Wir mussten den Parkplatz vor der Bahnhofsmission rechtzeitig absperren. Der Sattelschlepper mit Anhänger war sehr lang. Die 4000 Schlafsäcke nahmen viel Platz ein. Sie wurden in Berlin dringend gebraucht und retteten hier vermutlich etlichen Menschen das Leben. Helfen ist schön! Gut, wenn es Menschen gibt, die sich das leisten können.
Die Notlage war ja grundsätzlich bekannt, wir erinnerten nur ständig daran: Obdachlosigkeit ist finster, unvorstellbar grauenhaft, Menschen sterben auf der Straße. Schlafsäcke aber sind Essentials, können Leid zumindest lindern. Nur müssen sie in ausreichender Menge da sein. Zeitungen berichteten, auch das Regionalfernsehen und der Rundfunk. Wenn auch überregionale Fernsehsender sich des Themas annehmen, nimmt die Sache richtig Fahrt auf. Das Thema erzielte Quote, in Berlin, in Kappeln, sogar in Toronto.
Tantchen, so wurde die Frau von allen genannt, sah uns in Liechtenstein zu. Ich lernte sie ja nie persönlich kennen, aber ich erfuhr: Sie war mit Fleiß, Geschäftssinn und Geschick nach dem Krieg mit Teppichgeschäften in Deutschland zu Vermögen kommen. Nun war sie alt, die Geschäfte veräußert, die Dame aber nicht untätig. Mit weit über 80 fing sie an, an der Börse zu spekulieren. Sie brachte durchaus Stunden am Computer zu und es lief. Gigantisch. Dem Leben und den Menschen wollte Tantchen nun etwas zurückgeben, ihre Stiftung setzte sich bereits länger für in Not geratene Menschen ein. „Den Menschen in Deutschland muss ich doch helfen“ – Gedanke und Tat waren eins.
In die Aktivitäten der Stiftung war die halbe Familie eingebunden
In die Aktivitäten der Stiftung war die halbe Familie eingebunden, hier nun kam ihr Neffe Peter aus Magdeburg ins Spiel, um uns in Berlin zu helfen. Berlin und Magdeburg liegen nicht weit auseinander, bald stand Peter vor der Tür, um sich vor Ort in der Bahnhofsmission zu informieren. Das Gesehene berührte sein Herz und das Portemonnaie der Stiftung; beides nachhaltig und sehr. Es dauerte nicht lange, dann stand der bereits erwähnte Lkw mit den Schlafsäcken vor der Tür. Und der Transporter kam wieder, in der Regel zweimal pro Jahr, über Jahre. Rechnen wir mal kurz nach: jährlich werden das wohl 5000 Schlafsäcke gewesen sein, ich schätze, es ging über sechs Jahre. Ein Schlafsack kostete um die 30 Euro, vorsichtig gerechnet. Na? Ich komme auf eine sehr stolze Summe! Wobei man nicht vergessen sollte: Sehr viele andere Menschen halfen ja zusätzlich auch.
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Neffe Peter war ein praktisch veranlagter Mensch, der gerne mit anpackte, gerne aber auch im Netz recherchierte, Preise verglich und verhandelte. Zu Ostern und Weihnachten, auch zu anderen Gelegenheiten wurden nun zusätzlich enorme Mengen an Lebensmitteln geliefert. Eigentlich brauchten wir ja immer Margarine, H-Milch, Zucker, Käse und Kaffee in Unmengen, im Sommer Wasser und andere Getränke. Und Bekleidung brauchten wir auch. Und wer schickt bitte 500 Regenschirme?
Wir möchten für Peter beten. Beten Sie ruhig mit
Beim Supermarkt um die Ecke durften wir übrigens jeden Monat für 500 Euro einkaufen, die Rechnung ging dann nach Liechtenstein. Gerne machte ich das oft dann selbst, ein Segen und Freude! Und während ich das hier zu Papier bringe, frage ich mich gerade, ob obdachlose Menschen immer einen Schlafsack erhalten, sozusagen und immerhin als Notversorgung?
Nicht vergessen möchte ich: ich mochte Peter. Auch seine Liebste. Die Tante ist längst verstorben, doch der Kontakt zur Stiftung besteht noch immer, sie ist nun anders organisiert, es helfen jetzt Susanne und Norman. Die Hilfen sind nicht weniger geworden, sondern sogar erheblich mehr. Nun ist leider Peter mit 67 Jahren verstorben. Seine Tochter informierte uns. Auch, dass er viel von uns erzählt hat. Das freut uns. Wir sagen danke! Wir möchten für ihn beten. Beten Sie ruhig mit.


