Die meisten waren zufrieden. Das passte ja nicht immer ganz genau, die Handschuhe für Klaus waren einfach zu klein. Oder das Parfüm für Gitta, ihr Lieblingsduft lag woanders. Es durfte getauscht werden. Fast alle obdachlosen Menschen erhielten bei Weihnachtsfeiern am Heiligen Abend Geschenke, in einigen Einrichtungen waren es sogar zwei. Die Welt ist gar nicht so hartherzig, unzählige Schülerinnen und Schüler hatten diese Pakete gepackt, es kamen Sendungen aus dem gesamten Bundesgebiet, auch die Leserinnen und Leser der Berliner Morgenpost waren großzügig und haben den Einrichtungen und deren Gästen geholfen.

Natürlich sollten die Geschenke nützlich sein, siehe Handschuhe und warme Socken. Die Schokoladen und Weihnachtsmänner trösteten auch. Wichtig war aber der Gedanke: Ich bin wichtig, nicht allen egal. Da denkt jemand an mich! In fast allen Paketen war auch eine riesige Portion Liebe enthalten. Auch obdachlose Menschen merken doch, ob sich jemand beim Einpacken Zeit genommen hat, alles hübsch zu gestalten. Besonders gut kamen auch persönliche Briefe an.

Niemand denkt man mich – oft ist dies ist ja nicht nur eine Befürchtung, sondern Realität. Das ist zu Weihnachten so, auch zu den Geburtstagen. Manche Menschen kennen zwar noch das Datum ihres Hochzeitstages, die Ehe aber ist längst von gestern. Niemand gratuliert oder schreibt zumindest eine Karte. Du bist in Vergessenheit geraten. Weg. Und man wünscht sich doch von Herzen, dass sich jemand den Kopf macht, Fantasie entwickelt, Wertschätzung vermittelt. Geschenke haben doch auch mit Liebe zu tun.

Und noch ein Geschenk: „Opa, erzähl aus deinem Leben“:

Aber selbst Menschen mit Wohnung werden nicht immer verwöhnt und bedacht. Oder wann haben Sie Ihre letzte Karte bekommen? Oder haben, wie mir im Nachhinein auffällt, so wie mein Vater jedes Jahr zu Weihnachten eine Krawatte und als Rasierwasser ein Fläschchen Hattrick erhalten? Nur trug der Arme eine Krawatte lediglich bei Beerdigungen oder Jubiläen und nach der Rasur benutzte er Nivea-Creme. Er war bescheiden, freute sich. Die Hütte aber brannte, als mein Schwager vor Jahrzehnten meiner Schwester ein Dampfbügeleisen zu Weihnachten schenkte. Die Party war gelaufen. Es dauerte lange, bis diese Kränkung verwunden war.

Bei mir passte es dieses Jahr punktgenau. Schreibutensilien sind auch Statussymbole. (Haben bei Ihnen die Lehrer früher auch immer mit Füller geschrieben, die Direktoren mit grüner Tinte? „Chefs“ machen das auch heute noch.) Ist mein Selbstwertgefühl mal im Keller – der neue Füller von Faber Castell richtet es auf. Das liegt wohl an der vergoldeten Feder und dem Griff aus Birnenholz. Aus Birnenholz! Ehrlich, ich habe mich riesig gefreut, er schreibt prima und liegt gut in der Hand. Danke! Gott sei Dank ist die Tinte blau. Die Kombination aber macht es manchmal.

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Und noch ein Geschenk: „Opa, erzähl aus deinem Leben“: Ein ganz persönliches Erinnerungsbuch. Zum Selbstgestalten. Ich werde es mit Freude füllen, wohl auch mit Liebe, mit Fotos, werde alle Fragen sorgsam beantworten. „Wann warst du zum ersten Mal verliebt?“ oder „Wie hast du Oma kennengelernt?“. Es geht auch um Trivialeres. „Hast du kochen gelernt?“, oder: „Was wolltest du werden, als du klein warst?“ Meine Enkelinnen Mila und Luna haben es verdient, dass ich mir Mühe gebe. Viola – danke! Mein Egoismus: Ein kleines Stückchen Unsterblichkeit. Nur zu, verehrte Großväter, ab in die Buchhandlung… Die Spurensuche tut nicht nur Ihren Enkeln gut, auch Sie werden viel Freude dabei empfinden.

Es wäre schön, wenn auch obdachlose Menschen dieses Glück mal wieder im Leben empfinden dürften. Individuell betrachtet zu werden, Verbundenheit, geschätzt und geliebt. Es ist eben nicht nur mit einer Wohnung getan. Diese ist ein „Essential“. Tragen tut anderes.