Die Razzia gegen das Großbordell „Artemis“ in Halensee im April wurde von vielen Berlinern goutiert. Endlich gehen Polizei und Staatsanwaltschaft mal gegen Auswüchse der Prostitution vor, so meinten sie. Prostitution und organisierte Kriminalität liegen ja auch nach Überzeugung vieler Fachleute sehr eng beieinander. Doch der Großeinsatz mit 900 Beamten im „Artemis“ könnte zu einer peinlichen Schlappe für die Staatsanwaltschaft werden. Von den Vorwürfen scheint nach derzeitigem Sachstand nicht viel übrig zu bleiben. Es ging um Hinterziehung von Steuern, Förderung der Prostitution und Verdacht des Menschenhandels. Und nun?
Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), dem die Fachaufsicht über die Staatsanwaltschaft obliegt, will sich dazu nicht äußern. Richtig ist: Das Verfahren ist noch nicht beendet, der Senator war in die Ermittlungen nicht eingebunden. Dennoch kommt die Entlassung der beiden Hauptverdächtigen am Freitag mitten im Wahlkampf für ihn zur Unzeit, ebenso wie für Innensenator Frank Henkel, den Spitzenkandidaten der CDU. Sie werden sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen müssen, die Ermittler hätten einen spektakulären Einsatz gefahren, ohne gute Karten in der Hand zu haben. Und vermutlich werden politische Kontrahenten, wie bei dem Polizeieinsatz an der Rigaer Straße, auch die Frage nach einer möglichen politischen Einflussnahme stellen.
Wir brauchen ein schärferes Prostitutionsgesetz. Der Entwurf dazu muss noch durch den Bundesrat. Mit dem Gesetz wird es einfacher sein, gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel vorzugehen und es wird schwerer, ein Bordell zu eröffnen. Wir wollen nicht behaupten, dass all das irgendetwas mit dem „Artemis“ zu tun hat. Aber es wird für eine präzisere Rechtslage sorgen und die künftige Arbeit der Ermittler erleichtern.

