Der neue Hauptbahnhof ist nicht nur eine architektonische Attraktion der Hauptstadt, die noch immer täglich Tausende Schaulustige anzieht. Auch als neues, attraktives Verkehrsdrehkreuz hat sich der am 26. Mai 2006 eröffnete Knotenpunkt bewährt. Nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) nutzen seitdem deutlich mehr Reisende die Züge von und nach Berlin. Kürzere Fahrzeiten führten etwa auf der Strecke nach Hamburg zu 47 Prozent mehr Fahrgästen, gab Ingulf Leuschel, Bahn-Konzernbevollmächtigter für Berlin, bekannt. Auch von und nach Leipzig seien etwa 45 Prozent mehr Reisende unterwegs. Im Regionalverkehr stiegen auf einigen Strecken bis zu 40 Prozent mehr Fahrgäste zu. Der Hauptbahnhof war zwei Tage nach seiner offiziellen Eröffnung in Betrieb gegangen. Durch den neuen Nord-Süd-Tunnel erhielt Berlin ein völlig neues Verkehrskonzept.

Erstmals ICE nach Rostock

In die Kritik waren Gebäude und Bahn geraten, als am 18. Januar während eines Orkans ein tonnenschwerer Stahlträger aus der Fassade des Bahnhofs auf den Vorplatz stürzte. Verletzt wurde wie durch ein Wunder niemand. Als Konsequenz wurden sämtliche Träger besser gesichert. Einen bleibenden Imageschaden für den Hauptbahnhof und die Bahn sieht Leuschel rund vier Monate nach dem Unglück jedoch nicht. Die Ursache des Unglücks werde weiter von Gutachtern geklärt, sagte er. Ein Ende des Verfahrens sei aber noch nicht abzusehen.

Probleme gibt es aber auch mit dem riesigen, 21 000 Quadratmeter großen Glasdächern. Bereits kurz nach Bahnhofs-Eröffnung waren einige Scheiben gerissen oder gar komplett gesprungen. "Die Scheiben bestehen aus Sicherheitsglas. Eine Gefahr für die Reisenden bestand aber zu keiner Zeit", betont Bahn-Sprecherin Gabriele Schlott. Das es sich um Einzelanfertigungen handelt, werde der stückweise Austausch aber noch einige Zeit dauern. Zumindest die Reinigung des Glasdachs soll bald einfacher werden. Voraussichtlich ab Anfang Juni übernimmt das halbautomatische System "Filius Toni" diese Aufgabe. Die Reinigungskräfte können den Roboter vom Bahnsteig per Fernbedienung steuern. Das Glasdach besteht aus mehr als 12 000 Scheiben, von denen keine der anderen gleicht. Das gläserne Nord-Süd-Dach ist 210 Meter lang, das Ost-West-Dach weitere 321 Meter.

Was für Touristen eine Sehenswürdigkeit ist, birgt für Fensterreiniger etliche Herausforderungen. Um auf das Dach zu klettern, brauchen sie eine Sondergenehmigung. Jetzt können sie mit einer Fernbedienung auf dem Bahnsteig bleiben, während das halbautomatische Reinigungssystem nach ihren Anweisungen auf dem Glasdach herumfährt und es säubert. Dabei sind zahlreiche Hindernisse wie etwa Schneefangrohre, Spannbögen und Lüftungsklappen zu umkurven. An einigen Stellen fällt das Dach um fast 90 Grad ab. "Mit vier großen Ballonrädern und einem Allradantrieb überwindet Filius Toni die Hindernisse problemlos", sagt Justus Hortig, der die Entwicklung im Auftrag der Bahn am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) geleitet hat. Um die Sicherheit der Reisenden zu gewährleisten, ist der Reinigungswagen über eine Art Gleissystem auf der Mitte des Dachs gesichert: Von hier aus seilt Filius sich über zwei Seilwinden ab. Leitungen und Kabeltrommel versorgen ihn über die Befahranlage ständig mit Wasser und Strom. Stößt das Reinigungssystem auf ein Hindernis, bleibt es stehen.

Der Verantwortliche auf dem Bahnsteig hat durch das Glasdach Sichtkontakt zu Filius Toni. Erst wenn er der Maschine das Signal zum Weiterfahren gibt, rollt sie langsam über das Hindernis hinweg. Eine Bürste mit langen Borsten und Sprühdüsen für das Wasser sorgen für strahlende und schnelle Sauberkeit - die Reinigungsleistung beträgt mehr als 150 Quadratmeter pro Stunde. Ein Fensterputzer schafft in dieser Zeit bis zu 30 Quadratmeter.

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