. „In diesem Szenario liegen die Stromkosten bei rund 100 Euro pro Monat“, fasst er zusammen. Aufs Jahr gerechnet wären das 1200 Euro für einen Stromverbrauch von 16.000 Kilowattstunden.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe der Firma Vaillant steht vor einem Fachwerkhaus (Archivbild).
Auch im Altbau ist eine Wärmepumpe möglich. Vorlauftemperatur und Jahresarbeitszahl sind zwei Indikatoren dafür, wie effizient der Wechsel von Gas oder Öl zu einer Wärmepumpe ist.© picture alliance/dpa | Fernando Gutierrez-Juarez

Wichtig: Je niedriger die Jahresarbeitszahl, desto höher sind die Stromkosten, da die Wärmepumpe dann weniger effizient arbeitet. Heizkörper spielen hierbei eine entscheidende Rolle: Kleinere Heizkörper führen zu einer geringeren Effizienz der Wärmepumpe im Vergleich zu größeren. Das kann besonders bei einer Wärmepumpe im Altbau ein wichtiger Punkt sein, denn hier ist häufig auch die Dämmung deutlich schlechter als in Neubauten.

Stromkosten senken: Diesen Rat gibt der Energieforscher jedem Kunden

„In einigen wenigen Fällen kann sich der Austausch einzelner Heizkörper lohnen“, erklärt Ossenbrink. Daneben hilft auch der Austausch einzelner Fenster, die Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe und damit den Stromverbrauch zu senken. Größere Sanierungen wie eine neue Dach- oder Fassadendämmung seien oftmals aber nicht nötig. Die Maßnahmen zur Senkung der variablen Kosten müssen zudem nicht unbedingt vor der Investition in eine Wärmepumpe erfolgen. Wer über mehrere Jahre investiert, kann die Sanierungskosten aufteilen.

Einen wichtigen Hebel zur Reduzierung der variablen Kosten vergessen Verbraucher laut Ossenbrik aber oft: den Stromtarif. „Wir raten jedem unserer Kunden, seinen aktuellen Stromtarif zu wechseln“, empfiehlt der Energie-Experte. Eine Berechnung von Verivox im Frühjahr 2024 ergab, dass deutsche Haushalte insgesamt rund fünf Milliarden Euro zu viel für Strom bezahlen. Viele nutzen nach wie vor die teureren Grundversorgungstarife mit festen Strompreisen. Dabei können sich schon wenige Cent Unterschied pro Kilowattstunden erheblich auf die Gesamtkosten auswirken.

Wir raten jedem unserer Kunden, seinen aktuellen Stromtarif zu wechseln.

Jan Ossenbrink, Vamo

„Mit einer Wärmepumpe holt man sich den größten Stromverbraucher ins Haus“, sagt Ossenbrink. Der Experte rät zu dynamischen Stromtarifen. Diese passten die Strompreise flexibel an die aktuellen Marktbedingungen an und orientierten sich an den Stundenpreisen an der Strombörse. Das bedeutet: Wenn beispielsweise an windigen oder sonnigen Tagen viel erneuerbare Energie verfügbar ist, können die Kosten pro Kilowattstunde sinken.

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Stromtarife für Wärmepumpen: Das sind die Optionen

Die Idee hinter den dynamischen Stromtarifen ist eine intelligente Steuerung der Energiezufuhr. So kann die Wärmepumpe zu günstigeren Zeiten mehr Energie beziehen und den Verbrauch bei höheren Preisen minimieren. Diese Funktion wird auch bei E-Autos genutzt.

StromtarifDefinition
Dynamischer TarifPreis passt sich an Börsenstrompreise an; besonders vorteilhaft bei hoher Verfügbarkeit erneuerbarer Energien.
FestpreistarifFester Strompreis über die gesamte Vertragslaufzeit; unabhängig von Marktschwankungen.
Gestaffelter TarifKombination aus festen und variablen Preisen; oft mit zeitlichen Abstufungen (z. B. Tag-/Nacht-Tarif).

Spezielle Wärmepumpen-Tarife: Experte rät davon ab

Von speziellen Wärmepumpen-Tarifen rät Ossenbrink dagegen ab: „Etliche dieser Tarife werden nach zwei Jahren teurer.“ Rein wirtschaftlich gesehen können zudem keine zwei Strompreise gleichzeitig auf dem Markt existieren. Ossenbrinks Rat: „Der gesamte Stromverbrauch sollte über einen Zähler und einen günstigen Tarif laufen.“ Auch der Heizungsratgeber „heizung.de“ empfiehlt diese Stromtarife nicht pauschal. Wenn die Wärmepumpe effizient arbeite und nur wenig Strom verbrauche, könne ein Allgemeinstromtarif günstiger sein, heißt es dort.

Stromtarif für die Wärmepumpe: „Finanztip“ mit überraschendem Fazit

Das Branchen-Magazin „Finanztip“ kommt allerdings zu einem anderen Schluss. Im Juni 2024 analysierten die Experten die Ersparnis mit einem Wärmepumpen-Tarif für 15 Musterhaushalte. Im Test zeigte sich, dass sich ein Wärmestromtarif ab einem jährlichen Verbrauch von 3000 Kilowattstunden oder mehr durchaus rentiert. Das Fazit: Je mehr Strom eine Wärmepumpe verbraucht, desto eher lohnt sich ein spezieller Wärmepumpen-Tarif.

Das bedeutet auch: Kommt neben der Wärmepumpe zusätzlich Energie aus Photovoltaik dazu, rechnet sich ein Wärmepumpen-Stromtarif unter Umständen nicht mehr. In jedem Fall sollten sich Verbraucher vor dem Wechsel zu einer Wärmepumpe aber mit ihrem Stromtarif auseinandersetzen, um die Kostenfalle zu umgehen.

Wärmepumpenbesitzer können von einem Wärmestromtarif profitieren, der jedoch mindestens einen separaten Stromzähler erfordert.
Wärmepumpenbesitzer können von einem Wärmestromtarif profitieren, der jedoch mindestens einen separaten Stromzähler erfordert.© Laura Ludwig/dpa-tmn/dpa | Unbekannt

Erdwärmepumpe langfristiger günstiger? Ein Faktor muss einkalkuliert sein

Die Art der Wärmepumpe ist aus Ossenbrinks Sicht dabei weniger ausschlaggebend für den Stromverbrauch. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärmepumpe) sei um rund 0,5 Prozent effizienter als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, was auf die konstante Temperatur im Erdboden zurückzuführen ist. Denn je kälter die Umgebung ist, desto mehr Strom verbraucht eine Wärmepumpe. Allerdings verschwindet dieser Effizienzvorteil mit den steigenden Temperaturen und dem Klimawandel.

Aus Sicht von Ossenbrink kann sich eine Erdwärmepumpe dennoch rechnen, wenn mehrere Parteien sie gemeinsam nutzen. Dadurch verteilen sich die Mehrkosten im Vergleich zu anderen Wärmepumpenarten und amortisieren sich schneller. Wichtiger sei mit Blick auf die Stromkosten aber die passende und korrekte Einstellung einer Wärmepumpe. Zusätzliche Hebel seien der Stromtarif und die Erhöhung der Jahresarbeitszahl durch korrekte Einstellung und kontinuierliche Optimierung. 

Stromverbrauch der Wärmepumpe: Diese Maßnahmen helfen langfristig beim Sparen

Wer seine Öl- oder Gasheizung gegen eine Wärmepumpe tauscht, sollte nicht nur Anschaffungs- und Installationskosten berücksichtigen. Da eine Wärmepumpe bis zu 20 Jahre oder länger in Betrieb sein kann, tragen auch die Stromkosten dafür zum Gesamtpreis bei. Ist die Wärmepumpe zu klein oder zu groß und arbeitet nicht effizient, können sich die eingesparten Anschaffungskosten später bei den variablen Stromkosten rächen.

Es kann also sinnvoll sein, am Anfang etwas mehr Geld auszugeben und in ein Heizsystem zu investieren, das über die Jahre gerechnet effizient und kostensparend läuft. Maßnahmen wie ein Stromanbieterwechsel, das Auseinandersetzen mit dynamischen Stromtarifen oder kleine Sanierungen wie ein größerer Heizkörper oder ein Fenstertausch helfen dabei, den Stromverbrauch langfristig zu senken.

Diese Faktoren sollten Kaufinteressierte auch beim Vergleich von Gasheizung und Ölheizungen mit einer Wärmepumpe beachten. Denn trotz der Förderung für eine Wärmepumpe kostet die Anschaffung und Installation in etwa so viel wie ein neues Gas- oder Öl-basiertes Heizsystem. Der Kostenvorteil der Wärmepumpe zeigt sich erst im Laufe der Jahre über den Effizienzfaktor. Dieser ist umso größer, wenn die Wärmepumpe richtig eingestellt ist und die variablen Kosten so niedrig wie möglich sind.